Mudhal Āḻvārs – die ersten drei Āḻvārs

Viel wurde über die Āḻvārs geschrieben, die 12 poetischen Heiligen, deren Verse das Herz der südlichen Linie der Śrī Vaiṣṇavas bilden, zu der auch das koyil.de Projekt gehört. Dieser Text befasst sich mit den ersten drei Āḻvārs, die kurz hintereinander auf dieser Welt erschieben und bei denen bereits vieles angelegt wird, was spätere Āḻvārs wie Nammāḻvār oder Periyāḻvār in wundervolle Worte fassen werden. In unserer Linie werden die ersten drei Āḻvārs oft zusammen als Mudhal Āḻvārs gefasst, Mudahl bedeutet auf tamilisch „früh“.

Es gibt eine gut hunder Jahre alte Debatte darüber, wie die Āḻvārs zeitlich einzuordnen sind. Unsere Tradition legt Wert darauf, dass sie in alter Zeit, zu Beginn des aktuellen Kali Yugas vor etwa 4000 Jahren gelebt haben. Die akademische Forschung platziert sie im 7. – 9. Jahrhundert unserer Zeit. Das Problem mit der Festlegung des historischen Alters der Āḻvārs ist, dass es kaum schriftlichen Belege über irgendetwas in Indien vor dem 9. / 10. Jahrhundert unserer Zeit gibt. Dies liegt vor allem daran, dass muslimische Invasoren im Laufe des 10. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung begannen, Indien zu erobern und alle Universitäten und Bibliotheken, die sie vorfanden, verbrannten.

Wir haben den Eindruck, dass die akademische Datierung so funktioniert, dass in den Versen nach Bezügen zu Tempeln und Orten Ausschau gehalten wird, um dann zu schlussfolgern, dass Tempel X im Jahr Y gebaut wurde, daher kann der Autor der Verse nur einige Jahr vor dem Jahr Y geboren worden sein. Das Problem mit diesem Ansatz ist, dass die heutigen Tempel i.d.R. ältere Bauwerke ersetzt haben oder umfangreiche Umbauten dieser älteren Bauswerke darstellen. Viele im 11. und 12. Jahrhundert unserer Zeitrechnung neu gebaute Tempel hatten zudem Vorgängerbauten aus Holz, deren Spuren sich aufgrund der schnellen Zersetzung von Material im Klima Indiens heute nicht mehr nachweisen lassen.

Die Gedichte der Āḻvārs beschreiben dazu noch meistens die Bildgestalt und die Umgebung des Temples, nun nicht die Details des Tempelgebäudes. Zum Beispiel sehen wird Verweise auf die Lage auf einer Insel und auf die hohen Mauern des Śrīraṇgam Tempels im Thirumālai, aber wichtige und bekannte Merkmale des heutigen Tempels wie die Halle der Tausend Säulen oder die goldenen Vimanas (Spitzen) einiger Tempelgebäude finden keinerlei Erwähnung. Aus diesem Grund halten wir diesen Ansatz zur Datierung für fragwürdig.

Insgesamt ist die Menge an Informationen, die wir über das Leben der Āḻvārs haben, ausgesprochen beschränkt. Das ist kein Wunder: die Āḻvārs und ihre Verse waren zur Zeit von Nāthamuni, einem Vorgänger von Rāmānuja, der im 9. Jahrhundert unserer Zeit erschien, so gut wie vergessen. Was wir wissen wurde durch Nammāḻvār übermittelt, der mit Hilfe der Nachkommen von Nammāḻvārs Schüler Madhurakaviāḻvār vor Nāthamuni erschien. Madhurakaviāḻvār war ein fähiger Yogi, der in der Lage war, sein Leben außerordendlich zu verlängern (er verließ seinen Körper vermutlich nur einige Jahrzehnte vor der Zeit von Nāthamuni). Nāthamuni verbindet daher die Zeit der Āḻvārs mit der Zeit der Āchāryas, die mit ihm begann. Von Nāthamuni an wurden die Lebensgeschichten der Āḻvārs in der Linie der Āchāryas weiter gegeben, zusätzlich hat sich einiges an Folkore entwickelt.

Poigai Āḻvār

Die akademische Forschung platziert Poigai Āḻvār im 7. Jahrundert, unsere Tradition berichtet von seiner Geburt am Ende des letzten Zeitalters (dem Dvapara Yuga), also ca. im Jahr 4.200 vor unserer Zeitrechnung. Er wurde im tamilischen Monat Aippasi geboren, der normalerweise im Bereich Oktober / November liegt. Dies ist in Südinden der kälteste Monat, die Temperaturen überschreiten selten 30° Celsius. Da er im Dvapara Yuga geboren wurde, war seine Lebensspanne gemäß der vedischen Lehren deutlich größer als die von heutigen Menschen.

Er wurde in der Nähe des Yathothkari Perumal Tempels in einem Ort namens Thiruvekkā geboren, der in Kanchipuram liegt- einem Ort, der etwa 50km westlichen der Küste Tamil Nadus zum Golf von Benganeln liegt, im Südwesten der heutigen Stadt Chennai. Er und die beiden Āḻvārs, die in den beiden Tagen nach seiner Geburt geboren wurden (Bhūta Āḻvār und Pey Āḻvār) hatten keine menschlichen Mütter, sondern erschienen auf Blumen. Poigai Āḻvār wurde auf einem kleinen Teich auf einer Lotusblüte gefunden.


Blick in den Yathothkari Perumal Tempel, wie er heute aussieht

Es gibt einige alternative Namen, unter denen der Āḻvār bekannt ist. Poigai bedeutet im tamilischen kleiner Teich und Āḻvār bedeutet „versenkt in die Hingabe an Gott“. Verbreitete alternative Namen sind „Saro Yogi“, was im Sanskrit „wesentlicher Yogi“ beudeutet, sowie Saro Munīndar, was eine ähnliche Bedeutung hat, und Kāsāra Yogi, was „Yogi aus dem Teich“ bedeutet.

Sehr wenig ist über seine frühen Jahre bekannt, außer dass er Srīman Nārāyaṇa seit jungen Jahren sehr hingegeben war und schnell großes spirituelles Wissen erwarb. In seinen späteren Jahren lebte er als Eremit an verborgenen Stellen im Wald lebte, häufig wanderte er auch große Distanzen zu Tempeln, um den Nektar der Präsenz der Bildgestalten dieser Tempel zu genießen.

Ein Höhepunkt seines Lebens war sicherlich das Treffen mit den anderen beiden frühen Āḻvārs. Über das werden wir berichten, wenn wir die andern beiden frühen Āḻvārs vorgestellt haben. Bevor wird das tun, möchten wir aber noch ein wenig Hintergrund zu der Zeit geben, in der die Āḻvārs erschienen.

Auch wenn die Menschen im letzten Zeitalter, dem Dvapara Yuga, im Allgemeinen spirituell weitaus fortgeschrittener waren als wir, wissen wir doch aus dem Gespräch von Kṛṣna mit seinem Freund Arjuna, welches als Bhagavad Gītā bekannt wurde und das nur wenige Jahrzehnte vor der Erscheinen der Āḻvārs statt fand, dass viel spirtuelles Wissen zu dieser Zeit verloren gegangen war. Die Menschen folgten allen religiösen Kodizes und Praktiken, die in den Veden und und Schriften zum rechten Verhalten (Dharma Shastras) festgelegt waren. Aber ihnen fehlte ein Verständnis der Essenz, um was es in all dem, was sie taten, wirklich ging, was wirklich wichtig war und was nicht. Diese Essenz wird von Kṛṣna in der Bhagavad Gītā gelehrt und wir dürfen annehmen, dass die Gītā erst im Laufe der Zeit die Relevenz gewann, die sie heute hat. Weil die Menschen zumeist an dem formellen, ritualistischen Aspekt der vedischen Religion verhaftet waren, waren die Āḻvārs, die eine intime, liebevolle und eher informelle Beziehung zu Nārāyaṇa hatten, zumeist auf sich allein gestellt.

Poigai Āḻvār hinterließ uns ein Werk namens „Mudhal Thiruvandhadhi“, ein göttlichen Gedicht von 100 Versen auf tamilisch. Hier ist der erste, Vers, der das Gedicht einführt:

Vaiyam takaḷiyā vārkaṭalē neyyāka
veyya katirōṉ viḷakkāka – ceyya
cuṭar āḻiyāṉ aṭikkē cuṭṭiṉēṉ col
mālai iṭarāḻi niṅkukavē eṉṟura

Die Erde als Schale, die Ozeane als Ghee und die Sonne mit heißen Strahlen als Licht,
Ich widme diese Girlande aus Wörtern, die sagt ‚beseitige diesen Ozean aus Hindernissen‘ den heiligen Füßen dessen, der das Chakra mit gleißendem roten Licht führt.
[Srīman Nārāyaṇa]

Nach der Einführung der anderen beiden Āḻvārs werden wir mehr über das hier benutze Bild der Erde als Ghee-Lampe lernen. Dies ist eine Lampe, deren Brennstoff geklärte Butter ist – diese wird traditionell bei der Verehrung von Bildgestalten verwendet.

Es ist in unserer Traditon üblich, dass jede große Persönlichkeit aus der einen sogenannte Thaniyan hat, einen Würdigungsvers, der den Ruhm und die Verdienste der jeweiligen Person zusammen fasst. Dieser Thaniyan wird rezitiert, befor wir die Werke der jeweiligen Person rezitieren. Hier ist der Sanskrit Thaniyan von Poigai Āḻvār:

kāñcyām sarasi hēmābjē jātaṃ kāsārayōginam |
kalayē yaḥ śriyaḥpatayē raviṃ dīpaṃ akalpayat ||

Ich meditiere über Kāsārayōgi, der in einem goldenen Lotus im Wasserbecken des Tempels in Kanchi erschien. Er opferte die Sonne als Lampe für den Herrn von Śrī. [kein anderer als Srīman Nārāyaṇa].

Der tamilische Thaniyan ist folgendermaßen:

kaidhai sēr pūmpoḻil sūḻ kachchi nagar vandhudhiththa
poygaip pirān kaviñyar pōrēṟu |
vaiyaththu adiyavargaḷ vāḻa aruntamiḻ nuṟṟanthādhi
padiviḷangach cheydhān parindhu ||

Der erste unter den Poeten, Poigai Āḻvār erschien in der Gartenstadt von Kanchipuram. Mit größtem Mitgefühl, um die Anhänger des Herrn auf der Erde zu befreien und sie zu den Lotusfüßen des Herrn zu bringen, verfasste er ein besondere Kompostion aus 100 Versen im Antaādhi Stil.

Bhūta Āḻvār

Für diesen Āḻvār gibt es eine verwirrende Vielfalt an Arten, wie der Name geschrieben wird, z.B. Bhūthathāḻvār, Budattazwar oder Bhuthath Azhwar. Das Adjektiv bhūta bedeutet auf Sanskrit rein oder auch angemessen. Er ist auch unter den Namen Bhūta Yogi, Bhūthahvayar, Mallāpuravarādhīshar und Pudhathar. Uns liegen keine Informationen über die exakten Bedeutungen dieser Namen vor.

Er erschien an dem Tag nachdem Poigai Āḻvār erschien. Bhūta Āḻvār wurde in Mahabalipuram (auch Māmallapuram genannt) geboren, ein Dorf am der Ostküste von Tamil Nadu am Golf von Bengalen im Süden von Chennai. Er erschien also etwas 50km östlich von dem Ort, wo Poigai Āḻvār erschien. Auch Bhūta Āḻvār wurde nicht geboren, sondern erschien auf einer Blume – einer Kurukkathi (Sanskrit Mādhavi) Blume.

Wie bei Poigai Āḻvār ist auch bei Bhūta Āḻvār sehr wenig über sein Leben bekannt. Es wird erzählt, dass er – wie Poigai Āḻvār – seit seinen frühen Jahren Srīman Nārāyaṇa hingegeben war und ein Leben in Zurückgezogenheit führte, aber oft zu den Tempeln von Srīman Nārāyaṇa wanderte. Bekannt ist einzig das Treffen mit den anderen beiden frühen Āḻvārs, über das wir berichten werden, wenn wir den letzten der frühen Āḻvārs eingeführt haben. Bhūta Āḻvār hinterließ und das Iraṇdām Thiruvandhāthi. Hier der 5. von 100 Versen:

Aḍi mūnṟil ivvulagam anṟu aḷandāy pōlum
Aḍi mūnṟirandavani koṇdāy paḍininṟa
Nīr ōda mēni nedumālē nin aḍiyai
Yār ōda vallār aṟindu

Oh Herr mit dem Schimmer des blauen Ozeans, vor Aeonen erschienst Du, um Mahabali nach drei Schritten von Land zu fragen. Aber du brauchtest nicht einmal diese drei Schritte, um das Universum zu überschreiten. Wer kann das Geheimnis deiner Füße verstehen oder vorgeben, von ihnen zu sprechen?

Der Āḻvār bezieht sich hier auf die Geschichte von Vāmana, einem Avatar von Śrīman Nārāyaṇa, der das Universum von einem dämonischen König mit einer sehr interessanten Persönlichkeit namens Bali oder auch Mahabali zurück erhielt, und zwar durch „legale“ Mittel:

Bali war ein rechtschaffender König, hatte aber den Nektar der Unsterblichkeit erhalten und mit Hilfe dieser Gabe sowohl die Himmels- als auch die Unterwelt und die Erdreiche erobert. Die Devas ersuchten Viṣṇu (Śrīman Nārāyaṇa) um Hilfe, das Himmelsreich wieder zurück zu erhalten. Da Bali rechtschaffend und ein Anhänger von Viṣṇu war, lehnte letzterer es ab, diesem Wunsch mittels Gewalt nachzukommen. Als der König ein großes Opfer darbrachte, bei dem auch Geschenke an alle Anwesenden verteilt wurden, inkarnierte sich Viṣṇu als zwergenhafter Asket, genannt Vāmana, und bat um das Geschenk von drei Schritten an Land. Der König kam diesem Wunsch nach, doch sogleich wuchs Vāmana auf riesenhafte Form (Trivikrama genannt) an, in der er mit einem Schritt den Himmel und mit einem zweiten die Erde überschritt. Der König erkannte, dass es Viṣṇu war und bot ihm sein Haupt als Platz für den dritten Schritt an (ein Zeichen der Unterwerfung). In vielen Texten wird berichtet, dass er als Lohn dafür die Herrschaft über die Unterwelt behalten durfte.

Vāmana benutze also nicht seine Kraft oder gar Gewalt, es ist die friedlichste Inkarnation von Śrīman Nārāyaṇa. Der Name des Geburtsorts von Bhūta Āḻvār bedeutet wörtlich übersetzt „Stadt von Mahabali“. Es gibt archäologische Hinweise daruaf, dass die Stadt früher ein wichtiger Handelsplatz war, vermutlich einer der wichtigsten Häfen für den Handel zwischen dem indischen Subkontinent und dem römischen Reich. Die Stadt ist heute nicht mehr sehr groß, es gibt aber Belege dafür, dass sie früher sehr viel größer war, bevor eine Flutkatastrophe einen Großteil der Stadt zerstörte. Er erscheint also absolut plausibel, dass Bhūta Āḻvār seit seiner Kindheit viele Geschichten über Mahabali and Vāmana gehört hat, die ihn zu einem großen Anhänger von Vāmana machten.


Bild von Vāmana an einem Tempel in Rajasthan (Quelle: Wikipedia)

Sanskrit Thanian

mallāpura varādhīśaṃ madhavī kusumōdbhavam|
bhūtaṃ namāmi yō viṣṇōrjñānadīpamakalpayat ||

Ich meditiere über Bhūta Yogi, der aus einer Mādhavi Blume erschien. Er ist der erhabene Herr von Māmallapuram und opferte Viṣṇu die Lampe des Wissens.

Es gibt auch tamilische Thanians, aber wir konnten sie bisher nicht in Erfahrung bringen.

Pey Āḻvār

Pey Āḻvār (auch Peialvar, Peyalvar oder Pey Azhwar geschrieben) erschein an dem Tag nachdem Bhūta Āḻvār erschien. Wie bei Bhūta Āḻvār und Poigai Āḻvār erschien er auf einer Blume – eine rote Lilie im Falle von Pey Āḻvār, die auf einem Teich in der Nähe des Adi Keśava Temples im heutigen Chennai. Pey bedeutet „besessen“ im Tamilischen, da Pey Āḻvār auf Außenstehende wirkte wie jemand, der besessen ist. Diese Erscheinung kommt daher, dass er so in Gedanken an Viṣṇu versunken war, dass er die normalen sozialen Gebräuche vergaß. Er ist auch unter den Namen Bhrantayogi, Mahathāhvayar und Mayilāpurādhiparn bekannt. Das Wort „bhranta“ bedeutet konfus, wandernd, unstet im Sanskrit. Die Bedeutung der anderen Namen ist uns nicht bekannt.

Es wir erzählt, dass Pey Āḻvār im Adi Keśava Tempel Dienste verrichtete, in dem er Girlanden aus Tulsi (Tulasī, eine indische Form von Basilikum, die von Viṣṇu sehr geschäzt wird) und Blumen gerstellte. Es gab auch Unterweisungen und Vorlesungen sowie Pañca Saṃskāram (Einweihung) für den Āḻvār, der nach ihm erschien (Thirumaḻisai Āḻvār).

Pey Āḻvār hinterließ und ein Werk, das Mūnṛām Thiruvandhādhi genannt wird. Hier der 9. von 100 Versen:

Kaṇṇum kamalam kamalamē kaittalamum
Maṇ aḻanda pādamum maṟṟavaiyē eṇṇin
Karumā mugil vaṇṇam kṝ kkaḍal nīr vaṇṇan
Thirumāmaṇi vaṇṇan tēśu

Kannst Du eine Vision beschwören von dem, dessen Farbe wie die einer dunklen Wolke ist, die es Ozeans und eines strahlenden Saphir? Dies ist die Schönheit des Herrn, wenn man sie sich vorstellen kann, mit Augen, die schauen wie ein roter Lotus und Händen und Füßen, die genau so strahlen.

Sein Thaniyan

dṛṣṭvā hṛṣṭam taḍā viṣṇum ramayā mayilādhipam |
kūpe raktotapale jātam mahatāhvayaṃ āsraye ||

Ich ergebe mich Pey Āḻvār, der Anführer von Mylapore, der auf einer roten Lilie erschien und größte Freude erfuhr, durch die Vision von Srīman Nārāyaṇa mit seiner Gefährtin Srī Mahālakṣmī.

Mudhal Āḻvārs (die drei frühen Āḻvārs zusammen)

Häufig werden die ersten drei Āḻvārs zusammen Mudhal Āḻvār genannt. Mudhal bedeutet auf tamilisch „erste“ oder „anfängliche“. Sie werden zusammen so genannt, da

  • Die Drei an darauf folgenden Tagen geboren wurd, in der Ordnung Poigai Āḻvār, Bhūta Āḻvār und Pey Āḻvār.
  • Alle drei das waren, was man im Sanskrit „ayonija“ nennt- sie waren keine Kinder menschlicher Eltern.
  • Sie waren Srīman Nārāyaṇa seit ihrer Geburt sehr hingegeben, und genossen den Segen, ihr ganzes Leben göttliche Freude empfangen zu können.

An einem Punkt an ihrem Leben trafen sie sich und blieben ab diesem Punkt zusammen, um zu verschiedenen heiligen Orten zu reisen. Sie sind im tamilischen daher auch unter dem Namen „Ōṭit tiriyum yōkikaḷ“ – die wandernden Yogis – bekannt.

Kommen wir nun zu der Geschichte, wie die drei sich trafen. Eines Tages besuchte Poigai Āḻvār den Ort Thirukovilur. Thirukovilur ist eine kleine Stadt mit vielen Tempeln, die ca 130km im Süden der heiligen Stadt Kanchipuram liegt. Poigai Āḻvār ging durch die Straßen der Stadt, zu gleichen Zeit wurde sie auch von Bhūta Āḻvār und Pey Āḻvār besucht.

Jeder, der schon einmal tropische Regionen besucht hat, weiß, wie heftig und plötzlich es dort regnen kann. Solch ein Regen begannt und Poigai suchte nach einem Unterstand. Er fand einen schmalen Gang im vorderen Bereich eines Hauses, über das gesagt wird, dass es dem Heiligen Mrigandu gehörte. Er legte sich hin, in der Erwartung die Nacht an diesem ungemütlichen und engen Platz zu verbringen. Einige Zeit später entdeckte auch Bhūta diesen Ort und als er entdeckte, dass bereits jemand an diesen Ort war, fragte er, ob es nicht noch Raum für eine weitere Person gäbe. Poigai begrüße den Fremden und erklärte, dass der Patz, der einer Person zum Liegen genügt, für zwei Personen zum Sitzen reicht.

tropischer Regen in Indien

Eine Stunde verging und ein weitere ehrenwerte und klatschnasse Person kam in den Unterstand. Er wurde durch die anderen willkommen geheißen und alle drei konnte in dem kleinen Raum – in dem einer liegen und zwei sitzen konnten – zumindest angenehm stehen. So standen die drei Āḻvārs in absoluter Dunkelheit und teilten miteinander ihre Erfahrungen mit den Herrn und seinen wundervollen Attributen.

Auf einmal fühlten sie sich extrem bedrängt. Wo sie vorher noch angenehm stehen konnte, fühlten sie nun, dass der verfügbare Platz geschrumpft ist, als ob eine vierte Person – unbemerkt von den anderen dreien – ohne Ankündigung in den schmalen Gang geschlüpft wäre und nun mit ihnen dort steht.

Es war stockfinster, doch Poigai Āḻvār wollte eine Lampe. Er nahm die ganze Erde als Lampe, das Wasser des salzigen Ozeans als Lampenöl und die Sonne als Licht. Bhūta Āḻvār erleuchtete den Ort mit seiner Liebe zum Herrn als Lampe, der Hingabe zu ihm als Lampenöl und seinem Geist als Licht. Dies ermöglicht Pey Āḻvār, zu erkennen, dass der Herr selbst mit seiner Gefährtin Srī Mahālakṣmī den Raum betreten hatte.

Gleich am Anfang seines Mūnṛām Thiruvandhādhi beschreibt Pey Āḻvār, was er erlebte:

Thirukkaṇṭēṉ poṉ mēṉi kaṇṭēṉ tikaḻum
arukkaṉaṇi niṟamum kaṇṭēṉ – cerukkiḷarum

Mir erschien die göttliche Mutter (Srī, im tamilischen auch Thiru) von wunderbarer Form und leichtetend wie die Sonne, so wie er.

Und weiter:

poṉṉāḻi kaṇṭēṉ puri caṅkam kaikkaṇṭēṉ
eṉṉāḻi vaṇṇaṉ pāl iṉṟu

Mir erschien er, der im Schlachtfeld seinen Diskus schleudert, er, der das Muschelhorn trägt, er, der dem Ozean gleicht.

Die Erscheinung des Herrn und der göttlichen Mutter inspirierte die drei Āḻvārs zu Gedichten, von denen wir bereits einen kleinen Teil gehört haben. Jeder der Āḻvārs verfasste spontan einhundert Verse, angefüllt mit Hingabe für den Herren.

Diese Werke bilden den Anfang der Viertausend Verse, die die Āḻvārs insgesamt verfasst haben und die man Divya Prabandham nennt. Sie sind die frühesten Werke einer Tradition, die später als Śrī Vaiṣṇavam bekannt werden wird. Die Āḻvārs rühmen grundsätzlich niemanden außer der göttlichen Mutter Srī Mahālakṣmī und Srīman Nārāyaṇa. Jedoch lobt der Anführer der Āḻvārs, Nammāḻvār, die ersten drei Āḻvārs in seinem Werk und lobt die Schönheit ihrer Werke und ihre Hingabe.

Es wird erzählt, dass Srīman Nārāyaṇa sich die drei Werke voller Freunde anhörte. Danach verschwand er, aber nicht ohne sie zu segnen. Von diesem Punkt an wanderten sie gemeinsam zu Tempeln und heiligen Orten. Die Folklore sagt, dass die drei Āḻvārs dabei mit zwei besonderen Begegnungen gesegnet wurden:

  • Sie kamen in die Gegenwart von Srī Rāma und seinen Gefährten aus der Rāmāyana, insbesondere Rāmas jüngerer Brunder Śatrughna, Hanumān und andere.
  • Sie hatten eine besondere Begegnungn mit Veṅkaṭēśvara, der Bildgestalt eines der wichtigsten Viṣṇu Tempel, die es in Indien gibt. Dieser Tempel wird Tirumala Venkateswara Tempel genannt und liegt in Tirupathi, etwa 130km nördlich von der Gegend, in der die Āḻvārs erschienen. Der Tempel ist auf dem Tirumala Hügel, der selbst ein ausgesprochen heiliger Ort ist. Aus diesem Grund gingen die Āḻvārs zu diesem Ort aber zögerten, auf den Hügel zu steigen. Daher kam Veṅkaṭēśvara den Hügel herunter, um die Drei an dem Ort zu treffen, an dem sie waren. Einige sagen, dass der alte Name eines Teiches am Hügel – Āḻvār Theertham (heutzutage meistens Kapila Theertham genannt) – an diese Begegnung erinnert.

Adiyēn Mādhava Rāmānuja Dāsan

Mudhal Āḻvārs – the first three Āḻvārs

Much has been written about the Āḻvārs, the 12 poetic saints whose poems form the very heart of the southern branch of Śrī Vaiṣṇavam, to which the koyil project is affiliated. This text deals with the first three Āḻvārs, who appeared shortly after another who already indicate many spiritual directions, on which later Āḻvārs like Nammāḻvār or Periyāḻvār will find wonderful words about. In our tradition, the first three Āḻvārs are often adressed together als Mudhal Āḻvārs. Mudahl means „early“ in Tamil.

There is a century old debate on how ancient the Āḻvārs are. Our tradition has it that they are very ancient, academic research places them in the 7th to 9th century C.E. The problem with fixing the historical date of the Āḻvārs is that there is scant written evidence on anything in India before the 9th / 10th century C.E.. This is mainly due to the Muslim invaders burning down all universities, books and libraries they found. We have the impression that academic dating is based on the method of looking at references to temples and towns in the poems of the Āḻvārs and then concluding that temple X was built around year Y, therefore the author of the poem can be born a bit before Y at the earliest. The problem with this approach is that the present stone temples are often replacements / major renovations of older temples. Additionally, many temples newly build in the 9th to 11th century C.E. had likely predecessors made of wood and other perishable materials. The Āḻvārs usually address the deity and the surroundings of the temple, not the actual temple building. As example, we only see references to the island location and strong walls of Śrīraṇgam in Thirumālai, things like the thousand pillar hall or the beautiful golden Vimanas are not mentioned at all. So drawing extended inference from the present temple is a somewhat questionable approach to dating.

Overall, the amount of information we have about the lifes of the Āḻvārs is very limited. No wonder: the Āḻvārs and their works were nearly forgotten at the time of Nāthamuni, a predecessor of Rāmānuja, around the 9th century C.E. What we know was transmitted from Nammāḻvār, who appeared to Nāthamuni and via the descendants of Nammāḻvār’s disciple Madhurakaviāḻvār. The latter was able to extend his life for a very long time (he left his body probably only decades or a few centuries before the time of Nāthamuni), so he connects the time of the Āḻvārs with the time of the Āchāryas, which dawned with Nāthamuni. From Nāthamuni, the life stories of the Āḻvārs were handed down in the lineage of Āchāryas.

Poigai Āḻvār

Academics place Poigai Āḻvār in the 7th Century C.E., while tradition places his birth at about the end of the last age (Dvapara Yuga), at the time around 4.200 B.C.E. He was born in the Tamil month Aippasi, which is usually somewhere in October / November. This is the coldest month in South India, with temperatures sometimes not even passing 30° Celsius. Since he was born in the Dvapara Yuga, tradition holds that his lifespan was much longer than the lifespan of today’s people.

He was born in near the Yathothkari Perumal temple in a place called Thiruvekkā, which is in Kanchipuram, a city located about 50 km away from the eastern shore of Tamil Nadu, in the south west of today’s Chennai. He and the two Āḻvārs who appeared in the days after him (Bhūta Āḻvār and Pey Āḻvār) were actually not born by a human mother but appeared on flowers. Poigai Āḻvār was found in a small pond on a lotus bud.


Inside the Yathothkari Perumal Temple complex as it is today

There are some alternative names under which this Āḻvār is known. Poigai means small pond in Tamil and Āḻvār is a Tamil term meaning „immersed in devotion to god“. Common alternative names are Saro Yogi, which is Sanskrit and means „essential Yogi“; Saro Munīndar, which has has similar meaning and Kāsāra Yogi, which means „Yogi from the pond“.

Very little is known about his early years, other that he was very devoted to Srīman Nārāyaṇa from his early years and quickly gained tremendous spiritual knowledge. In his later years, he was living as a saint-hermit in secluded places in the forest, often wandering large distances on pilgrimage to temples to enjoy the nectar of the presence of the deities in this temple.

A pinnacle in his life was certainly the meeting with the other two early Āḻvārs, of which we shall report below after having introduced them. Before doing this, we shall give a bit of background about his time.

Even though people in the last age, Dvapara Yuga, were generally much more spiritual than in this age, we know from the conversation of Kṛṣna with his friend Arjuna known as the Bhagavad Gītā, which took place a few decades before the appearance of the Āḻvār, that a lot of spiritual understanding had been lost at that time. People were following all the religious codes and practices laid down in the Vedas and the Dharma scriptures, but they lacked an understanding of the essence, of what all this is about and what really is important and what not. This essence is given by Kṛṣna in the Bhagavad Gītā, but we may assume that the Gītā became commonly known later. Because people were generally attached to the formal, ritualistic aspects of the Vedic religion, Āḻvārs who had an intimate, loving and somewhat informal relation with Srīman Nārāyaṇa were mostly on their own.

Poigai Āḻvār left us one work called „Mudhal Thiruvandhadhi“, which is a divine poem with 100 verses in Tamil. Here is the first, introductory verse:

Vaiyam takaḷiyā vārkaṭalē neyyāka
veyya katirōṉ viḷakkāka – ceyya
cuṭar āḻiyāṉ aṭikkē cuṭṭiṉēṉ col
mālai iṭarāḻi niṅkukavē eṉṟura

Using the Earth as a vessel, the surrounding ocean as the ghee and the Sun with hot rays as the light,
I rendered the garland made of words, saying ‚remove the ocean of obstacles‘, at the divine feet of Him who has the Chakra with the bright red light. [Srīman Nārāyaṇa]

After the introduction of the next two Āḻvārs we will learn a bit more of the picture he uses of the earth as ghee lamp (lamp made from clarified butter, which is traditionally used in deity worship).

It is common in our tradition that each exalted personality within the tradition has a so called Thaniyan, a verse of praise that briefly summarizes the glories of the respective personality. This Thaniyan is recited whenever we recite works from him / her. Here is the Sanskrit Thaniyan of Poigai Āḻvār:

kāñcyām sarasi hēmābjē jātaṃ kāsārayōginam |
kalayē yaḥ śriyaḥpatayē raviṃ dīpaṃ akalpayat ||

I meditate on Kāsārayōgi who manifested from a golden lotus in the temple tank of Kanchi. He offered the Sun as a lamp for the Lord of Śrī.[which is Srīman Nārāyaṇa]

The Tamil Thaniyan goes like this:

kaidhai sēr pūmpoḻil sūḻ kachchi nagar vandhudhiththa
poygaip pirān kaviñyar pōrēṟu |
vaiyaththu adiyavargaḷ vāḻa aruntamiḻ nuṟṟanthādhi
padiviḷangach cheydhān parindhu ||

The foremost among poets- Poigai Āḻvār was born in the garden city of Kanchipuram. With utmost compassion to redeem the devotees on the earth and take them to the feet of the Lord, he composed the rare composition of 100 psalms in the Antaādhi style.

Bhūta Āḻvār

For this Āḻvār, we find a confusing variety of ways how his name is spelled, for example Bhūthathāḻvār, Budattazwar or Bhuthath Azhwar. The adjective bhūta means in Sanskrit purified, proper, fit. He is also known under the names Bhūta Yogi, Bhūthahvayar, Mallāpuravarādhīshar and Pudhathar. We are not aware on the exact meaning of the last three names.

He appeared the day after Poigai Āḻvār appeared. He was born in Mahabalipuram (also called Māmallapuram), a village at the eastern shore of Tamil Nadu in the south of Chennai – so about 50km in the east of Kanchipurnam, the place where Poigai Āḻvār appeared. Also Bhūta Āḻvār was not born but rather appeared on a flower – a Kurukkathi (Sanskrit Mādhavi) flower.

Similar to Poigai Āḻvār, very little is known about his life. It is said that he was also very devoted to Srīman Nārāyaṇa from his early years on and was living a life of solitude and pilgrimage to important temples of Srīman Nārāyaṇa, just like Poigai Āḻvār. And there was the meeting with the other two early Āḻvārs, of which we shall report after introducing the last early Āḻvār. He left us the Iraṇdām Thiruvandhāthi. Let us enjoy the 5th out of 100 verses:

Aḍi mūnṟil ivvulagam anṟu aḷandāy pōlum
Aḍi mūnṟirandavani koṇdāy paḍininṟa
Nīr ōda mēni nedumālē nin aḍiyai
Yār ōda vallār aṟindu

Oh Lord with the complexion of the blue ocean, aeons ago, you manifested to ask Mahabali for three steps of land. But You scarcely needed those three steps to traverse this universe. Who can comprehend the secret of Your Feet or presume to speak of Them?

The Āḻvār is referring to the story of Vāmana, an avatar of Śrīman Nārāyaṇa (Viṣṇu), who gained back the universe which was gained by a demonic king named Bali, or Mahabali, with a very interesting personality, using „legal“ means. Hence, Vāmana did not use force but rather a sort of trick to get back the universe, donating the underworld back to this king. The name of the birth place of Bhūta Āḻvār literally means „city of Mahabali“. There is some archeologic evidence that this city has been a major trade hub at in the ancient past (likely one of the main ports for the trade between India and the Roman empire) and much larger until an ancient flood submerged the largest part of the city. So it seems perfectly plausible that Bhūta Āḻvār heard many stories about Mahabali and Vāmana from his early childhood, which made him very attached to Vāmana.


Carving of Vāmana on a Temple in Rajasthan (source: Wikipedia)

Sanskrit Thanian

mallāpura varādhīśaṃ madhavī kusumōdbhavam|
bhūtaṃ namāmi yō viṣṇōrjñānadīpamakalpayat ||

I meditate on Bhūta Yogi who manifested from a mādhavi flower. He is the exalted lord of Māmallapuram. He offered the lamp of knowledge unto Lord Viṣṇu.

There is also a Tamil Thanian, but we do not have good sources or an authoritative translation of it.

Pey Āḻvār

Pey Āḻvār (also spelled Peialvar, Peyalvar or Pey Azhwar) appeared the day of after Bhūta Āḻvār’s appearance. As Bhūta Āḻvār and Poigai Āḻvār, he appeared on a flower – a red Lilly in Pey Āḻvār’s case, which was located at a well close to the Adi Keśava temple in today’s Chennai. Pey means possessed in Tamil, since Pey Āḻvār appeared like a person possessed by spirits to outsiders. This appearance is due to him being so attracted so Viṣṇu that he did not follow normal social customs. He is also known under the names Bhrantayogi, Mahathāhvayar and Mayilāpurādhipar. The adjective bhranta means confused, wandering, unsteady in Sanskrit. We are unaware what the other two names mean.

It is said that Pey Āḻvār served in the Adi Keśava temple by preparing Tulsi (Tulasī, holy basil, a plant very dear to Srīman Nārāyaṇa) and flower garlands in the temple. He also gave lectures and Pañca Saṃskāram (initiation) to the Āḻvār who appeared after him (Thirumaḻisai Āḻvār) at that temple.

He left us a work called Mūnṛām Thiruvandhādhi. Let us enjoy the 9th out of 100 verses

Kaṇṇum kamalam kamalamē kaittalamum
Maṇ aḻanda pādamum maṟṟavaiyē eṇṇin
Karumā mugil vaṇṇam kṝ kkaḍal nīr vaṇṇan
Thirumāmaṇi vaṇṇan tēśu

Can you conjure up a vision of a from that is a dark hue like a jet-black cloud, the azure ocean and a lustrous blue diamond? That is the beauty of the Lord’s form if one can visualize it, in which the eyes stand out like the crimson lotus, the hands and the feet which measured this earth are the same.

Thaniyan

dṛṣṭvā hṛṣṭam taḍā viṣṇum ramayā mayilādhipam |
kūpe raktotapale jātam mahatāhvayaṃ āsraye ||

I surrender unto Pey Āḻvār who is the leader of Mylapore and was born out of a red Lilly flower in a well and who attained great bliss by having the divine vision of Srīman Nārāyaṇa with Srī Mahālakṣmī.

Mudhal Āḻvārs (the first three Āḻvārs together)

Quite often, we find that the first three Āḻvārs are adressed together under the name Mudhal Āḻvār. Mudhal in Tamil means first or initial. They are addressed together because

  • They were all born a day after each other in sequence – Poigai Āḻvār, Bhūta Āḻvār and Pey Āḻvār.
  • They were all what is called in Sanskrit ayonija – not born from a human mother.
  • They were attached to Srīman Nārāyaṇa right from their birth and were blessed him by enjoying divine bliss throughout their life.
  • At some point in their life, they met each other and from then onwards stayed together and travelled together to various holy places. Hence they are also called in Tamil „Ōṭit tiriyum yōkikaḷ“ – the wandering Yogis.

Let us now hear the story how they met each other. Once Poigai Āḻvār was visiting Thirukovilur. Thirukovilur is a small city with numerous temples about 130 km south of Kanchipuram. Poigai Āḻvār was roaming the streets of Thirukovilur, at the same time Bhūta Āḻvār and Pey Āḻvār had also come to visit the city.

Everyone who has visited tropical regions knows how heavy and suddenly it can start to rain there. Such a rain started and Poigai was looking for shelter. He found a narrow passage in the front portion of a house which is said to have belonged to the sage Mrigandu. He laid down, prepared to spend the night in this inhospitable and confined place. Sometime later, Bhūta too discovered the same place and finding someone already occupying the space, enquired whether there would be room for one more person. Poigai welcomed the stranger, saying that if there was space enough for one person to lie down, two could sit there.

Heavy rain in India

An hour or so passed and there came knocking another worthy, wet and drenched to the skin and seeking shelter in the passage. He too was welcomed by the other two, who thought that three could at least stand comfortably in the small space, which could seat two and provide a bed for one. The three Āḻvārs were thus standing in the pitch dark, sharing with one another their experiences of the Lord and His auspicious attributes.

All of a sudden, they felt rather tight pressed. They were standing comfortably earlier, they now felt that the available space had diminished, as if a fourth person, unknown to the other three, had entered the narrow passage and was crowding them. Apparently, someone had sneaked into the already constricted space without announcement and was standing with them.

As it was pitch dark and Poigai wanted to light a lamp. He used the whole earth as a lamp, the waters of the salty seas as oil and with the shining Sun as the light. Bhūta lit another lamp, with his love to the Lord als lamp, his devotion as oil and his mind as light.

With this, they could see and Pey Āḻvār eyes alighted on the glorious form of Srī Mahālakṣmī, adorning the broad chest of the intruder. In the first verse, first half of Mūnṛām Thiruvandhādhi, Pey Āḻvār describes what he saw:

Tirukkaṇṭēṉ poṉ mēṉi kaṇṭēṉ tikaḻum
arukkaṉaṇi niṟamum kaṇṭēṉ – cerukkiḷarum

The vision rose before me first, now at this very instant, of the divine Mother with my ocean like Lord.

From the presence of the Divine Consort, who does not leave Srīman Nārāyaṇa even for a fraction of a second, they realized that it was none other than Srīman Nārāyaṇa who had entered the passage and was squeezing the trio. Pey Āḻvār describes this in the second half of the first verse:

poṉṉāḻi kaṇṭēṉ puri caṅkam kaikkaṇṭēṉ
eṉṉāḻi vaṇṇaṉ pāl iṉṟu

Then I saw his brilliant Form radiant like the sun, with his sparkling discus deadly in battle in one hand and the curved conch in the other.

The three Āḻvārs, inspired by the grand spectacle of Srīman Nārāyaṇa glorious form in their midst, poured out their devotion in the compositions we already heard about, each a hundred beautiful verses each, brimming over with Bhakti.

These three compositions served as forerunners for the total of four thousand nectarine verses that were to be composed by the Āḻvārs, called Divya Prabandham. In general, Āḻvārs do not praise anybody than the divine mother Srī Mahālakṣmī and Srīman Nārāyaṇa. However, the first and foremost of the Āḻvārs, Nammāḻvār, refers to these three „pioneer“ Āḻvārs as „Pāley Tamiḻar, Isaikārar, patthar“, paying generous tribute to their devotion and the beauty of their compositions.

Each of these verses is flowing from their mouths as if they are clear stream of water. The three works which constitute the earliest poetical compositions contributed by the Vaiṣṇava saints of South India contain philosophical and theological ideas of Śrī Vaiṣṇavam.

It is said that Srīman Nārāyaṇa listened to the three compositions to the utmost pleasure and satisfaction. Then, after blessing them, he disappeared. From then on, they always went together to other temples, and on their way, the three Āḻvārs are said to have been blessed by having two special darshans:

  • The darshan of Srī Rāma and his companions from the Rāmāyana, like Sītā, Lord Rāma’s younger brother Śatrughna, Hanumān etc.
  • The darshan of Lord Veṅkaṭēśvara, the deity of one of the most important Viṣṇu temples in India. This temple is called Tirumala Venkateswara Temple and located in Tirupathi, about 130km north of the region where the Āḻvārs were born. The temple is on the Tirumala hill, which is itself a very sacred place. Because of this, the Āḻvārs walked to the hill but hesitated to step on it. Hence, Lord Veṅkaṭēśvara came down from the hill have his darshan at the place where they were. Some say that the old name of a pond at the hill – Āḻvār Theertham (nowadays usually called Kapila Theertham) – refers to this.

Adiyēn Mādhava Rāmānuja Dāsan

Thirumālai

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Das Thirumālai (திருமாலை) wurde vom Heiligen Thondarippodi Āḻvār verfasst. „Thiru“ (திரு) ist im Tamilischen ein Prefix für etwas Heiliges oder sehr Erhabenes und „mālai“ bedeutet u.a. Girlande. Beides zusammen bedeutet also „heilige Girlande (aus Versen)“. Eine zweite, eher informelle Bedeutung von „mālai“ ist Nārāyaṇa, Gott. Der Name sagt damit zugleich aus, für wen diese Girlande bestimmt ist.

Dieser Artikel ist die erste Übersetzung eines Werkes unserer Āḻvārs in Schriften-Reihe. Wir möchten in unseren Übersetzungen in erster Linie die spirituelle Strahlkraft und Vielfältigkeit der Werke der Āḻvārs mit relativ freien Übersetzungen der Texte von koyil.org ins Deutsche bringen. Ausführliche Übersetzungen und Kommentierungen des Textes, wie sie für das Thirumālai auf koyil.org in Englisch verfügbar sind, sind vorerst nicht geplant.


Wie viele Werke der Āḻvārs ist auch dieses zuweilen nicht ohne weiteres zu verstehen, oft deuten die Āḻvārs nur Dinge mit wenigen Silben an oder kombinieren mehrere Wörter mit Sandhi, so dass die resultierende Buchstabenkombination auf mehrere Arten verstanden werden kann. Wir raten daher dringend davon ab, ohne die Unterstützung eines kenntnisreichen Muttersprachlers die tamilischen Originaltexte, die man auf koyil.org finden kann, zu analyieren. Oft gehen Übersetzungen aus Google Translate / dem Wörterbuch in die völlig falsche Richtung…


Würdigungsvers (Thanian), verfasst durch einen Lehrer von Rāmānuja

Oh, Du mein Geist, preise und wiederhole immerzu die Verse des Thirumālai.
Der, der in Śrīraṅgam weilt (Śrī Raṅganatha) ist niemand anderes als Krṣṇa, zu dessen erhabenen Füßen die Kühe weiden.
Thondaradhipodi Āḻvār war ihm hingegeben und verheißt uns Glück. Er ist unser Herr, lasst uns immerzu über ihn sprechen.
Mehr als das ist nicht nötig.

Śrī Raṅganatha. Hinten die unbewegliche Haupt-Bildgestalt (Mulavar Murti) im Śrīraṅgam Tempel, die auch „Periya Perumal“ genannt wird. Vorne „Namperumal“, die bewegliche Bildgestalt Raṅganathas (Utsava Murti), die in Prozessionen aus dem heiligsten Bereich des Tempels bis in die Außenbereiche getragen wird, damit alle Menschen sie sehen können.

Verse 1-10

Der, der all die Welten aufnimmt und wieder freigibt, der, der all die Welten erschafft,
Deine heiligen Namen haben wir gelernt und so wir werden siegreich sein über Yama (Deva, der über den Tod herrscht) und seine Gesellen.
Obwohl unsere fünf Sinne ohne Zügel wanderten, auf Verbotenes und Erlaubtes.
Denn all unsere vielen Vergehen haben Deine Namen zerstört, es bleibt keine Spur. So wandern wir über Yama und seine Gesellen, sieh‘ selbst!

Oh Herr von Śrīraṅgam,
Du hast die Form eines Bergs von Smaragd,
Deine Lippen sind wie Korallen so leuchtend,
Deine Ohren wie Lotusblüten, nie lässt Du Deine Anhänger los,
Herr der Nityasuris, (erhabene Wesen, weitaus mächtiger als Devas, die in Vaikuntha, dem spirituellen Reich des Herrn, leben – grob mit Erzengeln in der Christlichen Mythologie vergleichbar)
Herr der schlichten Kuhirten (Verweis auf die Inkarnation Gottes als Kṛṣṇa),
die immer sein wollten, wo Kṛṣṇa war.
So will ich hier (in Śrīraṅgam) deine heiligen Namen singen,
und böte man mir die Herrschaft über Vaikuntha mit unermesslichem Reichtum, ich wollte sie nicht, wärst Du nicht zugegen.

Oh Herr von Śrīraṅgam! Doch die Geburt hier in Samsāra (dem Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt in der materiellen Welt) verabscheue ich,
denn die Samsāris, (Wesen, die durch Samsāra wandern) oh, sie leben zwar 100 Jahre, doch schlafen sie fünfzig und die anderen fünfzig verbringen sie im Unwissen der Kindheit, in Jugend, in Sucht nach Sinnesreizen,
gefangen durch Krankheit, verwenden sie ihre Zeit, um Sinne zu befriedigen. Und im Alter sorgen sie sich, denn ihr Leben wurde nutzlos vergeudet.

Hatte nicht der böse Königssohn (Kshathrabandhu, ein misratener Königssohn, der in den Wald verbannt wurde) durch den heiligen Namen „Govinda“ das Glück, nach Vaikuntha zu kommen?
Selbst mit so „guten“ Menschen hat der Gnädige in Śrīraṅgam Mitleid und Großmut.
Sie (die Samsāris, die den Āḻvār umgeben) sind mitten im Ozean schlimmer Vergehen, und selbst mit ihm als Meister verfangen sie sich in neuen Geburten.
Oh, wir verzweifeln daran!

Er denkt, dass er genießt,
die Sinne und die Frauen,
doch beläd er sich nur mit Schwierigkeit.
Er arbeitet hart und isst erst bei Nacht,
ermattet fällt er zu Bett doch findet er keine Ruhe,
denn stets sorgt er sich um diesen materiellen Körper.
Der Herr der Welt, geschmückt mit kühlem Tulsi (indisches Basilikum),
dessen Anhänger tanzen und singen,
er wird nicht sein Diener, kostet nicht den göttlichen Nektar,
solch niedere Menschen, ein Wunder dass ihnen ihr Essen schmeckt.

Einen Schutzwall aus Härte und Grausamkeit habt ihr um euch gebaut,
schütze Dich besser mit Armut und Dienst an ihm,
denn die Armut des Körpers vergeht, wenn dieser verfällt und stirbt,
während eure Armut im Āthmā (grob: Seele) bleibt.
Der sich nur durch Rechtschaffenheit schützt,
anstatt Raṅganatha zu dienen,
sein Körper ist sein Schutzwall,
er schmückt ihn,
doch nicht einmal die Geier fressen ihn,
so liegt er dort, nutzlos.

Die Menschen, die die Tiefen der Śāstra (maßgeblichen Texte) durchdrungen haben,
all die geringen Gruppen wie Buddhisten oder Jains,
werden sie sie mit dem Herzen prüfen?
werden sie sie mit den Ohren hören? (die Anhänger Bhagavāns (Bhagavatas) sind bereits durch die Existenz dieser Gruppen, die die Veden nicht akzeptieren, beunruhigt. Hören Bhagavatas ihnen zu oder öffenen sich ihren Lehren, ist dies umsomehr Grund zur Besorgnis!
Um zu zeigen, dass man der Śāstra voll vertrauen kann, greift der Āḻvār nun zu drastischen Mitteln:)
Selbst wenn man mich enthauptet,
werde ich nicht sterben.
Ich zeige es euch, es ist ein Fakt,
der, der Lankā zerstört hat (Rāmā, ein Avatar Gottes),
und Ruhm erlangte,
er ist der, nach dem wir streben müssen.

Oh Herr von Śrīraṅgam,
voller Hass sprachen die Jains, die Shaivas,
und die unglückseligen Buddisten.
Unvorstellbare Dinge haben sie über Dich und Deine Angelegenheiten gesagt.
Solche Vergehen werden zu einer Krankheit,
die zum Untergang führt.
Oh, wenn sie so in meiner Gegenwart sprechen,
gleich dort werde ich sie enthaupten,
denn sie müssen vor sich selbst geschützt werden (Der Āḻvār findet, dass es besser so ist, als wenn sie sich mit weiteren Vergehen gegen Raṅganatha noch mehr Vergehen aufladen. Hier ist es wichtig festzuhalten, dass sein Zorn den Āḻvār relativ weit weg von der normalen vedischen Verhaltensnorm bringt. In der Yajur Veda lesen wir: „na himsyat sarvabhutanam“, „töte kein lebendes Wesen.“ Diese Aussage ist also ein Ausdruck seiner Wut aufgrund der Vergehen gegen Raṅganatha, keine Anweisung für Zuhörer / Leser.)

Oh Menschen, gibt es irgend einen anderen Herrn, bei dem wir Zuflucht nehmen können in schwieriger Zeit?
Er ist der Eine, der Höchste.
Ihr wisst nicht mehr als dies aus den Schriften,
denn er ist versteckt, ihr könnt ihn nicht erkennen.
Doch außer ihm gibt es keinen Herrn.
Deswegen nehmt Zuflucht beim Hirten der Kühe, meinem Herrn,
haltet seine Füße und ergebt euch ihm.
(Der Hirte der Kühe ist Kṛṣṇa. Unter all den Formen, die Gott angenommen hat, ist Kṛṣṇa die nahbarste – daher sollen die Menschen bei ihm Zuflucht suchen)

An allen Orten wurden (geringe) Devas zur Verehrung eingeführt.
Doch die, die ein exaltiertes Leben führen wollen, finden die Mittel in der unvergleichlichen Güte, die in Śrīraṅgam zugegen ist.
So sage ich es euch, doch ihr, die ihr euch anderen Dingen als Śrīman Nārāyaṇa hingebt, habt ihr es verstanden?
Selbst wenn er prachtvoll, auf seinem Gefährt Garuda, zugegen ist, wartet ihr doch am Schrein des Devas der Armut und bettelt um Geld.

Śrīraṇgam vom anderen Fussufer aus gesehen

Verse 11-20

Der, der mit seinem Bogen einen Damm durch den tosenden Ozean baut (nachdem der Deva, der über die Meere herrscht, auf das Bitten Rāmas nicht erschienen war, nahm dieser seinen Bogen und drohte ihn zu erschießen. Darauf hin kam er und ermöglichte den Bau des heute noch sichtbaren Damms nach Sri Lanka, Rama Setu ),
Zum Schutz der Welten zerstörte er im Kriege Rāvaṇa, den König der Dämonen.
Der, der stets in Śrīraṅgam weilt, dem berühmten Tempel mit seinen vielen Mauern – ihr sagt seine Namen nicht, obwohl es so leicht ist.
Wohl wurdet ihr nicht im Mutterbauch gesegnet und so verschwendet ihr eure Zeit.

Als Yama (Deva des Todes) und Murkalanum sprachen,
und die in Narakam (höllische Unterwelt) diese Worte hörten,
wurde Narakam für sie wie Svargam (die himmlich Welt),
die Namen Gottes machten Narakam zu einem wunderbaren Ort. (Murkalanum hatte viele schwere Vergehen auf sich geladen, doch gab er zur Vergebung eine großzügige Spende und widmete sie Kṛṣṇa mit den Worten „Kṛṣṇārpaṇam“. Nach seinem Tod wird er von den Gehilfen Yamas nach Narakam gebracht, Yama empfängt ihn jedoch freundlich. Murkalanum ist verwirrt und Yama erklärt ihm, dass dies durch die Macht der Namen Gottes, selbst wenn sie nur einmal ausgesprochen werden, geschieht. Darauf hin sprechen Murkalanum und Yama ausführlicher über den Ruhm der Namen Gottes. Diejenigen, die ebenfalls in den höllischen Unterwelten sind und nicht so gut behandelt wurden, fühlten sich in diesem Moment, als wäre sie in Svargam)
Da sie Deinen Namen nicht sprachen, ihn vergaßen,
fielen schon so viele große, aber materialistische Menschen.
Sie vielen in den Sumpf aus Sorgen,
dies sorgt mich zutiefst.

Die Wellen des übel riechenden Ozeans umspülen dieses Land und seine Wesen (diese Ozean ist Saṃsāra, der Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt),
Der Herr der Nityasuris, geschmückt mit einer süß duftenden Girlande aus Tulsi, nur ihn verehrt!
Wenn diese Menschen ohne Wissen, die als Sklaven ihrer Sinne leben, doch nur „Śrīraṇgam“ sagen würden,
auf diesem Land und in Narakam würde niemand mehr wandeln (da alle Samsāra verlassen), nur noch Gras würde wachsen.

Gärten, wo Schwärme von Bienen summen,
Gärten, wo schöne Pfauen tanzen,
Gärten, die die Wolken küssen,
Gärten, wo Scharen von Wachteln sich rufen,
Gärten, wo der Herr der Nityasuris wohnt,
sie sind der Schmuck (von Samsāra).
Die, die nicht einmal das Wort Śrīraṅgam aussprechen,
sie sind undankbare Dummköpfe.
Sie fallen übereinander her um zu essen,
so nehmt ihnen das Essen weg
und gebt es den Hunden! (Denn sie sind dankbar, diese Menschen nicht.)

So lange war ich auf dem falschen Weg;
Der Herr, dessen Flagge Garuda zeigt, zeigt seine wahre Natur all denen, die ihn nicht hassen. (so wenig ist nötig)
Die, die sich für andere Dinge als ihn interessieren,
er wird ihnen Unwahres zeigen.
Die, die wissen, sollten wissen, wie sie sich aus Samsāra erheben,
nachdem sie verstanden haben, wer der Herr aller Herren ist,
wird er sich ihnen offenbaren und ihre letzten Zweifel verfliegen.
Der Herr, der die Welt durch seine Schönheit versklavt,
seine Stadt ist Śrīraṅgam.

In der Zeit, als ich mich in weltlichen Dingen versenkte
täuschte ich, stahl,
war verfangen in den Augen der Frauen,
rund und große wie die von Fischen,
war gefangen im Netz (von Samsāra)
Ich sank, ich schrie und er betrat mein Herz,
der höchste Herr, der in mir eine Flut der Hingabe steigen ließ,
ist sein Ort nicht Śrīraṅgam?

Ich stand, ihm hingegeben,
doch ich konnte ihn nicht preisen,
konnte ihm keinen Dienst verrichten,
verstand seine Güte nicht.
Der Geist war hart wie Eisen,
doch er wurde weicher.
In Śrīraṅgam, umgeben von Gärten, umwimmelt von Bienen,
Śrī Raṅganatha, Periya Perumāl, unser geliebter Herr, weilt dort,
ihn genossen meine Augen, und wie sie ihn genossen!

Vom Kāveri Fluss, wehen feine, süße Tropfen zu ihm,
er (Śrī Raṅganatha) ruht allein, und herrscht,
er ist Kṛṣna mit roten Augen wie Lotus.
Mein Herr, Kṛṣna, mit Lippen rot wie reife Früchte,
Aus den Augen die ihn sahen,
fließen viele kühle Tränen der Freude.
Ein Sünder wie ich, was soll ich tun?

Kṛṣna, gefunden auf https://srimadkrsna.tumblr.com

Für alle die, die in dieser Welt weilen,
der Herr von allem, mit der Farbe des Ozeans,
mein Herr, der seinen Kopf nach Westen streckt,
und seine Füße nach Osten,
den Menschen im Norden zeigt er seinen wunderbaren Rücken,
und schaut in den Süden nach Lankā (Sri Lanka),
so liegt er auf dem Schlangenbett (die Weltenschlange Ādiśeṣa ist sein Bett).
Nachdem ich ihn so ruhen sah,
schmolz mein Körper.
Oh, was sollte ich tun?

Umflossen vom Kāveri liegt Śrīraṅgam,
auf dem Schlangenbett schläft er, mein Herr, wundersam.
Auf seiner Brust weilt Mutter Lakṣmī,
sein Körper hat die Farbe von Smaragd,
seine Schultern, seine roten Lippen, sein Mund wie Koralle,
so herrscht er, seit langer Zeit.
Die, die seine Herrlichkeit erfahren, können sie (in Samsāra wieder) verlorengehen?

Der Tempelgarten von Śrīraṅgam, Quelle: C.P.R. Environmental Research Centre

Verse 21-30

Wir sind bescheiden und halten unseren Geist klar,
in den Dingen von dem, dessen Mund wie Korallen scheint.
Großartig und mit starkem Willen, doch unfähig zu leben,
denn seit Aeonen bin ich getrennt von Bhagavān.
Oh Herz, von perfekter Schönheit, schimmernd wie rotes Gold, schimmernd wie Meru (ein mystischer Berg, der die Mitte des Universums markiert).
Im Tempel liegt der Herr, scheinend wie ein blauer Diamand,
die Schönheit wie er dort liegt und ruht,
kann der Geist es fassen? Sag es mir!

Oh stumpfer Geist, jenes, was über Bhagavān gesagt werden soll – spreche nur das.
Nichts über seine Größe können wir selbst sagen, denn nur die Makellosen können ihn sehen wie er ist.
Stets weilt er im Geist der Makellosen, wir können nur über das sprechen, was wir erfahren haben.
Können wir Hymnen über ihn dichten? Sag es mir!

Unstet, so bin ich, so wenig edel, als wäre der Ganges in der Mitte des Kāveri (der Kāveri wird auch Ganges des Südens genannt. Er wird in unserer Tradition als weitaus heiliger als der Ganges gesehen, seit dem er den Śrīraṅgam Tempel, der auf einer Flussinsel liegt, umfließt. Raṅganatha soll etwa zur Zeit Rāmas auf diese Insel gekommen sein, der erste Tempel wurde kurz darauf errichtet.)
Schäumend fließt er, mir großer Kraft zu all den Orten, (heute ist der Kāveri durch die Übernutzung seines Wassers bei der Kaffeeproduktion nur ein Schatten seiner selbst)
süße Haine umgeben ihn, zu ihm,
dem Herrn, dem Gebieter aller.
Er ruht in unvergleichlicher Pose,
nach dem ich dies sah, kann ich es vergessen, kann ich weiter leben?
Ich stehe, gebannt, unfähig zu handeln.

Die Fluten des Kāveri reißen, fließen zu allen Seiten und die Gärten,
im Tempel liegt er, der stiehlt (die Herzen seiner Anhänger),
er ruht, göttlich, mit einem Gesicht wie Lotus.
Oh Herz, selbst nachdem Du ihn verehrt hast,
bleibst Du hart. Merkst Du nicht, dass er ohne Gleichen ist?
Du gibst nur vor ihn zu lieben! Du verschwendest Deine Zeit in gespielter Geschäftigkeit!

Oh Raṅganatha,
ich ging fehl in den Pflichten des Brāmānen,
ich nahm nicht einmal das Bad,
das Vorrausetzung ist um das Karma der drei Arten des Feuers zu tun
und so Vergebung zu erreichen (damit ist vermutlich Sandhyāvandhanam, das Ritual der drei Übergänge der Sonne (Aufgang, Höchststand, Untergang) gemeint, was von allen Brāmānen und anderen, die „Dvijas“, also in die Veden Eingeweihten, täglich ausgeführt werden muss).
Ich ging fehl und habe es nicht, (es, die unmittelbare Erkenntnis des Āthmās, die Jñāna Yoga ermöglich, durch die Verpflichtungen zu Karmas, rituellen Handlungen, transzendiert werden können) ich fühle keine Liebe zu Dir (was Bhakti Yoga ermöglichen würde, durch das Jñāna Yoga transzendiert wird).
Oh, wie glücklich ist es! Ich rufe den, der Fülle ist,
der die Form des Ozeans hat, in meiner Sache.
Du musst mich segnen, gib mir alles (Karma, Jñāna und Bhakti), bereinige meine Vergehen gegen die Pflichten!

Wenn ich mit Blumen zu Deinen Füßen stehe,
keine Kraft, voller Fehler, das bin ich,
ich finde keine Worte, Dich zu preisen,
unfähig Gelerntes zu rezitieren.
Mein Herz findet keine Liebe zur Dir,
doch so kann Raṅganatha durch mich keine Freunde erfahren.
Oh, für was wurde ich geboren?!

Die Affenkrieger schoben Berge ins Wasser,
sie gingen ins Wasser und verschoben Sand,
sie rannten in den schäumenden Ozean,
sie blockierten ihn, ohne Fehl und Täuschung.
Oh, ich bin nicht wie sie, wie die Eichhörnchen,
mein Geist ist hart wie die Bäume und verstrickt in Täuschung,
ich, der hohes Ansehen hat und und von Herzen dienen sollte,
doch ich diene nicht,
dort stehe ich, vergesse.

Die himmlischen Wesen, sie kennen ihn nicht,
den strahlenden Herrn von Vaikuṇtha,
für Gajendra, dessen rotes Fleisch das Krokodil fressen wollte, kam er und zürnte dem Krokodil.
Doch wird er uns Hunde schützen,
wird er unsere Vergehen ignorieren?
Für was wurde ich geboren, wenn nicht als sein Diener?

Ich wurde nicht an einem Divya Deśam (heiliger Ort) geboren,
besitze dort kein Land, keine Verwandten, niemand.
Niemanden habe ich auf dieser Erde.
Und Deine heiligen Füße, ich umarmte sie nicht.
Herr von Allem, mit der Farbe dunkler Wolken,
mein Kṛṣṇa, ich rufe zu Dir, mein Herr,
der, der in Śrīraṅgam weilt, wer sonst kann mich schützen?

Es ist keine Reinheit in meinem Geist,
in meinen Worten keine Freundlichkeit,
in Zorn, feindlich blickend, ich spreche Worte von Feuer,
Er ruht in Śrīraṅgam, seine Girlande aus Tulsi, Blätter prall, als würden die Pflanzen (noch) im Boden stehen.
Für mich (der so voller Fehler ist), nach meiner Kapitulation vor Dir,
Zuflucht musst Du geben mein Herr, dessen Diener ich wurde.

Brahmanenschüler bei den täglichen Ritualen – vom Āḻvār unterlassen.

Verse 31-40

Die, die Bußen praktizieren, ich bin keiner von ihnen.
Die, die wohltätig sind, ich bin keiner von ihnen.
So wie salziges Wasser bin ich, meinen Verwandten ohne Nutzen.
Selbst die Frauen mit roten Lippen, ich zerbrach die Verbindung, ich war wie ein Dieb.
Der, der in Śrīraṅgam lebt, er verschwendete eine Geburt mit mit mir.

Es summt in den Hainen,
Insekten schwirren und zieren,
im Tempel, mit einem Körper wie dunkle Wolken, Kṛṣṇa!
Keinen Pfad kannte ich, der zu Dir führt,
unter den Menschen wie ein Narr, so stand ich.
Ein Narr, ein Narr bin ich.

Alles Wahre gab ich auf, gefangen im Netz von Frauen mit wallendem Haar.
Viele Lügen hielten mich am Rand, keinen Ort hatte ich, an den ich gehen konnte. So kam ich, so stand ich.
Oh Herr, der in Śrīraṅgam weilt, durch den Wunsch, der durch Deine Gnade kam,
Als Lügner kam ich, stehe ich, als Lügner, als Lügner.

In meinem Herzen weilt er, der Allwissende.
Kein Wissen hatte ich über dies,
ich, der Dieb, diente, nahm dienene Haltung von anderen an,
nahm die Gedanken derer, die wussten,
ich schäme mich, ich gehe von Dir und lache, dass mir die Rippen brechen.

Oh Herr, an dem Tag, als Du die Welten überschritten hast (als Trivikrama),
ich werde niemand anderen als Dich verehren,
der mit roten Augen, seinen Anhängern geneigt,
mein Lebenshauch, mein Nektar, mein Herr, Seele meines Lebens, wie Nektar.
Meine vielen Vergehen, ich werde an niemand denken als an Dich, oh meine vielen Vergehen!

Er stoppte den Regen einst, mit dem Berg (ein Verweis auf die Begebenheit, wo Kṛṣṇa den Govadhan Hügel hochhielt, um die Menschen vor dem Regen und Sturm zu schützen, den Indra geschickt hat) zum Schutz und ohne Mühe
Der, dessen Stärke unermesslich ist.
Er, der ist wie der wunderschöner Fluss.
Frauen mit Augen wie Rehe, sie fangen im Netz ihrer Augen und Menschen wie ich erbeben daran,
kann Dein Blick mich nicht schützen (so wie er den Berg zum Schutz erhob)?
Du, der Urgrund, der in Śrīraṅgam weilt, nur Dich, ich rufe Dich!

Kṛṣṇa hält den Govadhan Hügel

Der Fluss (Kāveri), er reißt, ist trüb, umspült den Tempel.
Im Tempel scheint er, Periya Perumal (die unbewegliche Haupt-Bildgestalt von Raṅganatha), ist wie Vater und Mutter.
In meinen Dingen, oh er schaut auf mich mit freundlichem Blick,
er tut mir Gefallen, aber er spricht kein Wort der Vergebung zu mir!
Oh, sein Herz ist so hart.

Oh, Dinge der Welt, sie scheinen so groß, überdecken die Natur des Āthmā, doch ich erkenne es.
Erkenne den Dienst an Bhagavān als letztes Ziel,
weiß, dass ich die Sinne kontrollieren muss (und nicht die Sinne mich), löse die Anhaftung.
Mein Haupt wird leicht, ich stehe an Deiner Türschwelle (wie ein Wächter).
Die, die leben und sich selbst vernachlässigen, genießt Du sie nicht, Du, der im Tempel ruht, um den der Kāveri fließt?

Der Dienst für Dich, mit Tulsi gekrönt, auch die, die nicht dienen, sie sollten es;
Die Vaidikas (Menschen, die die vier Veden rezitieren können), sind sie nicht am Dienst an Dir interessiert, gebührt dieser Rang ihnen nicht.
Die, deren Geburt nicht tiefer sein kann, sind sie Deinen Füßen hingegeben, genießt Du sie nicht, dort, im Śrīraṅgam Tempel?

Der, dessen Brust  Śrī Mahālakṣmī und das Mal (Śrīvatsa) schmücken,
Die, die Dich als einziges Mittel im Herzen haben, sie haben unbegrenztes Vertrauen in Dich!
Alle Wesen dieser Welt fürchten gewaltsamen Tod und Leid durch Feuer. Selbst die, die sich (in vergangenen Leben) solche Taten aufgeladen haben, die Wirkungen dieser Taten werden sie nicht mehr treffen (wenn sie vor Dir kapitulieren und Dich als einziges Mittel akzeptieren).

Ein Eindruck des Kāveri Flusses in der Nähe von Śrīraṅgam

Verse 41-45

Der, der in Vaikuntha lebt, den Brahmā (der Demiurge des jeweiligen Universums) und die anderen himmlischen Wesen (Devas, Gandharvas usw) nicht kennen, wenn sie es sagen. (Der letzte Einschub ist rätselhaft. Unsere Āchāryas deuten ihn so, dass diese Wesen sagen, dass „es“, das ist, worum es dem Āḻvār in diesem Abschnitt geht: Die Kapitulation vor- und den alleinigen Schutz durch Bhagavān. Sie, die himmlischen Wesen, sagen also, dass die den Schutz Bhagavāns suchen.)
Er, dessen Krone mit Tulsi geschmückt ist, tropfend von Honig, wenn sie es sagen. (Auch dieser wiederhole Einschub von „என்பராகில்“, verstanden als „wenn sie es sagen“, ist rätselhaft. Unsere Āchāryas kommentiere hier, dass der Āḻvār hiermit sagt, dass die vorherige Beschreibung von Bhagavān nicht von ihm, sondern von den himmlischen Wesen stammt, deren Ersuchen nach Schutz erhört wurde).
Selbst wenn sie niederste Dinge tun (unsere Āchāryas merken in den Kommentaren hier insbesondere das Töten von Wesen an, um sie zu essen),
für sich selbst oder für andere, die Reste von Bhagavāt Prasadam (Essen, dass Bhagavān geweiht wurde) werden sie reinigen.

Sie (Brahmanen) kommen aus einer der von Brahmā, fehlerlos von Anfang, die, die die vier Veden kennen.
Doch auch die, die in einem Stand (d.h. Kaste) geboren wurden, unter der es keine mehr gibt (Kastenlose / Dalits, Ausländer wie wir, deren Familien keine Kaste haben),
haben sie die Beziehungen zur Dir realisiert, verherrlicht sie, lehrt sie, verehrt sie wie den Herrn, der in Śrīraṅgam weilt, dort, hinter hohen Mauern.

Die sechs Teile der Veden, einzigartig (Jede der vier Veden hat neben den Kernteil aus Hymnen und Philosophie Vedāṅgas, Hilfstexte zu prakischen Themen in sechs Kategorien: Aussprache, Verslehre, Grammatik & Wortbedeutungen, Anweisungen für die Durchführung von Ritualen sowie der Wahl von Zeitpunken.),
die vier Veden, einzigartig, in ihren Herzen verankert durch Übung und Rezitation.
Sie führen Deine Anhänger an, große Brahmanen sind sie,
doch wenn sie auf Deine Anhänger (die mit niederer Geburt) herabschauen,
im selben Moment sind sie selbst auf die Stufe der untersten Kaste gefallen.
Oh, (durch den), der in Śrīraṅgam weilt.

Śiva, mit langem verfilztem Haar, und Brahmā,
sie taten Bußübungen für unvorstellbare Zeit, um Dich zu sehen,
sie ließen ihre Köpfe hängen, als Du für Gajendra aus Gnade ans Ufer des Teiches kamst – selbst die Nityasuris waren darüber erstaunt! Du ist blind (siehst meine Vergehen nicht, bist trotzdem gnädig) – wie kann man denken, dass Du die Zuflucht aller bist? (Nur für die, die nicht versuchen, ihn durch eigene Anstrengung erreichen.)

In der großen Stadt Mathura (Stadt im Norden Indiens, zu der Vrindavan, der Kindheitort Kṛṣṇas gehört) mit ihren wunderschönen, silbrig-weiß dekorierten Häusern,
der große Elefant, im Wahn durch Kavaḷam (ein bestimmtes Futter), Kṛṣṇa tötete ihn (im Gegensatz zu Ganjendra im vorigen Vers, die Geschichte dazu wird u.a. im Kṛṣṇa Buch der „Hare Krishnas“ erzählt),
Raṅganatha, stets in Liebe zu seinen Anhängern, er schützt mich,
Thondaradhipodi, vertieft in den Dienst an den Anhängern von Bhagavān,
diese Verse, selbst wenn sie fehlerhaft in Wörtern und Versenkunst sind,
sie sind für meinen Herren, sind sie nicht voller Süße?

Śrī Raṅganatha, Quelle: Wikipedia

Adiyēn Mādhava Rāmānuja Dāsan
Übersetzung Englisch – Deutsch
Adiyēn Krishna Rāmānuja Dāsan
Übersetzung des tamilischen Kommentars von Periyavāccan Piḷḷai ins Englische.

Das wundersame Erscheinen von zwei Bildgestalten

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Kontext & Vorgeschichte

Wir haben in diesem Einführungsartikel schon beschrieben, dass die Verehrung von Bildgestalten (Deities) für uns Śrī Vaiṣṇavas eine besondere Rolle spielt. Sie sind für uns Portale zu Gott, zu Śrīman Nārāyana. In diesem Artikel möchten wir die Geschichte von zwei Deities erzählen, die bis heute in Alwar Tirunagari verehrt werden. Dies sind Deities von Nammāḻvār von Rāmānuja, die zu Madhurakaviāḻvār kamen.

Wir haben Rāmānuja in diesem Artikel bereits vorgestellt. Nammāḻvār ist einer der Āḻvārs, die wir hier bereits allgemein vorgestellt haben. „Namm“ ist tamilisch und bedeutet „unser“. Nammāḻvār bedeutet also „unser Āḻvār“ – denn Nammāḻvār ist der bedeutendste unter den Āḻvārs. Wir werden sein Leben und sein Werk noch in einem speziellen Artikel behandeln – hier nur ein kurzer Umriss: Nammāḻvār lebte die ersten Jahre seines Lebens in einem Baum, versunken Meditation. Aus dieser wurde er von Madhurakaviāḻvār geweckt und unterrichtete seit diesem Zeitpunkt Madhurakaviāḻvār als seinen Schüler. Madhurakaviāḻvār hörte von Nammāḻvār auch dessen Hauptwerk, die etwa 1000 Verse des Thiruvaimoḻi. Diese enthalten das selbe Wissen wie die Veden, aber in einer einfacheren Form und die einer Sprache, die alle Menschen seiner Region verstehen konnten (tamilisch). Jeder Mensch darf das Thiruvaimoḻi lernen und rezitieren, es unterliegt – im Gegensatz zu den Veden – keinerlei Restriktionen.

Nammāḻvārs Hingabe an Gott war nun aber so groß, dass er – auch wenn er immer wieder außerordendliche göttliche Visionen hatte und seine Hingabe alle Grenzen sprengte – sehr litt, sobald er für einen Augenblick Gott nicht wahrnehmen konnte. Er beschloß daher, diese Welt mit nur 32 Jahren wieder zu verlassen.

Madhurakaviāḻvār war zum Zeitpunkt des ersten Treffens mit Nammāḻvār deutlich älter als Nammāḻvār. Er überlebte Nammāḻvār und seine Nachkommen (manche sagen auch, Madhurakaviāḻvār selbst, da er als fähiger Yogi eine sehr lange Lebensspanne hatte) konnten unseren Āchāryas den Weg zum Thiruvaimoḻi und den Werken der anderen Āḻvārs öffnen.

Die Geschichte der Deities

Als Nammāḻvār nun immer trauriger wurde und sich danach sehnte, diese Erde zu verlassen und in das Reich Śrīman Nārāyanas, das Paramapadam oder Vaikuntha genannt wird, zu gehen, war Madhurakaviāḻvār von großer Sorge erfüllt. Er war Nammāḻvār genau so hingegeben wie Nammāḻvār Śrīman Nārāyana hingegeben war. Wenn Nammāḻvār seinen Körper verließ und nach Paramapadam ging, wie sollte er ihm weiterhin nahe sein? Er bat daher Nammāḻvār, ihm eine Bildgestalt, eine Deity (Sankrit: Vigraham) von sich zu geben, die er und nachfolgende Menschen verehren können. Die folgenden Illustrationen der Geschichte stammen von hier.

Nammāḻvār wies ihn an, Wasser aus dem Fluss Thamirabarani, der in der Nähe des Ortes war, an dem Nammāḻvār lehrte, zu kochen, aus diesem würde ein Deity entstehen. Dies tat Madhurakaviāḻvār.

Doch zu seinem großen Erstauenen tauchte aus dem Wasser nicht ein Deity von Nammāḻvār auf, sondern die Bildgestalt einer Person mit einer Flagge, wie Āchāryas sie tragen.

Allerdings zeigte er keine typische Handhaltung (Mudra) eines Āchāryas – deren Deities haben typischerweise Mudras der Lehre oder des Wissens. Anstatt dessen zeigt die Deity das Anjali Mudra, was Demut symbolisiert. Madhurakaviāḻvār war sehr verwirrt und fragte Nammāḻvār, was es mit diesem Deity auf sich habe. Nammāḻvār erklärte ihm, dass dies der Bhavishya Āchārya sei, ein zukünftiger Āchārya, dessen Bedeutung seine eigene (Nammāḻvārs) noch weit übersteigen werde.

Um einen Deity von Nammāḻvār zu bekommen, solle Madhurakaviāḻvār einfach noch einmal Wasser des Tamrabarani kochen. Und in der Tat, nun tauchte ein Deity von Nammāḻvār auf.

Der Deity des Āchāryas der Zukunft wurde weiter gegeben und verehrt bis – viele Jahrhunderte später – dieser Āchārya identifiziert wurde. Es war der damals noch sehr junge Rāmānuja.

Man kann beide Deities noch heute am Tempel von Alwar Tirunagari, der am Geburtort von Nammāḻvār steht, an großen Festen sehen. Hier sind Fotos:

Deity des zukünftigen Āchāryas
Deity von Nammāḻvār

Quellen & Weiterführendes

Illustrationen: RVS / Lifcobooks via Twitter
Fotos der Deities, Teile der Geschichte: Suparnidevi’s blog
Nammāḻvār & Madhurakaviāḻvār in einfachen (englischen) Worten: koyil.org beginner’s guide
Details zu Madhurakaviāḻvār: koyil.org guruparampari
Details zu Nammāḻvār : koyil.org guruparampari

Adiyēn Mādhava Rāmānuja Dāsan