Was ist das, was ich als Welt wahrnehme?

Auf Quora (deutsch) wurde folgende Frage gestellt:

Kann etwas, das nicht in meinem Geist enthalten ist (dessen ich mir nicht bewusst bin) Teil einer Wirklichkeit sein? Geschieht überhaupt etwas außerhalb des Geistes und getrennt von mir, das ich beobachten kann, ohne dass es Teil des Bewusstseins ist? Oder ist alles, was ich wahrnehme, bereits in mir enthalten?

Mādhava
Diese Frage lässt sich auf die Frage nach der grundlegenden Konstitution der Realität reduzieren.

Advaita Philosophen würden die letzte Frage mit „Ja“ beantworten. Dieser Philosophie zufolge gibt es keine „echte“ Realität außerhalb des Bewusstseins, letztendlich ist alles, was ich wahrnehme, eine Art Projektion oder Traum.

Dem halten die Philosophen anderer Denkschulen entgegen, dass dies unter anderem zu einer Art logischem Zirkelschluss führen würde. Denn alle Aussagen über die Natur der Realität wären ja dann genau so irreal wie die Realität selber. Insofern ist es unter dieser Voraussetzung vollkommen unmöglich, irgendwelche sinnvollen Aussagen zu machen – Philosophie wäre sinnlos, weil es ja dann überhaupt keinen Anker für Realität, die über die grundlegende Aussage „ich existiere“ hinausgeht, gibt. Alles ist irreal, alles ist Illusion. Somit ist die Advaita Aussage sinnlos, sie entzieht sich selbst die Basis.

Die einzig logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis wäre der Zen Ansatz, man macht keine Aussagen zur Realität und hofft einfach irgendwann aufzuwachen.

Aber dieses Aufwachen kann natürlich genauso irreal sein alles andere – so wie ich in einem Traum träumen kann aufzuwachen, in Wirklichkeit aber weiter schlafe.

Somit käme die Antwort „ja“ aus einer sehr düsteren und deprimierenden Welt ohne klaren Ausweg aus meinem jetzigen Bewusstseinszustand.

Ich als Anhänger der Vishishtadvaita Philosophie, einer modifizierte Fassung des Advaita, würde die Frage daher mit „Nein“ beantworten. Es gibt eine Realität außerhalb meines Bewusstseins, und deswegen ist es möglich philosophische Aussagen zu machen, und es besteht eine grundlegende Hoffnung, meinen jetzigen Zustand zu verändern.

Adiyēn rāmānuja dāsan

Kommentar zu dieser Antwort:

Thomas L. Horváth
Alle Dinge entstehen im Geist bzw. sind eine Schöpfung des (alleinigen und einzigen) Geistes. Was wir wahrnehmen ist keine Außenwelt, sondern erscheint in unserem Bewusstsein. Wenn Du bspw. einen Baum siehst, entstehen in Deiner Netzhaut elektro-chemische Signale, die in einem kleinen Punkt deines Gehirns das Bild des Baums erzeugen. Ob da draußen (inkl. des Wahrnehmungsprozesses) tatsächlich etwas ist, was diesen Reiz auslöst, kannst Du nicht wirklich überprüfen. Deine Wahrnehmung der Welt (auch des Wahrnehmungsprozesses selbst) unterscheidet sich nicht von der Wahrnehmung eines von dir erwähnten Traums. Unsere ganze Erfahrung ist eine Konstruktion des Geistes, eine Form, die im Bewusstsein erscheint. Diese geistigen Formen sind nicht von physischer Substanz, sondern aus Geist geformt. Wir stellen uns vor, dass eine Welt da draußen so wäre, wie die Formen, die im Bewusstsein erscheinen. Was uns dabei als grundlegende Dimensionen und Attribute der physischen Welt erscheint – Raum, Zeit, Materie und Energie – sind nur die grundlegenden Dimensionen und Eigenschaften der Formen, die im Bewusstsein erscheinen. Materie ist also aus Geist gemacht, mehr noch, sie ist Geist. Das Beobachtete, der Vorgang des Beobachtens und wir, der Beobachter, sind eins.

Dem Vorhandensein anderer Menschen und Meinungen, einer Umwelt, von Unfällen oder Messgeräten ist gemeinsam, dass diese und ihre Ergebnisse oder Wirkungen in unserem Bewusstsein entstehen, andernfalls sie nicht vorhanden wären.

Der bloße Gedanke, dass etwas außerhalb des Bewusstseins existieren könnte, enthält in sich einen völlig ungerechtfertigten und gänzlich unmöglichen Einwand, da das, was sich außerhalb des Bewusstseins befindet, auch ein Inhalt des Bewusstseins werden muss. Andernfalls könnte es kein Bewusstsein davon geben, dass da etwas außerhalb des Bewusstseins wäre. Auch ist es nicht möglich, dass etwas, das dem Charakter nach nicht selbst Bewusstsein ist, zu einem Inhalt von Bewusstsein werden kann, da der Bewusstseinsinhalt in Beziehung zu Bewusstsein gebracht werden muss, um überhaupt zu seinem Inhalt werden zu können.

Da es also nichts gibt, außer Deiner Wahrnehmung Deiner inneren Welt, musst Du sie zwangsläufig allein konstruiert (erschaffen) haben. Die gesamte Welt, alle Philosophen, Gurus, alle Mitmenschen sind Deine ureigene Erfindung, eine Projektion in die Leere Deines Seins, inmitten der Finsternis des >Ich-Bin<, der einzig wahren Realität, die Deinem einzigen und alleinigen Bewusstsein zukommt! Nenne Dich Schöpfer, Gott oder Sünder, was spielt das für eine Rolle, wo es nichts außer Dir gibt? Nichts außer Dir und Deiner Halluzination, mit der Du Dich identifizierst, um dem Wahnsinn zu entgehen. Erkenne, dass Du alleine bist: Der >Ich-Bin< in der Leere der Finsternis Deines eigenen Bewusstseins.

(Finsternis und Licht sind übrigens ein- und dasselbe: In einem ~“harmonischen Gleichgewicht”~ findet das Licht nichts, woran es sich reflektieren könnte und ist mithin finster. Schau den Vollmond an: Eine gleich große Fläche neben diesem enthält genauso viel Licht und erscheint doch dunkel!)

Mādhava
Ach ja, das gute alte Advaita. Genau dieses Zeug wird schon ewig erzählt, das macht es aber nicht sinnvoller. Da ich mich in meiner Antwort scheinbar nicht gut ausgedrückt habe, hier noch mal warum diese Denkart sinnlos ist:

  • Wenn ich sage: „alle Dinge entstehen aus Geist, über eine Außenwelt außerhalb des Geistes sind keine Aussagen möglich“ sage ich impliziert, dass es keine Realität gibt. Es gib nur das, was im Bewusstsein auftaucht und das kann Traum, Wachzustand, LSD, Matrix Simulation sein – egal, alles ist im „Feld“ in der Terminologie der Bhagavad Gīta, es gibt keine Hierarchie.
  • Damit ist aber auch die Aussage vom Anfang Teil des Feldes und hat damit ebenfalls keinen Realitätsgehalt. Sie ist gleichbedeutend mit der Aussage: “ich sage dir die Wahrheit: ich sage dir nicht die Wahrheit“.
  • Deswegen sagt den Zen Meister nur „Wuff“. Alle anderen Aussagen, alles philosophieren, ist sinnlos.
  • Ich könnte den Zen Meister dann aber auch einen Fußtritt verpassen und einen Stock hinwerfen, einfach weil er Wuff und nicht Miau gesagt hat und es mir eben so in den Sinn kam. Ist ja alles vollkommen beliebig weil irreal…

Sofern ich also die Existenz eines „Außen“, einer Welt außerhalb des Bewusstseins nicht akzeptiere, bewege ich mich in einer bizarren Welt vollständiger Beliebigkeit, in der selbst die ursprüngliche Verneinung einer Außenwelt keine eindeutig wahre Aussage ist.

Thomas L. Horváth
Ist denn die Aussage aus meinem dritten Absatz nicht zutreffend? Hier nochmal:

Der bloße Gedanke, dass etwas außerhalb des Bewusstseins existieren könnte, enthält in sich einen völlig ungerechtfertigten und gänzlich unmöglichen Einwand, da das, was sich außerhalb des Bewusstseins befindet, auch ein Inhalt des Bewusstseins werden muss. Andernfalls könnte es kein Bewusstsein davon geben, dass da etwas außerhalb des Bewusstseins wäre. Auch ist es nicht möglich, dass etwas, das dem Charakter nach nicht selbst Bewusstsein ist, zu einem Inhalt von Bewusstsein werden kann, da der Bewusstseinsinhalt in Beziehung zu Bewusstsein gebracht werden muss, um überhaupt zu seinem Inhalt werden zu können.

Und ist auch folgende Überlegung ein Holzweg?

Wenn wir Materie heranzoomen,
löst sie sich letztendlich in Leere auf.

Schauen wir weit/tief genug in das Universum,
löst es sich in Leere auf.

Einzig >Ich-Bin< besteht.
Dies ist die von jedermann erfahrbare Wirklichkeit.

Mādhava
In der Tat, das ist nicht zutreffend. Denn wir haben ja, insbesondere mit Mathematik und Logik, Werkzeuge entwickelt, die Rückschlüsse auf Objekte ermöglichen, die sich außerhalb unseres normalen Bewusstseins finden.

Das klassische Beispiel dafür sind Rauch und Feuer. Aus der Beobachtung von Rauch an einem weit entfernten Berg kann ich mit ziemlicher Sicherheit auf die Existenz von Feuer schließen, ohne es direkt gesehen oder gespürt zu haben.

Mit Hilfe der Relativitätstheorie kann man Dinge innerhalb des Ereignishorizonts eines schwarzen Lochs beschreiben – also Sachen, die ich von außen unmöglich messen kann.

In sofern ist das Argument „etwas muss bereits im Bewusstsein sein, sonst kann es nicht wahrgenommen werden“, im Alltag ungültig. Hiergegen gibt es zwei Argumente:

  1. Das zeigt gar nichts, denn Rauch kommt auch ins Bewusstsein, also wird das Feuer faktisch nur anders wahrgenommen. Entgegnung: dieses Gegenargument ist sinnlos, denn natürlich muss etwas ultimativ im Bewusstsein ankommen, um wahrgenommen zu werden. Das Beispiel zeigt, dass man Dinge ins Bewusstsein holen kann, die vorher nicht da waren.
  2. Dies mag zwar in der (eingebildeten?) Außenwelt der Fall sein, in der Innenwelt gilt es nicht. Entgegnung: wir stimmen überein, dass am Ende alles Teil des Feldes wird, dass das Bewusstsein wahrnimmt. Wieso soll dann eine strukturelle Eigenschaft eines Teils dieses Feldes (die Möglichkeit, andere Dinge ins Feld zu holen) innerhalb des Feldes unterschiedlich ausgeprägt sein? Das würde eine Hierarchie in das Feld einführen – was Teil meiner realistischen Position ist, nicht aber die von Advaita / der buddhistischen Leerheitslehre.

Die These, das etwas von seinem Inhalt Bewusstsein sein muss, um im Bewusstsein zu sein ist des Pudels Kern: damit wird das Ergebnis als Axiom in die Argumentation geschmuggelt.

Unsere Manas, die Vorverarbeitung der Sinne, machen genau das, sie machen Dinge für das Bewusstsein wahrnehmbar indem sie filtern, aggregierten und sie dann ins Feld geben.

Schließlich die Leerheit. Die Buddhisten sagen „Leer“, meinen aber „Potenzialität ohne Form“. Brahman, so nennen wir Hindus das. Wenn etwas leer ist, kann es nicht voll sein. Aus Nichts entsteht nur dann etwas, wenn man „Nichts“ in „Etwas“ undefiniert. Kann man tun, Sinn macht es aber nicht…

Thomas L. Horváth
Ich habe lange nachgedacht ohne zu einem überzeugenden Schluss zu kommen. Advaita oder Vishistadvaita Vedanta, letztlich ist die höchste Wirklichkeit jenseits aller Philosophien. Anstatt uns also über Spitzfindigkeiten in der Weltanschauung zu streiten, gilt es, die höchste Wirklichkeit zu erkennen und zu erfahren. Dazu – und weil ohnehin kein bestimmter Weg zur Wahrheit führt und es daher einerlei ist – wähle sich ein jeder die Philosophie aus, die ihm am meisten liegt… 😉 🙂

Mādhava
Nun, das klingt natürlich nett – aus meiner Sicht sind das aber keine Spitzfindigkeiten, sondern fundamentale Fragen, die für meinen Weg, genauer gesagt die Definition des Ziels meines Weges und der Mittel zur Zielerreichung eminent wichtig sind.

Zudem, ohne Philosophie kann ich meine unmittelbaren Erfahrungen des Tattvas nicht einordnen. Ramakrishna ist ein gutes Beispiel dafür: Tattva erfahren, philosophisch wirre Schlussfolgerungen gezogen.

Nun ja, wie auch immer – erst einmal eine gute Zeit und bis demnächst auf Quora

Adiyēn rāmānuja dāsan

Independence & Actorship after Prapatti

In the early summer of 2018, there was a very interesting conversation in one of the koyil.org WhatsApp groups on the question how to apply the principle of non-actorship, the phiosophical core of Prapatti, in daily life.

Venkatesh
In our sampradaya, as explained in the Simple Guide, one must give up all notions of independence (swatantrya), even the slightest and consider oneself to be totally dependent (pārathanthrya) on Emperuman*/Emperumanar**/Acharyan*** for all impulses/energies.

* Emperuman = God (emphasis on mercy)
** Emperumanar = more mercyful than God, a name for Rāmānuja
*** Āchārya – teacher / guru, who exhibits perfected behavior. Adding an „n“ at the end of words ending in „a“ is common in Tamil, Tamil speakers habitually do this in english, too.

Mādhava
Is this something that only relates to the spiritual side of life? If not, how is the practise in everyday life?

Venkatesh
Applies to so-called everyday life also, Swamin. All prescribed work ultimately is meant for Moksha. Even for Karma-yoga all action is to be ascribed either to the Guṇās (characteristics of Emperumān’s material energy, Prakṛiti) or to Emperumān Himself in the Bhagavad Gīta:


The method of practising Karma-Yoga by ascribing all agency to the guṇas, —because ātmā has been shown to be a distinct essence— has now been described.

The ascription or attribution of agency to the guṇas is thus:—

Reflect, that ātmā from its essential nature, cannot be actor, but action comes to it from its conjunction with matter. (It is actorship not natural but derived or borrowed). Hence in association with matter (prāpta)3, there is actorship; in the absence of such association (aprāpta)4, there is no actorship.

It is next shown how works may be viewed by attributing authorship thereof —an attribution hitherto considered with reference to the guṇas5, —to Bhagavān, the Supreme Spirit, the all-Soul, —a consideration justified by the fact that all ātmās constitute His body, and are related to Him in the relation of the guided and the Guide.
http://githa.koyil.org/index.php/3-29/


As a necessary inference, therefore, from the consideration that ātmā constitutes My body, and derives all energies (or powers) from Me, do you surrender all acts to Me, the Supreme Spirit, imagining that they are all done by Myself. In other words, let all acts be done as acts of Worship paid to Me.

Also, be nirāśih, desireless, i.e., remaining without any expectancy of fruit for work done.

Nirmamaḥ=to be free from the idea of ‘my-ness’ or owning an act for oneself.

Your (mental) fever thus cured (vigata-jvaraḥ), do fighting and all the round of duties (that the sacred Edicts make binding on you).

Your reflections ought to run thus:— ‘My Soul (Ātmā) is the Supreme Spirit, and therefore, He, my Ātmā, is the Author (or Actor). The Lord of all, the Master of all, it is He, Who causes acts being done —acts of worship to Him— by me, who am His body, and therefore His instrument. And therefore no notion of ‘my-ness’ or ownership of acts done, I can entertain.’

Thus shall your fever leave you, —the fever or mental trouble evinced by your thoughts: ‘how am I going to escape from the enormous mass of sins committed in the immemorial past etc.?’

You may thus cheerfully enter on the duties prescribed for you, —Karma-Yoga—, reflecting that by them, you do but worship the Supreme Spirit; and He so worshipped delivers you from bondage.
http://githa.koyil.org/index.php/3-30/


My edict or truth is that to all ātmā-essence I am the Prop. It is to Me as My body, standing to Me in the relation of disposable property (śesha-bhūtam) ; and it derives all its impulses from Me (explained in verse 30, ante).
http://githa.koyil.org/index.php/3-32


Ascribing authorship, actorship, etc., to Emperumān is also described in:
http://githa.koyil.org/index.php/5-13
http://githa.koyil.org/index.php/5-14

More substantially from 18.1 to 18.17 and further more comprehensively verses thru to verse 18.49.
http://githa.koyil.org/index.php/18-1
to
http://githa.koyil.org/index.php/18-49

and also

http://githa.koyil.org/index.php/18-56

http://githa.koyil.org/index.php/18-57

http://githa.koyil.org/index.php/18-66


Of course, for Prapannās (surrendered jīvās), prescribed duties (constituting Karma Yoga) have to be performed, no longer as Means to Moksha, but solely as service to Emperumān so non-Prapannās don’t leave Karmās also, looking at Prapannas. Per Mumukshuppadi:

The daily and special acts and rituals that he performs, appropriate to his varNa and Ashrama, are done not with the thought that they are the means. Instead, they are done due to kindness toward others, and therefore lead to His pleasure. Thus, they are part of the service done to Him.

http://acharya.org/v/mumukshuppadi/mmp281282.html

Analogous to the beginning portion of 3.29 (Look for vyapadesyāḥ):
http://githa.koyil.org/index.php/3-29/

adiyēn Rāmānuja dāsānudāsan

Mādhava
Thank you swamy 🙏

However, to adiyen, application is still unclear when we take it to the very practical: your boss gives you a project and a number of people to help you with it. Now, to complete the project, one has to think and act. Or so it seems?

Philosophically, it is clear that everything is only originating in Emperumān, but it seems inevitable to act “by oneself”, taking agency in such a task. Or can we avoid it?
Adiyēn rāmānuja dāsan

+91############
Adiyen’s few cents..
In office, I am working on a role given by my boss. I am different from that role. If that role was not given, I as an individual, have no interest and no means of performing those actions. So I realize whatever work I did in the office was on my boss’s behalf and the results of it, don’t belong to me either. Having this realization, I do my work without letting my personal feelings(hatred or vested interest) about the work or my peers or the competition. They don’t come in my way of doing my duty. With that freedom of thought, I perform the actions as to how my CEO would want me to do..

That’s how adiyen see it Swamy

Mādhava
Nice view swamy, thank you!
What is difficult for adiyen is that in adiyens job, there is so much room for own decisions. The board gives the final ok, everything else is done by me. So while adiyen understands the logic of your point and tries to think that way, adiyen is always back to I-ness very quickly when at work… dhanyosmi 🙏

+91############
Adiyen also is only trying to stay in that ideal mental state Swami. Every day is an attempt in that direction. I guess every one will have to find a customized solution for their situation to get to this detached mental state at work. For example, I started thinking of myself as a ‚contract worker‘ in my own company. That helped me avoid many politics related distractions & hurt feelings and focus only on work and save my mind, time for bhaghavath kainkaryam

Here are adiyen’s few little thoughts on this topic to maintain a right balance of mind. Sincere apologies if something doesn’t add up or make sense.🙏🙏

Whether one is travelling the spiritual path or performing the day-to-day tasks in mundane life, ideally he / she must keep in mind that he/she is functioning only out of acharyan’s and emperuman’s kindness and blessings.
one might be performing something big / something small (in worldly terms), performing big tasks / small tasks -performing managerial job/ assistant’s job – it doesn’t matter, everything is carried out only by emperuman’s kindness and grace.
If we are of any use anywhere, if we are able to carry out even a little useful work, it is only because of emperuman’s meticulous arrangement – we are able to function only due to the facilities & faculties endowed by emperuman.

For example: adiyen does not know how im able to breathe without any conscious effort from self, how my lungs take oxygen and push out carbon dioxide, how blood is circulating through each part of the body, how the nervous system carry signals from one part of the body to another, how the heart is pumping etc. I do not know, but it happens automatically – Im not consciously taking any effort to perform the hundreds of tasks inside my body.

We don’t have any control over our own activities. All we can do is take care of our body from outside, which is very trivial when compared to what’s happening naturally inside our bodies. Such is our condition, yet we are living and using this God given gift to do our little tasks in life
We cannot make any claims on our own body’s functioning nor we can claim anything in regards to our mental capabilities, skills. intelligence etc. because we were able to acquire these qualities due to the exposure, experience, opportunities and material facilities provided to us.

When such is the case of our own bodies and our own selves, it goes without explanation about all the other external factors resources & arrangements God has created and operating for us, using which we perform our duties – be it in whatever stream and in whatever capacity

Reality is we don’t have much to make personal claims for any good work that we are able to perform. It turns out that humility is not a choice, rather it is a natural state of mind when such simple realities are realised / understood clearly.

We are only utilising what has been provided by God, within our limited understanding, knowledge & capacity and we attempt to do our duty as good as possible. Again this is dependent upon God’s will. And we can only pray for his blessings to get the right results and it is not fully in our hands.

When we realise the depth and breadth of God’s hand from behind – and our own limitations – there is nothing for us to fill up our ego. There is simply no scope for ego at any level and any measure.

It will be hard to find a reason to be able to think that I’m doing so and so big work; I’m so and so; i have such achievements; I have acquired this position etc..

In reality, we are simply using our little will, extremely limited will; wishing and willing to do little acts with all the facilities and arrangements blessed by God.

I’m in a position to take decisions and act only because God has been very kind to me and placed me in this position – I should not consider that I fully deserve everything that I possess – but it must be understood that God has blessed me with what I have, only out of His love and kindness. There are many people who can do what I’m doing. There are many who can perform a lot better than me, yet God has some reason to put me in the path that I’m in – Hence one must be thankful and make the best use of it, use it rightly and not misuse it and be thankful for what he Has given and perform our duties.

When we realise God’s immense love towards us and the unimaginable amount of blessing He showers upon us -we understand how responsibly we should be walking the right path in life. And not misuse the boons He has blessed us with love. We have a very high responsibility not to displease Him. we must exercise our little will to sincerely walk the path as shown by our acharyas. This is the only way to make our acharyas and emperuman happy.

Kindly apologise for all mistakes in adiyen’s words. And happy to receive comments for correction.

Adiyen ramanuja dasan🙏🙏🙏

 

Venkatesh
Dear Swamins,

A few more things to consider for practical application.

adiyen suspects part of the issue might be mistaking / confusing the „utsāha“ (zeal, enthusiasm) which we are asked to show for an act in BG 18.26 below, with „I-ness“.

[Note: „utsāha“ (zeal) should be a state of consciousness that’s an attribute of the jīva, according to the YMD (Yatheendra Matha Deepika) reference mentioned in adiyen’s previous post.]


mukta-saṅgo ’nahaṁ-vādī dhṛty-utsāha-samanvitaḥ
siddhy-asiddhyor nirvikāraḥ kartā sāttvika ucyate

‘He is called Sātvika-Actor who is attachment-free, boasts not of ‘I-ness,’ full of courage and zeal, unmoved by success or failure.’

Attachment-free = Exempt from attachment for fruit.

An-aham-vādi = who boasts not of self (=I-ness), as the agent, or who is devoid of the pride or love of self being agent (of an act).

Dhṛiti = Courage or fortitude, or the being able to bear up against all unavoidable sufferings incidental to the prosecution of a work undertaken.

Utsāha = Zeal, enthusiasm for effort, or the being enlivened with an active spirit for work.

And to be unmoved whether success or failure follow an action such as that of a war, or other acts such as earning money and other necessaries for prosecuting such a war. To be such an Actor is called Sātvika.
http://githa.koyil.org/index.php/18-26/


In the above, Emperumān is asking for the „absence“ of boast/pride/love of the self being the doer and the „prevalence“ of zeal / enthusiasm / courage, which (the latter) is different from an aham-vādi according to the above.

In other words, rather than continually focusing on the fact that we aren’t the doer, we are asked to focus on zeal/enthusiasm/courage for the act that is being performed as an instrument (BG 11.33). Of course, if/whenever we find ourselves in the consciousness of an „aham-vādi“ we could extinguish it with 18.15 and other verses mentioned in the 2 previous posts.

Also, in practice, many jīvās‘ (including adiyen’s) „will“ is subpar/vitiated in various ways because of continued focus on prakriti/matter/māya, but by Acharyan’s kripa we can hope to immerse ourselves more and more in Bhagavath/Bhāgavatha kainkaryam and reach the perfect stage of being an instrument vide Topic 13 in Aṣta-daśa Bhedas:

https://ramanujacharya.files.wordpress.com/2015/01/astadasa_bhedas.pdf

Since when we subsume our will to Emperumān/Emperumānār/Achāryan’s Will, it’s Achāryan’s Will that causes kainkaryam to happen, with us just being instruments (achithvath pārathantriyam), one practical way to look at it is that ALL positives that come via us are because of Achāryan’s kripa, with only the negatives „owned“ by us (the negatives subjecting us to punyam/papam/consequences).

Also practicing Naichyanusandhanam as shown by our Pūrvāchāryas (vide Yathirāja Vimśati). Lacking in any kind of self-esteem, considering oneself to be a total imbecile, etc.

adiyen would be grateful for corrections. All faults in the above and only the faults belong to adiyen.

adiyēn Rāmānuja dāsānudāsan

Christentum vs Hinduismus

Auf Quora (englisch) wurde folgende Frage gestellt:

Gibt es einen Unterschied zwischen der Bibel und der Bhagavad Gita?

Die Bhagavad Gīta ist einer der wichtigsten Texte im Hinduismus, da er in sich geschlossen und relativ kurz ist, gleichzeitig aber die wichtigsten Themen der Veden behandelt.

Mādhava
Nun, es wäre angemessener zu fragen: Was sind, unter den unzähligen Unterschieden, Gemeinsamkeiten?

Wie in der vorigen Antwort erwähnt, ist die Anerkennung von Sünde eine wichtige Gemeinsamkeit. Sünde ist in der Gita jedoch sehr sekundär, etwas, dass man zugunsten von Karma Yoga hinter sich lasse sollte. In der Bibel ist es ein Herzstück.

Christen sollten zumindest das zweite Kapitel der Gita lesen, um zu erfahren, wie die Gita ist.
Hindus können ein einzelnes Evangelium des Neuen Testaments, vielleicht Lukas, lesen, um einen Geschmack der Bibel zu bekommen.

Beide werden feststellen: Beide Texte sind in Stil, Umfang und Inhalt sehr sehr unterschiedlich.

Kurz danach kam folgender Kommentar zu dieser Antwort:

Ananthara#######
Ich als Hindu fand das Neue Testament nicht besser oder schlechter als die Lehren hinduistischer Heiligen.

Auf Mādhavas Nachfrage nach Beispielen kam folgende Antwort:

Ananthara#######
Thirumandiram by Siddhar Thirumoolar

„Der unwissende Dummkopf denkt, dass Liebe und Shiva zwei sind. Niemand weiß, dass Liebe allein Shiva ist. Wenn Menschen verstehen, dass Liebe und Shiva identisch sind, werden sie in Liebe und Shiva zugleich verweilen.“

Mādhava
Ok, ich verstehe, aus welcher Richtung das Argument kommt. Wenn man bis zum Maximum herauszoomen, können Parallelen zu der Beziehung von Jesus und Gott in der christlichen Theologie gezogen werden.

Als Vaishnava ist meine Kenntnise der Shaiva-Theologie sehr begrenzt. Aber ist es nicht so, dass die Zweiheit sich darauf bezieht, dass das Göttliche  zwei Seiten / Gesichter hat: Auf der einen Seite das statische Prinzip aka Bewusstsein aka Intellekt aka Shiva, auf deren anderen Seite das dynamische Prinzip aka Materie & Energie aka Emotionen aka Shakti?

Wenn das so ist, ist die Ähnlichkeit aber nur auf der Oberflächliche, da Jesus und Shakti ziemlich weit voneinander entfernt scheinen.

Ananthara#######
Nicht nur der Shaivaismus, das Vaishnavatum ist dem Christentum sogar noch ähnlicher. Christentum und Vaishnavatum betonen beide die Liebe zum höchsten Wesen als das ultimative Ziel. Jesus sagte: „Was du den elenden Menschen antust, ist wahrlich, was du mir antust“. Das Vaishnavatum sagt, dass der Dienst an den Dienern Gottes Gott viel mehr freut als der direkte Dienst an ihm. Jesus sagte: „Wenn du Gott im Tempel während eines Konfliktes mit deinem Bruder opfern willst, lass das Opfer am Altar und gehe zum Bruder und versöhne dich mit ihm. Erst dann komm und opfere Gott das Opfer; denn Gott wird das Opfer von jemandem, der Konflikte mit seinen Brüdern hat, nicht annehmen.“ Das Vaishnavatum sagt, Gott wird Vergehen gegen Ihn verzeihen, aber wenn ein Vergehen gegen seine Diener begangen wird, vergibt Er diese niemals.  Der einzige Weg, um Vergebung für solche Vergehen zu erlangen, besteht darin, Vergebung von geschädigten Diener zu erbitten. Jesus sagte noch einmal: „Der Geringste unter euch ist der Größte“. Das Vaishnavatum sagt, dass der größte Gottgeweihte derjenige ist, der sich unter anderen am niedrigsten sieht (besonders offensichtlich im Sri Vaishnavaismus, dem du zu folgen scheinst, wo die Anhänger sich selbst als „dasan“ oder „adiyen“, was „Diener“ bedeutet, ansprechen).

BTW, Shakti im Shaivaismus ist eine liebevolle Mutter und Gemahlin von Shiva. In einem anderen Aspekt ist Shiva selbst alles und jeder. Die Heiligen waren keine Theologen. Sie haben einfach die Liebe Gottes als Shiva genossen.

Mādhava
Das sind sehr schöne Beobachtungen, aber ich kann der Schlussfolgerung nicht zustimmen. Wenn wir uns intensiv bemühen, können wir sicher einige Parallelen finden. Trotzdem sind die Stimmung und die allgemeine Richtung von Vaishnavatum und Christentum sehr unterschiedlich.

Ich stimme aber absolut zu, dass einige Christen (wie meine Oma) erstklassige Bhaktas* und Prapannas** sind. Meine Oma erlebte alle Schrecken des zweiten Weltkriegs, wurde in jungen Jahren Witwe, verlor fünf ihrer sechs Brüder im Krieg, sie hungerte und litt auf so viele Arten, aber ihr Glaube und ihre Hingabe an Gott waren unendlich und unzerstörbar.

Das allgemeine Verständnis von Christen wird jedoch nicht so sehr von Liebe, Zuneigung und Hingabe an Gott bestimmt, sondern vielmehr von extremer Distanz und Respekt, von Ich-möchte-etwas-bitte-gib-es und sogar von blanker Angst. Wir Sri Vaishnavas, die meisten anderen Vaishnavas und, ich nehme an, auch Shaivas, akzeptieren, dass das Göttliche gleichzeitig tranzendent und immanent ist, es ist die Seele meiner Seele und gleichzeitig die letzte Wurzel aller Realität und darüber hinaus. Das Christentum akzeptiert nur Transzendenz, die Seele wird bei der Zeugung geschaffen und aufgrund bestimmter Aussagen Jesu wird sie vergleichsweise eng mit dem Körper verbunden. Daher glaubten mittelalterliche Christen an körperliche Auferstehung!

Im Vaishnavatum kennen wir im Bezug zu Gott die Stimmung des Dieners, des Freundes, des Geliebten, des Elternteils und des Kindes und wahrscheinlich noch einige, die ich gerade vergessen habe. Diese vielfältigen Ausdrücke von Bhakti* sind dem Christentum sehr fremd, die einzigen dort bekannten Stimmungen sind Kind und Diener. Und selbst „Sohn“ ist schon mehr oder weniger für Jesus reserviert, Christen beschreiben sich selbst als nur Kinder im Allgemeinen.

Für uns Vaishnavas sind die Gopis von Vrindavan, die Liebhaber und Geliebten Krishnas, die erhabensten Gottgeweihten. Dies wäre im Christentum völlig undenkbar. Wir haben Statuen Gottes und rezitieren die 1000 Namen von Vishnu. Der christliche Gott verbietet Bilder und wird nur Vater oder JHW genannt (die Vokale müssen ergänzt werden). Wir meditieren und suchen direkten Kontakt mit Gott. Einige Christen tun etwas Ähnliches, aber die Schrift wird immer als der einzig wirklich akzeptable Weg angesehen, Wissen über Gott zu erlangen; christliche Mystiker wurden oft genug herabgewürdigt, zum Schweigen gebracht oder sogar aus der Kirche verbannt.

Fazit: Die allgemeine Richtung beider Religionen ist sehr unterschiedlich, Ähnlichkeiten können gefunden werden, sind aber nur oberflächlich.

 

* Bhakta: Sanskrit Begriff für jemanden, der intensive Gottesliebe spürt und kultiviert.
** Prapanna: Sanskrit Begriff für jemanden, der vor Gott kapituliert. Kapitulation vor Gott ist die ultimative Lehre unserer Tradition.

Leerheit – Kernlehre des Buddhismus

Auf Tumblr wurde vor einiger Zeit das hier gepostet

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Mādhava
Das wurde neulich auf Tumblr gepostet. Das ist genau die Art von krypto-buddhistischen New Age Müll, mit dem die Köpfe vieler spirituell orientierter Westler gefüllt wurden. Warum ist das Müll? Weil “Nothingness” (”Nothing is everything”) ein Begriff ist, der das buddhistische Konzept des Shunyata (Leerheit) beschreibt, die aus buddhistischer Sicht Kern der Realität ist. Buddhisten und Hindus sind hier leidenschaftlich geteilter Meinung. Für Buddhisten ist Shunyata zentral, Hindus akzeptieren Shunyata nicht, für sie ist der Kern der Realität göttlich. Selbst die striktesten Advaitins (Hindus, die personale Gottesvorstellungen ablehnen) akzeptieren Shunyata nicht. Trotzdem werden oben Shiva und Shakti, also personale Gottesvorstellungen, damit gemischt. Autsch.

Hierauf kommentierte jemand auf einem privaten Chat Kanal

NonDual#####
Ich würde gerne mal wissen, was Dir an dem Punkt ”Nothing is everything” nicht gefällt?

Mādhava
Das Problem ist, dass diese Aussage total entgegengesetzt zu den Ketten aus Ursache und Wirkung ist, die die Realität ausmachen. Jeder Effekt trägt die Ursache mit in sich. Aber wie kann das Nichts die Ursache sein, da es prinzipiell jeder Wirkung entgegensteht?

NonDual#####
phänomenal mag das wahr sein, aber woher weißt du, dass diese Erscheinung nicht nur eine Projektion des Geistes ist?

Mādhava
Das ist magisches Denken: Hier ist ein Muster, das überall in der Realität zu finden ist, aber auf der tiefsten Ebene hört es nicht nur auf, sondern verkehrt sich in das vollkommene Gegenteil.

Es gibt keinen Hinweis hierauf in den offenbarten Schriften oder in der Logik. Der Buddha selbst hat es nicht gelehrt, es wurde später hinzugefügt. Der Buddha befasste sich nur mit praktischen Fragen.

NonDual#####
Bei allem Respekt, wie weißt du, dass das, was du Realität nennst, kein magisches Denken ist?

Mādhava
Weil Logik, empirische Beobachtung UND Schriften dies sagen. Oh, und wenn die Realität unwirklich ist, sind Texte, die das sagen, auch unwirklich. Diese Philosophie zerstört also ihre eigene Basis.

NonDual#####
Ich denke, dass wir übereinstimmen, dass man nicht sagen kann, dass es real oder unwirklich ist, alles existiert einfach und es ist etwas, was der Verstand nicht verstehen kann. So wie niemand sagen kann, warum wir hier sind, ist es halt einfach so.

Mādhava
Ja, das stimmt. Realität ist zunächst einmal subjektiv, ein Traum ist in gewisser Weise so real wie der Wachzustand. Aber das bedeutet nicht, dass die Realität etwas vollkommen Willkürliches ist. Ohne Realität ist jede Philosophie und jedes Denken bedeutungslos, da es keine Möglichkeit gibt, wahre Aussagen zu generieren.

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d) Recht auf Einschränkung der Verarbeitung

Sie können unter den folgenden Voraussetzungen von uns die Einschränkung der Verarbeitung der Sie betreffenden personenbezogenen Daten verlangen: Die Richtigkeit der personenbezogenen Daten wird Ihnen bestritten, und zwar für eine Dauer, die es dem Verantwortlichen ermöglicht, die Richtigkeit der personenbezogenen Daten zu überprüfen. Die Verarbeitung ist unrechtmäßig und Sie verlangen anstatt einer Löschung die Einschränkung der Nutzung der personenbezogenen Daten. Die personenbezogenen Daten werden von uns nicht länger für die Zwecke der Verarbeitung benötigt, jedoch benötigen Sie diese Daten zur Geltendmachung, Ausübung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen. Sie haben Widerspruch gegen die Verarbeitung gem. Art. 21 Abs. 1 DSGVO eingelegt und es steht noch nicht fest, ob die berechtigten Gründe Koyil Deutschland gegenüber Ihren Gründen überwiegen. Wurde die Verarbeitung der Sie betreffenden personenbezogenen Daten eingeschränkt, dürfen diese Daten – von ihrer Speicherung abgesehen – nur mit Ihrer Einwilligung oder zur Geltendmachung, Ausübung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen oder zum Schutz der Rechte einer anderen natürlichen oder juristischen Person oder aus Gründen eines wichtigen öffentlichen Interesses der Union oder eines Mitgliedstaats verarbeitet werden. In diesem Fall werden Sie zudem von uns unterrichtet, bevor die Einschränkung aufgehoben wird.

e) Recht auf Unterrichtung

Haben Sie das Recht auf Berichtigung, Löschung oder Einschränkung der Verarbeitung geltend gemacht, sind wir verpflichtet, allen Empfängern, denen die Sie betreffenden personenbezogenen Daten offengelegt wurden, diese Berichtigung oder Löschung der Daten oder Einschränkung der Verarbeitung mitzuteilen, es sei denn, dies erweist sich als unmöglich oder ist mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden. Insoweit können Sie von uns verlangen, über diese Empfänger unterrichtet zu werden.

f) Recht auf Datenübertragbarkeit („Datenportabilität“)

Sie haben das Recht, die Sie betreffenden personenbezogenen Daten, welche Sie uns zur Verfügung gestellt haben, in einem strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format zu erhalten. Des Weiteren haben Sie das Recht, diese Daten einem anderen Verantwortlichen ohne Behinderung durch den Verantwortlichen, dem die personenbezogenen Daten bereitgestellt wurden, zu übermitteln, sofern die Verarbeitung auf der Einwilligung gemäß Art. 6 Abs. 1 Buchstabe a DSGVO oder Art. 9 Abs. 2 Buchstabe a DSGVO oder auf einem Vertrag gemäß Art. 6 Abs. 1 Buchstabe b DSGVO beruht und die Verarbeitung mithilfe automatisierter Verfahren erfolgt, sofern die Verarbeitung nicht für die Wahrnehmung einer Aufgabe erforderlich ist, die im öffentlichen Interesse liegt oder in Ausübung öffentlicher Gewalt erfolgt, welche dem Verantwortlichen übertragen wurde. Ferner können Sie bei der Ausübung Ihres Rechts auf Datenübertragbarkeit gemäß Art. 20 Abs. 1 DSGVO verlangen, dass die personenbezogenen Daten direkt von einem Verantwortlichen an einen anderen Verantwortlichen übermittelt werden, soweit dies technisch machbar ist und sofern hierdurch keine die Rechte und Freiheiten anderer Personen beeinträchtigt werden.

g) Widerspruchsrecht

Sie haben das Recht, aus Gründen, die sich aus Ihrer besonderen Situation ergeben, von uns jederzeit gegen die Verarbeitung Sie betreffender personenbezogener Daten, die aufgrund von Art. 6 Abs. 1 Buchstaben e oder f DSGVO erfolgt, Widerspruch einzulegen. Dies gilt auch für ein auf diese Bestimmungen gestütztes Profiling. Die Koyil Deutschlandverarbeitet die personenbezogenen Daten im Falle des Widerspruchs nicht mehr, es sei denn, wir können zwingende schutzwürdige Gründe für die Verarbeitung nachweisen, die den Interessen, Rechten und Freiheiten der betroffenen Person überwiegen, oder die Verarbeitung dient der Geltendmachung, Ausübung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen. Werden die Sie betreffenden personenbezogenen Daten verarbeitet, um Direktwerbung zu betreiben, haben Sie das Recht, jederzeit Widerspruch gegen die Verarbeitung der Sie betreffenden personenbezogenen Daten zum Zwecke derartiger Werbung einzulegen; dies gilt auch für das Profiling, soweit es mit solcher Direktwerbung in Verbindung steht. Widersprechen Sie der Verarbeitung für Zwecke der Direktwerbung, so werden die Sie betreffenden personenbezogenen Daten nicht mehr für diese Zwecke verarbeitet. Sie haben die Möglichkeit, im Zusammenhang mit der Nutzung von Diensten der Informationsgesellschaft – ungeachtet der Richtlinie 2002/58/EG – Ihr Widerspruchsrecht mittels automatisierter Verfahren auszuüben, bei denen technische Spezifikationen verwendet werden.

h) Recht auf Widerruf einer datenschutzrechtlichen Einwilligung

Sofern Sie eine datenschutzrechtliche Einwilligung erteilt haben, steht Ihnen das Recht zu, diese Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen.

i) Recht auf Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde

Ungeachtet der gegenüber uns bestehenden Rechte, steht Ihnen auch das Recht auf Beschwerde bei einer Aufsichtsbehörde, insbesondere in dem Mitgliedsstaat Ihres Aufenthaltsorts, Ihres Arbeitsplatzes oder des Orts des mutmaßlichen Verstoßes, zu, wenn Sie der Ansicht sind, dass die Verarbeitung der Sie betreffenden personenbezogenen Daten gegen die DSGVO verstößt. Die Aufsichtsbehörde, bei der die Beschwerde eingereicht wurde, unterrichtet Sie über den Stand und die Ergebnisse der Beschwerde einschließlich der Möglichkeit eines gerichtlichen Rechtsbehelfs nach Art. 78 DSGVO.

Unsere Tradition

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Unsere spirituelle Tradition existiert seit grauer Vorzeit. Die „aktuelle“ Geschichte beginnt mit den Āḻvārs. Āḻvār ist ein Begriff aus der tamilischen Sprache, den man in etwa mit „jemand der zutiefst in Gottesliebe versunken ist“ übersetzen kann. Die Āḻvārs erschienen der Tradition zufolge vor etwa 5000 Jahren. Indologen vermuten, dass sie in die Zeit zwischen 700 – 900 unserer Zeitrechnung gelebt haben. Die Argumente hierfür sind aus unserer Sicht relativ dünn [1] – letztendlich ist die zeitliche Einordnung aber nicht entscheidend.

Die Āḻvārs komponierten transzendentale Verse, die vor lebendiger Erfahrung Gottes überquellen. Sie enthalten dasselbe Wissen wie die indischen Weisheitstexte der Veden, aber in einer kompakteren und zugänglicheren Form. Leider ging diese wertvolle Literatur im Laufe der Zeit verloren, in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung war kaum noch etwas übrig. Nāthamuni, der erste unserer frühen Āchāryas (Lehrer), hörte ein Fragment der Verse der Āḻvārs – so ziemlich alles, was zu seiner Zeit übrig war – und war sofort verzaubert. Im Folgenden nahm er unendliche Mühen auf sich, den Rest dieser Verse wiederzugewinnen und war letzlich auch erfolgreich.

Nāthamuni und die Āchāryas, die nach ihm kamen, lehrten sowohl die Literatur der Āḻvārs als auch Auszüge aus dem riesigen Kanon vedischer Literatur. Die Folge unserer frühen Āchāryas wird durch das Erscheinen von Rāmānuja im 11. Jahrhundert unserer Zeit gekrönt. Rāmānuja ist eine zentrale Person in unserer Tradition, in diesem Artikel gibt es weitere Information zu ihm.

Rāmānuja und seine Nachfolger verbreiteten unsere Tradition über den gesamten indischen Subkontinent. Leider erreichten einige Jahrhunderte nach Rāmānuja, im frühen 14. Jahrhundert, muslimische Eroberer selbst die Hochburgen unserer Tradition in Südindien. Sie besetzten und plünderten Śrīraṅgam, den Haupttempel unserer Tradition. Viele Śrī Vaiṣṇavas verloren ihr Leben und ein riesiger Schatz an Schriften und Kommentaren wurde teilweise zerstört und teilweise, im Versuch diese Schätze zu retten, in alle Winde verstreut.

Im 15. Jahrhundert wurden die muslimischen Eroberer aus Śrīraṅgam vertrieben und unsere Tradition konnte sich von den Zerstörungen erholen. Dem Āchārya Manavāḷa Māmunigaḷ kam dabei eine zentrale Rolle zu. Er suchte und kopierte persönlich Texte unserer Tradition, wo auch immer er sie fand. Das Verhalten und die Praktiken Manavāḷa Māmunigaḷ sind sehr gut dokumentiert und dienen bis heute als Muster für das Verhalten eines idealen Śrī Vaiṣṇavas. Manavāḷa Māmunigaḷ hatte acht Schüler, die die Rückkehr unserer Tradition zu altem Ruhm vollendeten.

Struktur des Śrīraṅgam Tempels nach dem Wiederaufbau

Somit ist unsere Tradition vor allem den Āḻvārs, Rāmānuja und Manavāḷa Māmunigaḷ verpflichtet. Unser Website-Banner zeigt daher ganz rechts Manavāḷa Māmunigaḷ, links davon Rāmānuja und links davon Nammāḻvār, den wichtigsten der Āḻvārs

Heute gibt es in jeder größeren Stadt in Indien mindestens einen Śrī Vaiṣṇava Tempel, insgesamt gibt es weit mehr als hundert Tempel. Es gibt überall in Indien Āchāryas, die in die Tradition einweihen. Zwei Tempel, der Śrīraṅgam Tempel und der Thirumala Veṅkaṭēśvara Tempel, sind wichtige Pilgerorte, die in manchen Monaten mehr als eine Million Besucher haben.

Es gibt auch Śrī Vaiṣṇava Tempel und religiöse Aktivitäten in den USA und Australien. Schauen wir nach Europa, finden wir in England einige sehr aktive Śrī Vaiṣṇavas. Dort wurde im Sommer 2017 das erste Śrī Yāgam Europas durchgeführt. Ein Śrī Yāgam ist ein sehr aufwendiges vedisches Ritual, das der göttlichen Mutter Mahalakṣmī gewidmet ist. Sie ist die Namensgeberin unserer Tradition, denn Śrī ist ein Kurzname von Mahalakṣmī. Die Aktivitäten in Deutschland befinden sich noch in den Anfängen. Eine Gruppe von Śrī Vaiṣṇavas besteht im Raum München und richtet dort seit einigen Jahren Feste zu besonderen Tagen im Śrī Vaiṣṇava Kalender aus. Einige weitere Śrī Vaiṣṇavas leben über ganz Deutschland verstreut. Bislang stammen fast alle Śrī Vaiṣṇavas in Europa, den USA und Australien aus der indischen Diaspora. Wir hoffen, dass sich das eines Tages ändern wird.

Fußnoten

[1] In frühen akademischen Analysen der Werke der Āḻvārs wurde z.B. argumentiert, dass einer der ersten Āḻvārs irgendwann im Zeitraum 700-900 gelebt haben muss, da die Stadt, aus der er nach eigenen Angaben stammt, (Mahabalipuram) in dieser Zeit gegründet worden sein soll. Nach dem Tsunami im Jahr 2004 wurden am Strand von Mahabalipuram aber Tempelruinen unter dem Meeresspiegel sichtbar, die darauf hinweisen, dass Mahabalipuram schon deutlich länger existiert. Wenn wir postulieren, dass Mahabalipuram schon existiert haben muss, als der Meeresspiegel ca 5m tiefer war, deuten Rekonstruktionen der Meeresspieglhöhe darauf hin, dass Mahabalipuram dann in der Tat schon vor ca 5000 Jahren existiert haben muss:

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Unsere Philosophie

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Inhalt

Vishishtadvaita – Abgrenzung zu anderen vedischen Philosophien
Umriss der Philosophie
Prapatti

Vishishtadvaita – Abgrenzung zu anderen vedischen Philosophien

Unsere Philosophie wird Vishishtadvaita genannt, was gemeinhin mit „qualifizierter Monismus“ übersetzt wird. Im Zeugnis der Veden, aber auch allgemein im Zeugnis der Mystiker und Seher anderer Religionen finden wird Berichte von Erfahrungen einer Einheit mit Gott, aber auch Zeugnisse der Erfahrung von Unterschied und Geringheit im Verhältnis zu Gott.

Diese scheinbar widersprüchlichen Zeugnisse führten zu langen Debatten in der vedischen Tradition. In den abrahamitischen Religionen, die im Allgemeinen nur den Unterschied zu Gott kennen, wurden abweichende Meinungen oft alle Irrlehre verfolgt. Über die Jahrtausende wurden in der vedischen Tradition zahlreiche Ansätze vorgeschlagen, wie eine Synthese dieser Zeugnisse zu bilden sei. Leider sind im Rahmen der islamischen Invasion Indiens, bei der Universitäten und Bibliotheken zerstört worden sind, viele Texte verloren gegangen, die uns einen tieferen Einblick in diese Ansätze geben könnten. Aus den wenigen Quellen, die die Zerstörung überdauert haben, erscheint Indien im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung als ein Land mit einer sehr reichen philosophisch / spirituellen Landkarte, in der viele Lehrer und Denkschulen in ständiger Debatte und Austausch miteinander standen.

discourse
Traditionelle Art der Lehre in Indien

Rāmānuja trat auf dieser Landkarte das erste Mal mit einem Text namens Vedārtha Saṅgrahaḥ in Erscheinung, was „Zusammenfassung der Bedeutung der Veden“ bedeutet. Dieser Text kritisiert die Standpunkte rivalisierender Denkschulen auf sehr umfassende und anspruchsvolle Weise, gleichzeitig gibt er eine genaue Beschreibung der Vishishtadvaita Philosophie.

Der Ausgangspunkt für Rāmānuja und seine Zeitgenossen ist ein sehr interessantes philosophisches Problem: Alle Schriften stimmen darin überein, dass Gott in jeder Hinsicht perfekt und vollkommen ist. Aber die Welt ist weder perfekt noch vollkommen. In welcher Beziehung steht sie dann zu Gott? Vedische Philosophen vor Rāmānuja haben dieses Problem entweder mit der Philosophie des Advaita (Monismus) oder der Philosophie des Dvaita (Dualismus) gelöst. Philosophen des Advaita argumentierten, dass nur Gott existiert und er eine homogene Einheit aus Wissen und Perfektion ist. Dieser Zustand wird aber von Unwissen bedeckt und so entsteht die Vielfalt und Nicht-Perfektion der Welt. Das Ziel eines spirituellen Aspiranten muss es folglich sein, diese Unwissenheit zu entfernen und zu erkennen, dass er nicht verschieden von Gott ist. Dvaita Philosophen argumentierten, dass Gott von den Elementen dieser Welt strikt getrennt ist, daher ist ihre fehlende Perfektion nicht überraschend.

Rāmānuja zeigte diverse Ungereimtheiten in Advaita auf – unter anderem das Problem, dass aus dieser Philosophie folgt, dass die stärkste existierende Einheit dann nicht Gott, sondern Unwissenheit ist. Wenn Advaita das wirklich meint, würde es sowohl vielen Aussagen in den Veden widersprechen als auch eine Unzahl von logischen Problemen aufwerfen. Unter anderem, wenn alles, was wir in der Welt wahrnehmen können, letztlich Unwissen ist, ist auch die Advaita Philosophie und ihre Botschaft der Befreiung Unwissen. Wie kann aber Unwissen Unwissen zerstören? Und wenn Unwissenheit so stark ist, dass sie die ganze Realität überformt und missverständlich erscheinen lässt, wie kann ein Mensch überhaupt glauben, dass er sie zerstören kann?

Bezüglich Dvaita weist Ramanuja darauf hin, dass das ganze Konzept strikter Getrenntheit massive logische Probleme mit sich bringt, solange gleichzeitig die Allgegenwart und Allmacht Gottes nicht in Frage gestellt wird. Würde man es tun, würde man damit aber den Aussagen aller vedischen Schriften und auch den Schriften anderer Religionen widersprechen.

Umriss der Philosophie

Vishishtadvaita löst das logische Problem mit dem Argument, dass Gott Modifikationen hat. Diese Modifikationen sind unbelebte Materie und bewusste Einheiten, d.h. die Seelen (Jīvāthmā, wir bevorzugen einen wohldefinierten Begriff aus dem Sanskrit). Modifikation ist im grammatischen Sinne gemeint. Im Sanskrit, für Jahrtausende die Standardsprache für philosophische Forschung und Debatte in Indien, werden Worte konstruiert, in dem eine Wortwurzel modifiziert wird. Mittels solcher Modifikationen kann aus einer Wurzel eine große Anzahl and Wörtern und Bedeutungen erzeugt werden. Analog ist Gott die Wurzel und durch seine Modifikationen entfaltet er die Weite und Vielfalt der Welt, wie wir sie erleben.

Das Problem mit dieser Analogie aus der Grammatik des Sanskrit ist dass, auch wenn sie die vollkommenste ist, sie heute von den meisten nur noch mit Mühe verstanden werden kann. Eine moderne, aber weniger perfekte Analogie ist die eines Computers: Auf einem Computer kann eine nahezu unbegrenzte Vielfalt an Programmen laufen. Obwohl jedes Programm eigenständig ist und bestimmte Bilder und Töne erzeugen kann, haben alle Programme eine gemeinsame Basis, das Betriebssystem plus physischer Maschine. Das Verhältnis von uns (und der physischen Welt) zu Gott ist grob mit dem Verhältnis vergleichbar, dass ein Computerprogramm zu Betriebssystem plus physischer Maschine hat. In einem gewissen Sinn sind wir von Gott getrennt, so wie ein Computerprogramm von Betriebssystem und Maschine klar getrennt ist, aber in einem anderen Sinn sind wir nicht getrennt und in vollkommener Abhängigkeit von Gott, so wie ein Computerprogramm nur existieren und funktionieren kann, wenn eine Maschine mit Betriebssystem existiert. Die Computeranalogie hilft uns sogar, die Rolle des Āchāryas (Lehrers) zu verstehen. Das Betriebssystem und einige Komponenten der Maschine stellen diverse Werkzeuge und Schnittstellen zur Verfügung, durch die ein Programm alle Möglichkeiten der Maschine nutzen kann. Analog ist ein Āchārya der beste Zugang zu Gottes Güte und Macht.

Somit ist die Vishishtadvaita auf perfekte Weise in der Lage, den Widerspruch zwischen den beiden anfangs erwähnten Gruppen von Zeugnissen aufzulösen. Rāmānuja erklärt, dass das Verhältnis des Jīvāthmā zu Gott vergleichbar ist dem Verhältnis, das unser Körper zum Jīvāthmā hat. Das bedeutet, dass der innerste Kern unseres Jīvāthmās nichts anderes als Gott ist. Dies ist die Erklärung, warum es mystische Erfahrungen von Einheit mit Gott gibt. Auf der anderen Seite hat ein Jīvāthmā „Schichten“, die im obigen Sinne Modifikationen Gottes und somit unterschieden von ihm sind, was zur mystischen Erfahrung der Getrenntheit führen kann.

Die Gesamtheit alles Existierenden wird in drei ontologischen Kategorien („die drei Existenzen“) aufgeteilt:

  • Chit – bewusste Einheiten, also die Jīvāthmās.
  • Achit – Einheiten ohne Bewusstsein, also die Materialien, aus denen die physischen Welt besteht. Auch unser Geist, unsere Stimmungen und unsere Gedanken gehören zu Achit.
  • Īśvara, Gott – der Besitzer und Lenker von Chit und Achit.

Unsere Āchāryas haben die drei Existenzen und ihre vielfältigen Beziehungen sehr ausführlich und tiefgreifend analysiert, da sie die Grundlage für jede praktische Anwendung unserer Philosophie sind.

Somit ist die Vishishtadvaita Philosophie detailliert durchdacht und vollkommen mit dem Zeugnis der Veden sowie dem der Mystiker innerhalb und außerhalb der vedischen Religion. Wir stehen tief in der Schuld der Āchāryas, die diesen Schatz des Wissens seit mehr als tausend Jahren formuliert, verfeinert und für uns bewahrt haben.

Prapatti

Viele Śrī Vaiṣṇavas beschäftigen sich nur mit Vishishtadvaita, wenn es um grundsätzliche philosophische Fragen geht. Im alltäglichen Leben eines Śrī Vaiṣṇavas spielt Prapatti eine weit größere Rolle. Prapatti bedeutet Kapitulation, Aufgabe.

Wie im Einführungsvideo “Eine geführte Tour in die Śrī Vaiṣṇava Tradition, Teil 1” näher erläutert wird, ist für sehr viele Menschen die Frage: “Wie entkomme ich Samsāra, dem Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt?” die wichtigste aller Fragen. Die Antwort der Śrī Vaiṣṇavas hierauf heißt: Prapatti.

Bekanntlich wurden sehr viele Wege vorgeschlagen, Samsāra zu entkommen – es gibt verschiedene Wege der Buddhisten, verschiedene Yoga Systeme und noch vieles mehr. Alle beinhalten aber das Konzept, dass man selbst tätig wird, dass man durch eigene Anstrengung zur Befreiung kommt. Unsere Āḻvārs und Āchāryas haben aber immer wieder betont, dass dieser Grundansatz im jetzigen Zeitalter des Kali Yuga, dem Zeitalter des Streits und der Verwirrung, nur für eine winzige Minderheit aller Menschen funktionieren wird.

Am Ende seiner Unterweisung in der Bhagavad Gīta erklärt Gott, inkarniert als Kṛṣna, seinem Freund:

sarva-dharmān parityajya mām ekaṁ śaraṇaṁ vraja
ahaṁ tvāṁ sarva-pāpebhyo mokṣayiṣyāmi mā śucaḥ

„Gib alle Systeme auf und komme zu mir als einzige Zuflucht. Ich werde dich von allen Sünden und Vergehen befreien. Gräme dich nicht.“

Dies ist eine sehr zentrale Aussage für uns. So wie eine Katze ihr Junges zu einem sicheren Ort trägt, geben wir Śrī Vaiṣṇavas uns ganz in den Schutz und die Obhut Gottes und vertrauen darauf, dass er uns befreien wird. Dieses Versprechen gab Gott auch noch einmal Rāmānuja – er werde Rāmānuja und all die, die Rāmānuja empfiehlt, befreien. Von Rāmānuja erstreckt sich eine ununterbrochene Kette der gnädigen Empfehlung bis zum heutigen Tag. Ein Āchārya empfiehlt seinen Schüler seinem Āchārya, dieser seinem – die Empfehlung folgt so der Kette der Āchāryas und ihrer Schüler bis hinauf zu Rāmānuja.

Philosophisch lehnen wir Śrī Vaiṣṇavas die Idee des “um zu” ab. Wir haben schon so viele Leben gehandelt um glücklich zu werden, uns zu verbessern und Befreiung zu erlangen. Hat es geklappt? Nein, wir sind immer noch hier und leiden. Alles “um zu” ist sinnlos,  so wie alle Lehren, was man zu tun und was man zu lassen hat für die Befreiung. Das einzige, was wir wirklich tun können, ist unsere Unfähigkeit anzuerkennen und ganz Śrīman Nārāyana, Gott, und der Gnade, die seit Rāmānuja zu uns herabfließt, zu vertrauen. Das ist Prapatti.