Sterben und Karma verstehen

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Ab und zu bietet sich die Gelegenheit, einigen unserer Mitbürger hier in Deutschland ein paar Grundzüge des Sanātana Dharma (Hinduismus) zu erklären. Dabei tauchen immer wieder zwei Fragen auf:


Wenn Du Hindu bist, glaubst Du dann wenn jemand etwas furchtbares passiert, dass es seine eigene Schuld ist? Dass er in seinem letzten Leben schlimme Dinge getan hat und dafür jetzt bestraft wird?


Wenn Du Hindu bist, glaubst Du dann, dass mein Haustier als Tier geboren wurde, weil es in seinem letzten Leben schlimme Sachen gemacht hat?


Zuweilen erzählen die Leute sogar von Dokumentationen aus Indien / Nepal, in denen gezeigt wird, wie behinderte Menschen beleidigt und mit Steinen beworfen werden, weil ihre Mitbürger glauben, dass sie in ihrem letzten Leben bösen Menschen gewesen sind.

Wir erklären dann, was wir selbst von Lehrern und Āchāryas gelernt haben: Dass die Idee, dass es eine einfache, geradezu mechanische Verbindung zwischen den Handlungen des Vorlebens und dem gibt, was in diesem Leben passiert, ist falsch. Es ist zwar in der Tat so, dass alle Wesen die Früchte ihrer früheren Handlungen erfahren, aber wie diese Früchte erscheinen, ist für uns kaum verständlich. Dies wird in Bhagavad Gīta 4:17 bestätigt. Bhagavad Gīta bedeutet Gesang Gottes, die Bhagavad Gīta ist ein Gespräch zwischen Gott, inkarniert als Kṛṣṇa, und seinem Freund Arjuna. Kṛṣṇa beendet den Vers mit folgender Feststellung:

gahanā karmaṇo gatiḥ
Rätselhaft sind die Wege des Karmas

Unsere Āchāryas betonen, dass unsere innerste Essenz, unser Jīva, schon immer existiert hat und immer existieren wird. Es wandert von einem Körper zum nächsten und produziert dabei komplexe Wechselwirkungen zwischen diesen Leben. Aber welche Stellen der maßgeblichen Schriften sagen das klar und deutlich? Und wie kann man das in einer knappen, intuitiven Erklärung zusammen fassen? Einige Dinge kann man in Bhagavad Gīta 2:12 und 2:13 finden. In diesen Versen erklärt Kṛṣṇa die Natur des Jīvas und seine Reise durch die verschiedenen Körper. In Bhagavad Gīta 4:19 und nachfolgenden Versen erklärt Kṛṣṇa, wie man Karma überwinden kann. Was wir nicht in der Gīta finden, ist eine klare und kompakte Erklärung, wie Karma zu Stande kommt und funktioniert.

Wir finden eine solche Erklärung in der Bṛihad-Āraṇyaka Upanishad. In den ersten sechs Versen im vierten Brāmana des vierten Adhyāya dieser Upanishade (also Abschnitt 4.4.1 to 4.4.6 in moderner Zählweise) finden wir eine kompakte Beschreibung des Sterbevorgangs, der Natur unseres Jīvas und der Natur von Karma. Der Autor hat durch eine Antwort auf Quora von Rami Sivan, einem sehr kundigen aber auch recht kontroversen Śrī Vaiṣṇava mit westlichen Wurzeln, von dieser Stelle der Upanishade erfahren.

Der Text ist bemerkenswert klar und leicht zu lesen – zumindest für eine Upanishade. Hier ist die deutsche Übersetzung der englischen Übersetzung von Ernest Hume (1921), verfügbar auf archive.org, verfeinert mit einigen Aspekten von Rami Sivans Übersetzung auf Quora und einigen Aspekten von Swami Krishnanandas Übersetzung und demoriginalen Sanskrit Text:

Übersetzung

  1. Wenn das verkörperte Selbst schwach wird und der Geist verwirrt wird, sammelt das Jīva die Prāṇās um sich. Es nimmt die Prāṇās und steigt herunter zum Herzen. Wenn die Person im Auge (Bewusstsein, die wichtigste Eigenschaft des Jīva) sich von der Sonne abwendet, verliert man die Erkenntis von Formen.
  2. „Er wird eins mit der Mitte“, sagen sie; „er sieht nicht.“
    „Er wird eins mit der Mitte“, sagen sie; „er riecht nichts.“
    „Er wird eins mit der Mitte“, sagen sie; „er schmeckt nichts.“
    „Er wird eins mit der Mitte“, sagen sie; „er spricht nicht.“
    „Er wird eins mit der Mitte“, sagen sie; „er hört nicht.“
    „Er wird eins mit der Mitte“, sagen sie; „er denkt nicht.“
    „Er wird eins mit der Mitte“, sagen sie; „er spürt nicht.“
    „Er wird eins mit der Mitte“, sagen sie; „er erkennt nicht.“
  3. Wie eine Raupe, die das Ende des Grashalms erreicht, sich zusammen zieht, um einen Sprung zum nächsten zu machen, genau so zieht das Jīva alles zusammen und springt zum nächsten Körper.
  4. Wie ein Goldschmied, der Gold nimmt und es in eine neue und schönere Form bringt, so nimmt das Jīva eine neue und schönere Form an, wie die der Väter, der Gandharvas, der Devas, der von Prajapati, oder Brahmā oder anderer Wesen, in dem es diesen Körper und seine Beschränkungen zurück lässt.
  5. Wahrlich, dieses Jīva ist Brahman, gemacht aus Wissen, aus Gemüt, aus Atem, aus Hören, aus Erde, aus Wasser, aus Wind, aus Raum, aus Energie und dem Fehlen von Energie, aus Verlangen und dem Fehlen von Verlangen, aus Wut und dem Fehlen von Wut, aus Tugendhaftigkeit und dem Fehlen von Tugendhaftigkeit. Es ist aus allem. Das ist mit der Aussage „Gemacht aus diesem, gemacht aus jenem“ gemeint.
  6. Dazu gibt es auch den Vers:

    Angehaftet an Sinnesobjekte, verlangend nach Sinnesobjekten,
    legt das Jīva seinen Körper ab.

    Doch im Gemüt (also im subtilen Körper, der den Tod überdauert)
    trägt es die Früchte seiner Handlungen
    .
    Diese Früchte müssen im Gemüt erfahren werden. Was auch immer hier getan wurde, dessen Wirkungen müssen dort erfahren werden.
    Daher kommt es zurück auf diese Welt, um erneut zu handeln.


    Dies ist das Schicksal dessen, der verlangt.

Anmerkungen

Der erste Vers beschreibt den Todesvorgang aus einer vedischen Perspektive. Da die Lebensenergie, Prāṇā genannt, von den Gliedmaßen zum Zentrum des Körpers, dem Herzchakra, gezogen wird, beginnt eine sterbende Person sich kalt anzufühlen. Wir können in ihren Augen sehen, ob sie noch lebt oder ob ihre Reise schon begonnen hat. Der zweite Vers gibt uns die Reihenfolge, in der die Sinne eines Sterbenden typischerweise nachlassen. Menschen, die andere beim Sterben begleitet haben, erzählen oft, dass Berührungen wie das Halten der Hand das letzte ist, zu was der Sterbende noch in der Lage ist.

Der dritte Vers gibt uns einen sehr griffigen Vergleich: Der Körper ist wie ein Grashalm und unsere Essenz, unser Jīva, ist wie eine Raupe, die auf diesem Grashalm krabbelt und zum nächsten Halm will. Um zum nächsten Halm zu kommen, zieht sie sich zunächst zusammen:

Quelle: Wikipedia

Genauso zieht das Jīva seine Hüllen, die ihm in den nächsten Körper folgen, zusammen, und geht dann zu einem neuen Körper. Hierbei muss man sich jedoch klar machen, dass diese Bewegung letzten Endes nicht auf die Kraft des Jīvas zurück geht. Sie wird ermöglicht durch Brahman, die All-heit, Gott. In Bhagavad Gīta 9:6 erläutert Kṛṣṇa, dass er der Urgrund aller Aspekte der Realität ist, nichts ist, das nicht in ihm ist und von ihm durchdrungen wird. Das Jīva zieht sich also in der Tat zusammen und reist zum nächsten Körper, aber dies ist keine unabhängige Handlung, sie wird von Brahman ermöglicht und begleitet.

Im vierten Vers wird festgestellt, dass der neue Körper besser als der alte, sterbende Körper sein wird. Das Jīva kann einen neuen menschlichen Körper bekommen, nachdem es für eine Weile im Reich der Vorväter (Pitru Loka) geweilt hat, den Köper eines Devas oder auch den Körper anderer Wesen.

Der fünfte Vers enthält eine bemerkenswerte Aufzählung. Im Gegensatz zu vielen anderen Aufzählungen in vedischen Texten ist die Aufzählung hier unvollständig. Zum Beispiel fehlen bei den Sinnen der Tastsinn und der Geschmackssinn. Bei den Elementen fehlt das Feuer. Der Autor ist nicht qualifziert, diese Besonderheit autoritativ zu erklären. Es mag aber angemerkt sein, dass diese Sinne das Feuer des Verlangens am stärksten schüren. Wut und Verlangen sind die Wurzeln unseres Fallens in die düstersten Regionen der materiellen Welt und ihre Überwindung ist das Tor zu unserem Aufstieg. Dies erläutert z.B. Kṛṣṇa in Bhagavad Gīta 2:62ff.

Die Aufzählung betont, dass das Jīva Brahman ist, die All-heit, alle Sinne, alle Elemente und das ganze Spektrum an möglichen Gefühlen. Aussagen wie diese und scheinbar widersprüchliche Aussagen anderer Upanishaden haben zu langen Debatten unter vedischen Philosophen geführt. Wir haben in „Unsere Philosophie“ die Śrī Vaiṣṇava Philosophie erläutert, die Vishishtadvaita genannt wird und perfekt in der Lage ist, die scheinbaren Widersprüche zwischen den Upanishaden aufzulösen. Vishishtadvaita lehrt, dass das Jīva in dem Sinne Brahman ist, in dem wir eine Person „Joe“ nennen. Eigentlich sind weder der Finger noch der Fuß noch die Nase Joe, Joe ist das bewusste Wesen, was in Joes Körper wohnt. Auf die selbe Weise, hebt Rāmānuja hervor, ist Brahman die innerste Essenz des Jīva, das Āthmā des Jīva. Es ist daher legitim, das Jīva Brahman zu nennen – auch wenn das Jīva nicht identisch mit Brahman ist.

Der 6. Vers gibt uns schließlich den Grund, warum unser Jīva immer wieder in die Welt zurückkehrt. Da im vorigen Vers festgestellt wurde, dass das Jīva Brahman ist, stellt sich ja die Frage, warum es denn überhaupt zurück kehren muss, warum es von Körper zu Körper reist wie eine Raupe von Grashalm zu Grashalm. Ist seine Essenz nicht Brahman, die All-heit, das Absolute, Gott? Warum leiden wir dann hier?

Der Vers lehrt uns, dass das Problem Anhaftung ist. Das Jīva ist an Sinneserfahrungen angehaftet und handelt aus dieser Motivation. Handlung ist daher eine Art Sucht, das Jīva kann seine Anhaftung an Sinneserfahrungen nicht überwinden und damit auch nicht an den Handlungen, die die Sinneserfahrungen erzeugen können. Das Sanskrit Wort Karma bedeutet einfach Handlung, Arbeit.

Dies zeigt, dass Karma nicht – wie so oft missverstanden – ein Instrument zur Bestraftung ist. Es ist zunächst einmal nur ein Ansatz, eine Haltung, der eigenen Existenz gegenüber: Man handelt, um zu genießen. Die Pflanze wächst in Richtung der Sonne, das Reh sucht nach den schmackhaftesten Kräutern, der Mensch sucht nach dem „guten Leben“ aus Barbecue, Bier und Binge Watching, der Deva sucht Ruhm und nach Verehrung durch niedere Wesen. Einige dieser Handlungen haben guten Wirkungen, andere schlechte. Das Kriterium für die Art der Wirkung ist, ob andere Wesen durch die Handlungen Wohlergehen oder Leid erfahren. Erfahren sie Leid, wird dieses Leid in irgendeiner From wieder zu uns zurück kommen. In Patanjalis Yoga Sutras lesen wir:

Sutra 3:23
Die karmischen Effekte können sofort oder verspätet eintreten. (…)

Eine kompakte Antwort auf die Frage wäre also

Karma ist kein Instrument zur Bestraftung, es ist ein Nebeneffekt von Handlungen und wird oft unbewusst produziert. Seine Wirkungen können verzögert eintreten. Man erlebt zwar schlimme Dinge aufgrund eigener schlimmer Handlungen, aber diese Handlungen können lange zurück liegen.
Spiegelbildlich bedeutet die Erfahrung schöner Dinge nicht, dass wir nicht auch schlechtes Karma haben. Dieses Karma manifestiert sich nur gerade nicht.

Adiyēn Mādhava Rāmānuja Dāsan

Understanding Death and Karma

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Whenever there is a chance, Mādhava is explaining essentials of Sanātana Dharma to his fellow Germans. Often, people respond by asking a variant of one of the following two questions:


As a Hindu, do you really believe that if something bad happens to a person, it is because he was evil in his previous life? Are you really so mean to think that it is his own fault?


As a Hindu, do you really believe that my pet was born as an animal because it has done bad things in its previous life?


Sometimes, people even quote documentaries from India or Nepal, where disabled people were insulted and thrown after with stones because their fellow citizens thought that they were bad persons in their previous life.

Mādhava then usually explains what he learned from Upanyasakars (religions speakers) and Āchāryas: That the idea of a simple mechanical link, of the kind: „killed father, will be blind with one leg in next life“ is false. It is true that all beings ultimately experience the fruits of their own actions, but the manifestation of these fruits is not straight forward. This is confirmed by Kṛṣṇa in Bhagavad Gīta 4:17, where he ends the verse with

gahanā karmaṇo gatiḥ
Intricate is the the way of Karma.

Our Āchāryas emphasize that our innermost essence, our Jīva, has no beginning and no end. It is moving from one body to the next, producing complex interactions between lifes along the way. But what are authoritative statements which back this? And how to put all of this into a crisp explanation? Some references can be found in Bhagavad Gīta 2:12 and 2:13, where Kṛṣṇa briefly explains the way of the Jīva. In Bhagavad Gīta 4:19 and following verses, Kṛṣṇa explains how to get rid of Karma. What we do not find in the Gīta is a concise description of the workings of Karma.

Such a description is available in the Bṛihad-Āraṇyaka Upanishad. The fourth Brāmana of the fourth Adhyāya (verse 4.4.1 to 4.4.6 in modern technical counting) contain a concise description of the process of death, the nature of the self (Jīva) and of the workings of karma. The author learned about this section of the Upanishad in a recent answer on Quora by Rami Sivan, a very knowledgable but also somewhat controversal Śrī Vaiṣṇava with Western roots.

This part of the Upanishad is remarkably clear and easy to read. Here is the translation from „The Thirteen Principal Upanishads“ by Ernest Hume (1921), available at archive.org, refined with aspects of Rami Sivan’s translation from Quora, of Swami Krishnanadas Translation and the original Sanskrit text.

Translation

  1. When this embodied self (Jīva) comes to weakness and to confusedness of mind, as it were, then the prāṇās gather around him. He takes the prāṇā and descends into the heart. When the person in the eye (consciousness, main attribute of the Jīva) turns away from the sun, then one becomes non-knowing of forms.
  2. „He is becoming one with the centre,“ they say ; „he does not see.“
    „He is becoming one with the centre,“ they say ; „he does not smell.“
    „He is becoming one with the centre,“ they say ; „he does not taste.“
    „He is becoming one with the centre,“ they say ; „he does not speak.“
    „He is becoming one with the centre,“ they say ; „he does not hear.“
    „He is becoming one with the centre,“ they say ; “ he does not think.“
    „He is becoming one with the centre,“ they say ; “ he does not touch.“
    „He is becoming one with the centre“, they say ; “ he does not know.“
  3. Now as a caterpillar, when it has come to the end of a blade of grass, in taking the next step draws itself together towards it, just so this Jīva in taking the next step strikes down this body, dispels its ignorance and draws itself together.
  4. As a goldsmith, taking a piece of gold, reduces it to another newer and more beautiful form, just so this Jīva, striking down this body and dispelling its ignorance, makes for itself another newer and more beautiful form like that either of the fathers, or of the Gandharvas, or of the Devas, or of Prajapati, or of Brahma, or of other beings.
  5. Verily, this Jīva is Brahman, made of knowledge, of mind, of breath, of seeing, of hearing, of earth, of water, of wind, of space, of energy and of non- energy, of desire and of non- desire, of anger and of non-anger, of virtuousness and of non- virtuousness. It is made of everything. This is what is meant by the saying „made of this, made of that.“
  6. On this point there is this verse :

    Attached to the sense objects, longing for sense objects,
    the Jīva sheds the body, but it carries with it result of its actions.
    Attached, the Jīva leaves this body, and goes together with its actions.
    Those actions find their completion through experience.
    Then it happens again, it comes to the world for more actions.


    This is the fate of one who desires.

Remarks

The first verses give us a description of the death process from a Vedic perspective. As life-energy, which is called prāṇā, is moved from the limbs to the center of the body, the heart chakra, the dying person begins to feel cold. We can see from the look of someone’s eyes whether he is still alive or if he is already dead and his travel has begun. The second verse emphasizes this by enumerating the different senses which stop working as they are drawn inwards with the prāṇā. People who were accompanying a dying person report that touch, the holding of a hand, is the last thing the dying person was able to do.

The third verse gives us a straight-forward comparison: the body is like a blade of gras and the Jīva is like a worm who stays on that blade of gras for a while and then moves to the next. In order to do so, it has to contract:

Source: Wikipedia

In the same way, the Jīva contracts those layers that follow it and then goes to the next body. However, we must not forget that these movements are ultimately not due to the inherent power of the Jīva. They are enabled by Brahman, the totality, God. In Bhagavad Gīta 9:6, Kṛṣṇa points out that he is the ultimate support of each and every aspect of reality. So while the Jīva does indeed contract and move, this is not an independed action, it is framed and enabled by Brahman.

In the fourth verse, it is emphasized that the new body will be better than the dying one. The Jīva can gain a fresh human body, after staying for a while in the realm of the forefathers (Pitru Loka), it can gain the body of a Deva or a body of any other being.

The fifth verse contains remarkable enumeration. In contrast to a large number of comparable enumerations in Vedic texts, the enumeration here is incomplete. For example, amongst the senses, taste and touch are missing. Among the elements, fire is missing. The author is not in the position to explain why this is the case – but we note that the senses of taste and touch produce the strongest desire, and the energy within the element of fire is the most obvious. Anger and desire are the very roots of our downfall and the door to our way up, as pointed out in Bhagavad Gīta 2:62ff.

The enumeration emphasizes that Jīva is Brahman, is the totality, it is all senses, all elements and the whole spectrum of possible moods. Statements like this and seemingly contradictory statements from other Upanishads have led to endless debates between Vedic philosophers. We outlined in our article on Śrī Vaiṣṇava philosophy that our tradition’s philosophy, Vishishtadvaita, perfectly resolves these apparent contradictions. Vishishtadvaita teaches us that Jīva is Brahman in the sense we call a person „Joe“ while in actuality, neither the fingers nor the hair nor the legs are Joe, Joe is the conscious being that inhabits the body of Joe. In the same way, Rāmānuja points out, is Brahman is the innermost essence of the Jīva, the Āthmā of the Jīva. Hence it is legitimate to call Jīva Brahman.

The 6th verse gives us the reason why we return at all to this world. Having stated before that the Jīva is Brahman, one could ask why Jīvas return to this world at all, why it moves from body to body like a worm between blades of gras. Isn’t its essence Brahman, the totality, the ultimate, God? Why is it so miserable then?

The verse points out that the problem is attachment. The Jīva has been attached to sense objects and acted due to that. Thus action is like an addiction, the Jīva can’t let go of its attachment to sense objects and, by extension, the actions initiated by this. The sanskrit word Karma simply means action, work, in a very practical sense.

This shows that Karma is by no means a trivial mechanism for punishment. It is the continuation of a basic approach to existence, which is shared by all beings: they act to enjoy. Be it a plant that grows in the direction of the sun, be it a deer that looks for the most tasty weeds, be it a human looking the „good life“ of barbeque, beer and Netflix binge watching or be it a Deva seeking heavenly maidens and worship by lower beings. Some actions might have good repercussions, others bad ones. The criterion is whethe other beings experience suffering or delight due to the action. Both will return to the Jīva in due time. In Patanjali’s yoga sutras , we read:

Sutra 3:23
The Karmic effects of ones actions are immediate or delayed. (…)

So, a proper answer to the above questions would be:

Karma is not a punishing menchanism, it is a side effect of actions and often produced unknowingly. Its effects can be delayed. A person does indeed experience bad things due to his or her past actions, but these might have been done long ago.
Likewise, a person that does not experience bad things right now should not assume that it does not have suffient bad karma – this karma is just not manifesting itsself now.

Adiyēn Mādhava Rāmānuja Dāsan

Tamiḻ Transliteration

Eine deutsche Erläuterung befindet sich weiter unten!

ENG: In the previous version of this article, we stated that there is no established standard for transliterating some „typical“ Tamil letters – i.e. letters that have no equivalent in Sanskrit. One of our readers, Keshavachari Ramanuja Dasan, pointed out that this is not entirely correct. There is ISO 15919, which standarizes the transliteration of all common Indian scripts.

We decided to apply this standard on our site, even though our mother site koyil.org does not use it. This is because we find it less confusing for newcomers than the „vernacular“ transliteration used by many native speakers. They use for example „zh“, to represent the letter ழ, which sounds like „l“ but with a good pinch of „r“ mixed in. The „l“ in „Tamil“ is for example actually ழ – so natives often write „Tamizh“ which is obviously rather confusing for people without contact to Tamil speakers.

Below we give a reference table with Tamil letters, the way they are transliterated into the Roman alphabet at koyil.org and at koyil.de / according to ISO 151919.


DEU: In der ersten Version dieses Artikels haben wir festgestellt, dass es keinen etablierten Standard zur Transliteration von einigen typisch tamilischen Buchstaben gibt – also für Buchstaben, die es im Sanskrit nicht gibt. Einer unserer Leser, Keshavachari Ramanuja Dasan, hat darauf hingewiesen, dass das so nicht ganz korrekt ist. Es gibt die Norm ISO 151919, die die Transliteration aller in Indien gebräuchlicher Alphabete festlegt.

Wir haben uns entschieden, diese Transliteration zu verwenden, obwohl unsere Mutterseite koyil.org das nicht tut. Wir machen es, da die Transliteration, die viele Muttersprachler verwenden, für Einsteiger ausgesprochen verwirrend ist. So wird beispielsweise „zh“ verwendet, um ழ zu transliterieren. ழ klingt wie „l“, aber mit Anklängen von „r“. Das „l“ in „Tamil“ ist beispielsweise eigentlich ein ழ, viele Muttersprachler schreiben daher „Tamizh“, was für uns natürlich recht verwirrend ist.

Unten befindet sich eine Referenztabelle mit der koyil.org und der koyil.de / ISO 151919 Transliteration für Konsonanten.

Tamilkoyil.orgkoyil.de / ISO 151919
aa
Aā
ii
Iī
uu
Uū
ee
Eē
aiai
oo
Oō
auau
ll
ka, gaka, ga
nja (?)ṅa
chacha
gna (?)ña
Ta, thaṭa
Naṇa
tata
ன, நnana
papa
mama
Raṟa
zhaḻa
Laḷa
lala
rara
yaya
vava

Das wundersame Erscheinen von zwei Bildgestalten

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Kontext & Vorgeschichte

Wir haben in diesem Einführungsartikel schon beschrieben, dass die Verehrung von Bildgestalten (Deities) für uns Śrī Vaiṣṇavas eine besondere Rolle spielt. Sie sind für uns Portale zu Gott, zu Śrīman Nārāyana. In diesem Artikel möchten wir die Geschichte von zwei Deities erzählen, die bis heute in Alwar Tirunagari verehrt werden. Dies sind Deities von Nammāḻvār von Rāmānuja, die zu Madhurakaviāḻvār kamen.

Wir haben Rāmānuja in diesem Artikel bereits vorgestellt. Nammāḻvār ist einer der Āḻvārs, die wir hier bereits allgemein vorgestellt haben. „Namm“ ist tamilisch und bedeutet „unser“. Nammāḻvār bedeutet also „unser Āḻvār“ – denn Nammāḻvār ist der bedeutendste unter den Āḻvārs. Wir werden sein Leben und sein Werk noch in einem speziellen Artikel behandeln – hier nur ein kurzer Umriss: Nammāḻvār lebte die ersten Jahre seines Lebens in einem Baum, versunken Meditation. Aus dieser wurde er von Madhurakaviāḻvār geweckt und unterrichtete seit diesem Zeitpunkt Madhurakaviāḻvār als seinen Schüler. Madhurakaviāḻvār hörte von Nammāḻvār auch dessen Hauptwerk, die etwa 1000 Verse des Thiruvaimoḻi. Diese enthalten das selbe Wissen wie die Veden, aber in einer einfacheren Form und die einer Sprache, die alle Menschen seiner Region verstehen konnten (tamilisch). Jeder Mensch darf das Thiruvaimoḻi lernen und rezitieren, es unterliegt – im Gegensatz zu den Veden – keinerlei Restriktionen.

Nammāḻvārs Hingabe an Gott war nun aber so groß, dass er – auch wenn er immer wieder außerordendliche göttliche Visionen hatte und seine Hingabe alle Grenzen sprengte – sehr litt, sobald er für einen Augenblick Gott nicht wahrnehmen konnte. Er beschloß daher, diese Welt mit nur 32 Jahren wieder zu verlassen.

Madhurakaviāḻvār war zum Zeitpunkt des ersten Treffens mit Nammāḻvār deutlich älter als Nammāḻvār. Er überlebte Nammāḻvār und seine Nachkommen (manche sagen auch, Madhurakaviāḻvār selbst, da er als fähiger Yogi eine sehr lange Lebensspanne hatte) konnten unseren Āchāryas den Weg zum Thiruvaimoḻi und den Werken der anderen Āḻvārs öffnen.

Die Geschichte der Deities

Als Nammāḻvār nun immer trauriger wurde und sich danach sehnte, diese Erde zu verlassen und in das Reich Śrīman Nārāyanas, das Paramapadam oder Vaikuntha genannt wird, zu gehen, war Madhurakaviāḻvār von großer Sorge erfüllt. Er war Nammāḻvār genau so hingegeben wie Nammāḻvār Śrīman Nārāyana hingegeben war. Wenn Nammāḻvār seinen Körper verließ und nach Paramapadam ging, wie sollte er ihm weiterhin nahe sein? Er bat daher Nammāḻvār, ihm eine Bildgestalt, eine Deity (Sankrit: Vigraham) von sich zu geben, die er und nachfolgende Menschen verehren können. Die folgenden Illustrationen der Geschichte stammen von hier.

Nammāḻvār wies ihn an, Wasser aus dem Fluss Thamirabarani, der in der Nähe des Ortes war, an dem Nammāḻvār lehrte, zu kochen, aus diesem würde ein Deity entstehen. Dies tat Madhurakaviāḻvār.

Doch zu seinem großen Erstauenen tauchte aus dem Wasser nicht ein Deity von Nammāḻvār auf, sondern die Bildgestalt einer Person mit einer Flagge, wie Āchāryas sie tragen.

Allerdings zeigte er keine typische Handhaltung (Mudra) eines Āchāryas – deren Deities haben typischerweise Mudras der Lehre oder des Wissens. Anstatt dessen zeigt die Deity das Anjali Mudra, was Demut symbolisiert. Madhurakaviāḻvār war sehr verwirrt und fragte Nammāḻvār, was es mit diesem Deity auf sich habe. Nammāḻvār erklärte ihm, dass dies der Bhavishya Āchārya sei, ein zukünftiger Āchārya, dessen Bedeutung seine eigene (Nammāḻvārs) noch weit übersteigen werde.

Um einen Deity von Nammāḻvār zu bekommen, solle Madhurakaviāḻvār einfach noch einmal Wasser des Tamrabarani kochen. Und in der Tat, nun tauchte ein Deity von Nammāḻvār auf.

Der Deity des Āchāryas der Zukunft wurde weiter gegeben und verehrt bis – viele Jahrhunderte später – dieser Āchārya identifiziert wurde. Es war der damals noch sehr junge Rāmānuja.

Man kann beide Deities noch heute am Tempel von Alwar Tirunagari, der am Geburtort von Nammāḻvār steht, an großen Festen sehen. Hier sind Fotos:

Deity des zukünftigen Āchāryas
Deity von Nammāḻvār

Quellen & Weiterführendes

Illustrationen: RVS / Lifcobooks via Twitter
Fotos der Deities, Teile der Geschichte: Suparnidevi’s blog
Nammāḻvār & Madhurakaviāḻvār in einfachen (englischen) Worten: koyil.org beginner’s guide
Details zu Madhurakaviāḻvār: koyil.org guruparampari
Details zu Nammāḻvār : koyil.org guruparampari

Adiyēn Mādhava Rāmānuja Dāsan



Verbindungen durch Raum und Zeit

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Was denken Sie beim Wort Heiden? Als ich noch ein Kind war und in einer konservativ-katholischen Familie am Rande des Sauerlandes aufwuchs, dachte ich, dass Heiden in erster Linie nackt um goldene Figuren tanzen, die sie für Gott halten.

Erst viel später habe ich realisiert, dass dieses Bild uralte christliche Propaganda ist. Da war ich selbst schon Heide. Für mich heißt „Heide“ heute einfach: religiös, aber nicht in einer der drei Religionen des vorderen Orients. Ich bin nämlich Hindu. Wie es dazu kam ist eine längere Geschichte, die hier nicht von Belang ist.

Als ehemaliger Katholik fiel mir jedenfalls nach einger Zeit auf, dass vieles, was ich als Hindu kennen lernte, gar nicht wirklich neu für mich ist – ich kannte es in ähnlicher Form schon aus dem Katholizismus.

In diesem Artikel möchte ich viele solcher Parallelen zwischen Praktiken im Katholizismus und Hinduismus aufzeigen. Diese Parallelen sind, und dazu gleich mehr, für mich ein indirekter Hinweis darauf, dass die alten Religionen Mitteleuropas, aus denen die katholischen Praktiken höchstwahrscheinlich stammen, und die vedische Religion Indiens, deren moderne Form der Hinduisumus ist, eng verwandt sind.

Solche Parallelen zu analysieren ist dabei bei Leibe keine akademische Übung aus Freude am reinen Erkenntnisgewinn. Nein, Hindus mit westlichen Wurzeln wie mir hilft eine solche Analyse, die vielen kleinen Konflikte zwischen einer in einem fernen Land kultivierten Tradition und der Lebenswelt hier zu überbrücken. Für Menschen, die als Neu-Heiden zur Religion unserer Vorfahren zurück kehren wollen, bietet der Blick auf eine lebendige und hochgeradig verfeinerte Form des Heidentums Orientierung und Inspiration. Z.B. gibt es meines Wissens keine zuverlässigen Quellen dazu, wie unsere Vorfahren ihre Götterbilder konkret verehrt haben. Also, welche Opfergaben genutzt wurden, wie sie angeboten wurden, was dazu gesagt oder gesungen wurde usw. In jedem der Hauptzweige des Hinduismus ist dies bis in die feinsten Details ausgearbeitet, hier gibt es also mehr als Genug Vorlagen, an denen man sich orientieren kann.

Doch zurück zum Thema. Wie kamen heidnische Elemente ins Christentum?

Christianisierung

Es mag so manchen überraschen, aber Nord- und Mitteldeutschland sind – gemessen an den Zeitskalen indischer Geschichte – noch nicht besonders lange christlich, und freiwillig sind die Menschen hier auch nicht Christen geworden. Die Christianisierung Deutschlands wurde maßgeblich von Karl dem Großen voran getrieben und ihm war Gewalt als Mittel dazu recht und billig. 

Gewalt und Zwang zum Christsein führten natürlich nicht dazu, dass die Menschen besonders fromm wurden, sondern dazu, dass sie ihren alten Glauben einfach heimlich lebten. Aus diesem Grund, so scheint es, wurden die alten Kultstätten gründlich zerstört und mit Kirchen überbaut, sowie im Laufe der Zeit viele Elemente aus der alten, heidischen Religion in das christliche Brauchtum übernommen.

Die Lutheraner haben diese heidnischen Elemente später als solche identifiziert und entfernt. Im Katholizismus, so wurde die alte Variante des Christentums später genannt, wurden diese Elemente aber bis heute überliefert und sind mir in meiner katholischen Jugend in großer Zahl begegnet. Die Gleichung lautet also

Katholizismus – lutheranisches Christentum = heidnische Elemente, die wir oft auch im Hinduismus finden.

Wenn ich im Folgenden Hinduismus schriebe, mag der Leser Buddhismus immer mit dazu denken. Überraschenderweise ist es nicht allgemein bekannt, dass der Buddhismus eine Abspaltung aus dem Hinduismus ist. Beide waren viele Jahrhunderte nicht einmal streng getrennt – viele Hindus verehrten Buddha als Avatar von Viṣṇu, religiöse Praxis und Symbolik im Buddhismus sind (in einigen Zweigen) kaum von der im Hinduismus zu unterscheiden.

Einstimmung: Echos aus alter Zeit

Vor einigen Monaten bin ich in einem alten katholischen Dorf in Mitteldeutschland spazieren gegangen. Unten sind einige Eindrücke vom Wegesrand, die an das alte Erbe, das in der katholischen Tradition verborgen liegt, erinnern.

Bildstock des heiligen Antonius – Schutzpatron der Reisenden
Bildstock mit dem Erzengel Michael
Alle Kreuze und Bildstöcke stehen unter Bäumen, meist sind es Eichen.
Römische Historiker berichten, dass die Germanen meist unter heiligen Bäumen beteten

Detailliertere Vergleiche

Prozessionen

In katholischen Gegenden gibt es das (heute oft sterbende) Brauchtum von Prozessionen. Hierbei wird eine geweihte Hostie in eine sogenannte Monstranz gesetzt und vom Priester unter einem Baldachin den Prozessionsweg entlang getragen. Normalerweise wird übers Jahr in jede der vier Himmelsrichtungen eine Prozession abgehalten.

Fronleichnahmsprozession, Quelle: Wikipedia

Für Katholiken ist eine geweihte Hostie nicht einfach nur ein Symbol, wie sie es für Lutheraner ist. Nein, sie ist der Leib Christi (theologischer Fachbegriff: Transsubstantiantion). Somit kann man sagen, dass nach katholischer Lehre der Leib Christi den Prozessionsweg entlang getragen wird.

In indischen Tempeln gibt es normalerweise eine bewegliche und eine fest installierte Version der Bildgestalt der jeweiligen Gottheit. Für uns Hindus ist eine solche Bildgestalt eine vollumfängliche Form Gottes (vgl dazu: unsere Praxis). Bei Tempelfesten, sogeannten Utsavams, wird die bewegliche Bildgestalt unter einem großen Schirm um den Tempel getragen.

Prozession um einen südindischen Tempel

Ein Europa begleiten Blaskapellen eine Prozession, in Indien zumeist Trompeten und Trommeln (hier ein Video einer wichtigen Prozession eines großen Tempels).

Sowohl in Indien wie auch in Europa gibt es die Tradition, den Prozessionsweg mit Flaggen, Blumen und anderem zu schmücken.

Heiligendes Wasser

Neben dem Eingang jeder katholischen Kirche gibt es ein Töpfchen mit Weihwasser. Der Gläubige ist aufgefordert, sich beim Betreten der Kirche zur Reinigung damit zu bekreuzigen. In bestimmten Messen sprenkelt der Priester zusätzlich noch Weihwasser über die versammelten Gläubigen.

In der Vorbereitung der Bildgestalten-Vereherung in Hinduismus (Puja) werden alle Gegenstände zur Reinigung mit Wasser besprenkelt. Teil der Verehrung ist i.d.R. ein Bad der Bildgestalten mit Wasser (manchmal auch Milch), was gesammelt und zur Reinigung getrunken wird.

Räucherwerk

Weihrauch bei einer katholischen Messe, Quelle: Wikipedia
Verbrennen von Rächerwerk am Ganges, Quelle: Wikipedia

An wichtigen Feiertagen wird während einer katholischen Messe Weihrauch verbrannt.

Das Abbrennen von Räucherstäbchen oder Weihrauch ist fester Teil einer Puja.

Glocken

Es ist sicherlich bekannt, dass katholische Kirchen Glocken haben, die vor und nach der Messe geläutet werden. Zusätzlich gibt es kleinere Glocken, die zusamen mit den Turmglocken bei der Wandlung, in der die Hostie zum Leib Christi wird, geläutet werden.

Bei Verehrungs-Ritualen im Hinduismus werden ebenfalls an wichtigen Stellen Glocken geläutet, des weiteren haben viele Tempel Glocken, die man beim Betreten läutet und große fest installierte Glocken, die geläutet werden, wenn den Bildgestalten im Tempel Essen geopfert wird.

Türme

Nordeuropäischen Kirchen haben für gewöhnlich alle die selbe grundlegende Strukur: im Westen ist der Eingang, im Osten ist der Altarraum. Hinduistische Tempel haben keine so festgefügte Struktur, es gibt aber eine andere bedeutsame Gemeinsamkeit: Neben dem Eingang ist zumeist auch der Turm einer Kirche im Westen. Hindu-Tempel haben ein sogenanntes Gopuram (Go = glückbringend, Puram = Stadt), ein großes Bauwerk auf dem viele glückbringende Götter (Devas) und Symbole zu sehen sind. Dieses Gopuram ist der höchste Turm eines Tempel und gleichzeitig der Haupteingang.

Gopuram von Śrīraṅgam, Haupttempel unserer Tradition. Quelle: Wikipedia

Himmlische Spezialisten

Meine Großmutter war eine strenggläubige Katholikin. Wenn sie etwas verloren hat, betete sie immer zum Heiligen Antonius (von Padua). Wenn alte Bauern gutes Wetter für die Ernte benötigten, beteten sie zu Johannes und Paulus („Wetterherren“). An alten Brücken in katholischen Gegenden steht zumeist eine Statue des Heiligen Nepumuk, der für Brücken und Fließgewässer zuständig ist. Und das sind nur einige der vielen „himmlischen Spezialisten“, zu denen Katholiken früher gebetet haben.

Nepumuk Statue an einer Brücke. Quelle: Wikipedia

Wenn ich das Hindus aus Indien erzähle, führt das i.d.R. zu ungläubigem Staunen. Manche Leute behaupten ja, dass Hindus Polytheisten sind, weil sie zu vielen Göttern beten. Es gibt aber eine Art himmlicher Hierarchie – denn all diese Götter sind Devas – metaphyische Wesen, die für bestimmte Bereiche der Realität (wie z.B. Fließgewässer) zuständig sind, aber – je nach Unterströmung – Attribute / Aspekte / Modifikationen / Untergebene der höchsten Gottheit (Śrīman Nārāyaṇa) sind. Es gibt ein Deva für den Wind, ein Deva für das Feuer usw. Ganz so, wie die katholischen Heiligen für bestimmte Dinge zuständig sind!

Es mag Zufall sein, aber bei Nepumuk gibt es sogar eine Namensähnlichkeit zur Göttin der Flüsse und der Fruchtbarkeit, die er ersetzt hat: diese hieß Nerpus.

Die Muttergöttin

Wir Śrī Vaiṣṇavas verehren die göttliche Mutter Mahalakṣmī, die untrennbar mit dem Höchsten, Nārāyaṇa verbunden ist. Aus diesem Grund nennen wir ihn stets Śrīman Nārāyaṇa. Śrīman steht dabei für Mahalakṣmī. Sie ist die liebevolle Mittlerin (Mediatrix) zwischen ihm und den unzähligen bewussten Einheiten (Jīvāthmās, grob: Seelen).

Die Anhänger der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam rühmen sich ja bekanntlich damit, den Monotheismus etabliert zu haben. (Das ist natürlich vollkommener Unsinn, praktisch alle Hindus sind auch Monotheisten). Katholische Christen haben, wie bereits erwähnt, eine besondere Beziehung zu Heiligen. Unter ihnen wird die Gottesmutter Maria besonders geehrt, alleine in Deutschland gibt es 11 Wallfahrtsorte, an denen besondere Marienwunder geschehen sein sollen. In großen Kirchen gibt es oft besondere Marienaltäre, es gibt auch spezielle Marienkirchen, in denen der Fokus nahezu ausschließlich auf Maria gerichtet ist.

Marienaltar im Augsburger Dom

Nicht nur wir Hindus, auch die Lutheraner empfinden die Marienverehrung als kaschierte Verehrung der Muttergöttin. Weitere Evidenz, dass die Marienverehrung in der Tat die Verehrung der Muttergöttin ersetzt hat, lässt sich an der Rolle von Maria im Katholizismus finden. Hier die zweite Strophe des Ave Maria, dem wichtigsten Mariengebet, auf Latein – der Sprache, in der die alten Gebete ursprünglich verfasst wurden:

Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.

Interessant ist hierbei die zweite Zeile: ora pro nobis peccatoribus. „Ora“ (das Verb ist orare) heißt sprechen oder beten. „pro“ bedeutet für und „nobis peccatoribus“ bedeutet „uns Sünder“

Die Katholiken bitte also Maria, für sie zu sprechen / zu beten. Auch wenn Maria als Mediatrix natürlich in den theologischen Lehrbüchern nicht zu finden sein wird, legt „ora“ dem Gläubigen doch nahe, seinen Glauben in die göttliche Mutter als Mediatrix in Maria hinein zu projezieren.

Fazit

Wir haben somit vielen Parallenen zwischen „typisch katholischen“ Praktiken und Praktiken aus dem Hinduismus gesehen. Nimmt man lokale Traditionen und Gebräuche mit ins Bild, ließen sich wahrscheinlich noch dutzende weitere finden. Die Anzahl der Gemeinsamkeiten und die versteckte Gegenwart zweier sehr bedeutender Elemente des Hinduismus (Anrufung von Devas für bestimmte Aufgaben und Verehrung der göttlichen Mutter bzw Muttergöttin) im Katholizismus schließen aus meiner Sicht den Zufall als Grund für die Ähnlichkeiten aus.

Auch wenn der Grund dafür, dass diese Elemente noch sichtbar sind, sehr traurig ist (der geringe Erfolg der gewaltsamen Christianisierung), sind sie doch ein klarer Nachweis dafür, dass die Religion unserer Vorfahren in der vorchristlichen Zeit ein Verwandter der Religion ist, deren heutige Form als Hinduismus bekannt ist. Aus meiner Sicht hat der so erbrachte Nachweis auch deutlich mehr Gewicht als Ableitungen aus den Bemerkungen römischer und griechischer Historiker, da er nicht auf der Bebachtung Einzelner, sondern auf einer Analyse tausendfach ausgeübter religöser Praxis beruht.

Wenn wir aus dem Westen uns also dem Hinduismus, den wir Hindus Sanātana Dharma, die ewigen natürliche Ordnung nennen, zuwenden, so ist dies auch eine Zuwendung zu unseren eigenen Wurzeln. Die spirituelle Kultur Indiens ist, trotz diverser Veränderungen und Verwerfungen, Teil eine Kontinuums, das mindestens bis in die Bronzezeit zurück geht. Unsere Wurzeln in den Tiefen der Zeit sind vor 1100-1200 Jahren gewaltsam durchtrennt worden. Die Enge des mittelalterlichen Christentums und dessen Antithese, die Neuzeit mit all ihren Segungen und Irrungen, haben uns zusammen sehr weit von der Welt unserer Vorfahren entfernt. Auch wenn die Weisheit unserer Schamanen, Druiden und Seher wohl für immer verloren ist, hat doch die unendliche Güte des universalen Bewusstseins, das die Wurzel aller Realität ist (Śrīman Nārāyaṇas) eine weiterentwickelte und verfeinerte Form ihrer Weiheit auf dem indischen Subkontinent bewahrt.

Jeder muss natürlich für sich selbst entscheiden, ob er auf seiner Reise zu den eigenen Wurzeln Philosophie und Praktiken aus dem Hinduismus nur als Inspirationsquelle nutzen will oder – wie ich – durch Einweihung in ein bestimmte Lehrer-Schüler Tradition ein „richtiger“ Hindu wird. Auf jeden Fall sollte aber jeder, der hier lebt und nach Wurzeln und tiefer Weisheit sucht, beides, die vielfältigen Spuren der alten Religion unserer Vorfahren und ihren Cousin aus Indien, genau studieren – nur dann haben wir eine realistische Chance, auf dieser Suche erfolgreich sein.

Adiyēn Mādhava Rāmānuja Dāsan
Geschrieben von Mādhava, Diener Rāmānujas


Bücher / Books

Deutsch

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Unsere Mutterseite koyil.org bietet viele englische Bücher sowohl als E-Books (PDF) als auch zu günstigen Preisen im Print an. Wir haben einige dieser Bücher vorrätig, alle anderen können über uns bestellt werden. Die Lieferung kann aber durchaus 2-6 Monate dauern, da wir wegen der hohen Versandkosten aus Indien Lieferungen so gut es geht bündeln bzw Śrī Vaiṣṇavas bei Indienreisen bitten, das entsprechende Buch mitzubringen.

Wir haben begonnen, einige dieser Bücher ins Deutsche zu übersetzen und mit vielfältigen Ergänzungen und Anmerkungen zu versehen, damit sie für Leser ohne Hintergund in indischer Kultur verständlich sind. Ein Buch ist bislang fertig, weitere deutsche Bücher – insbesondere eins zu Rāmānuja – sind mittelfristig (2020/2021) geplant.

Um Bücher zu bestellen, bitte eine Email an uns schicken.

English

Our mother site koyil.org is offering a large number of books in English and Tamil, there are also numerous books available in Telugu and Hindi. Some of the English books are available via this site, we give a list below.

You can order all other books from us, too. However, the shipping of single books from India is not economical, so we would try to bundle orders / ask travelling Śrī Vaiṣṇavas to bring the books with them.

To order books, kindly write us an email.

Verfügbare Bücher / Available Books

[DEU] Die erste Auflage der offiziellen Einführung in die Śrī Vaiṣṇava Tradition auf Deutsch. 109 Seiten, dutzende farbige Abbildungen. Selbstkostenpreis: 7€

Die zweite Auflage wird ein neues Layout bekommen, das zu etwas geringeren Druckkosten führt…

[ENG] The first German introduction to Śrī Vaiṣṇavam.

[DEU] Die englische Version der offiziellen Einführung.

Geschrieben für ein indisches Publikum / Leser mit Vorkenntnissen. Schwarz / weiß, diverse Abbildungen, 72 Seiten.
Selbstkostenpreis 4€

[ENG] The official koyil.org introduction into Śrī Vaiṣṇavam. Written for an Indian audience / an audicence with some previous knowledge. Black/white, numerous pictures, 72 pages. 4€

[DEU] Lebensbeschreibung und Geschehnisse rund um Rāmānuja, dem wichtigsten Lehrer (Āchārya) unserer Tradition.

Englisch, geschrieben für ein indisches Publikum / Leser mit Vorkenntnissen. Schwarz / weiß, diverse Abbildungen, 51 Seiten.
Selbstkostenpreis 3€

[ENG] The life and glories of Rāmānuja. Written for an Indian audience / an audicence with some previous knowledge. Black/white, numerous pictures, 51 pages. 3€

[DEU] Eine kompakte Übersicht über die Āḻvārs und die wichtigsten unserer Āchāryas.

Englisch, geschrieben für ein indisches Publikum / Leser mit Vorkenntnissen. Schwarz / weiß, diverse Abbildungen, 39 Seiten.
Selbstkostenpreis 3€

[ENG] A compact introduction to the life of our Āḻvārs and the most important of our Āchāryas. Written for an Indian audience / an audicence with some previous knowledge. Black/white, numerous pictures, 39 pages. 3€

[DEU] Lebensbeschreibung und Geschehnisse rund um Manavala Māmnunigal, dem Āchārya, der das heutige Gesicht unserer Tradition maßgeblich geprägt hat.

Englisch, geschrieben für ein indisches Publikum / Leser mit Vorkenntnissen. Schwarz / weiß, diverse Abbildungen, 28 Seiten.
Selbstkostenpreis 2€

[ENG] The life and glories of Manavala Māmnunigal, written for an Indian audience / an audicence with some previous knowledge. Black/white, numerous pictures, 28 pages. 2€

[DEU] Übersicht über Leben und Bedeutung der 10 Āḻvārs.

Englisch, geschrieben für ein indisches Publikum / Leser mit Vorkenntnissen. Schwarz / weiß, diverse Abbildungen, 112 Seiten.
Selbstkostenpreis 5€

[ENG] The life and glories of the 10 Āḻvārs. Written for an Indian audience / an audicence with some previous knowledge. Black/white, numerous pictures, 112 pages. 5€

[DEU] Lebensbeschreibung und Geschehnisse rund um Nammāḻvār, dem bedeutensten unter den Āḻvārs.

Englisch, geschrieben für ein indisches Publikum / Leser mit Vorkenntnissen. Schwarz / weiß, diverse Abbildungen, 28 Seiten.
Selbstkostenpreis 2€

[ENG] The life and glories of Nammāḻvār, written for an Indian audience / an audicence with some previous knowledge. Black/white, numerous pictures, 28 pages. 2€

[DEU] Verse und Vorgehen beim Thiruvārādhanam, der Bildgestalten-Verehrung (Puja) der Śrī Vaiṣṇavas.

Englisch, geschrieben für ein indisches Publikum / Leser mit Vorkenntnissen. Schwarz / weiß, diverse Abbildungen, 52 Seiten.
Selbstkostenpreis 3€

[ENG] A guide to Thiruvārādhanam, the deity worship (Puja) as practised by Śrī Vaiṣṇavas. Written for an Indian audience / an audicence with some previous knowledge. Black/white, numerous pictures, 52 pages. 3€

Einige weitere Bücher liegen in sehr geringen Stückzahlen vor (z.B. die Bhagavad Gītā).

Further books are available (like the Bhagavad Gītā), but we have only a tiny number of copies.

Finding Sanātana Dharma in the West

The problem

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

A problem so many Western converts to Sanātana Dharma (Hinduism) have is that outsiders like parents, relatives and colleagues – and in fact they themselves in dark hours of doubt – view their faith as very exotic for a person from the West.

On the surface, this is understandable. The whole expression of Sanātana Dharma as we find it today is deeply infused by the situation in India – by the plants, the weather, the geography – in every conceivable way. Here are two obvious examples:

  1. In the Bhagavad Gītā, Kṛṣna describes his glories with many comparisons. He says that amongst the months, he is Mārgaḻi (Tamiḻ) Māgaśīra (Sanskrit). This is mid-December to mid-January. For a person living in India, this makes perfect sense. This time has moderate temperatures and many celebrations – it’s the the most auspicious time of the year! A person from Northern Europe or Russia will not see this time as very attractive. It’s very dark, with 5-7 hours of daylight, nothing grows and the sky is usually grey and cloudy.
  2. Viṣṇu and his Avatars are blue as a rain cloud because rain has a very positive, graceful conotation in dry areas like India. Again, for a North European, this is not very intuitive – about half of the year is cold and wet for him anyway, no need for rain clouds!

So, for a person growing up outside of India, fully embracing Sanātana Dharma requires to a certain degree a reframing of the concepts he finds in Sanātana Dharma as lived in India – as he needs to make it fit to his environment.

In this respect, many seekers miss something very very helpful: They are not aware that Sanātana Dharma has already been in the West!

To see this, consider that Northern Germany, the area where the author lives, was christianized with the threat of violence and death around 1100 – 1200 years ago. The oldest settlements here are from the Neolithic period, so for some 10k years, the people living here were „pagans“. It is documented that Christianity initially failed to attract people. They went to church to avoid punishment but still worshiped their old gods in private. To make sure people don’t fully go back to their old pagan ways, many elements of the pagan religion were taken over into Christianity, while at the same time all traces of the „before“ were thoroughly erased.

Why is this important? Because that pagan religion was at least a cousin of Sanātana Dharma as we find it preserved in India today!

The elements imported into Christianity were rightly identified as pagan by the Lutherans. So, we don’t find them in the many branches of Lutheran Christianity, but we still find them in Catholicism – the „old“ variant of the Christian faith. So a simple equation would be

Catholicism – Lutheran Christianity = many elements we still find in Sanātana Dharma.

Distant echoes

A few months ago, the author went for a walk in an old Catholic village in the middle of Germany. Below are some impressions from wayside shrines that reminded him on this old heritage hidden in the Catholic faith.

St. Anthony – protector of travellers
Shrine of an archangel – for protection
Trees always accompany places of outside worship.
The Romans noted that the Germans often worshiped outside under trees.

More Detailed Comparisons

If we look at the minute details of Catholic practises, the link to practises in Sanātana Dharma is becoming ever more obvious:

Processions

In Catholicism, there is the old (and often dying) custom of processions. Usually, all four directions are covered during the year. As visible below, the sacramental bread is carried under a canopy during the procession. Note that in Catholic Christianity, the sacremental bread is considered to be the actual flesh of Christ, not just a symbol as in Lutheran theology. So, the priest is carrying Christ during the procession, accordings to Catholics!

Corpus Christi procession in Germany
Source: Wikipedia

We find a very similar practise in India. There, the movable deity from a temple, a proper form of Bhagavan, is carried under a canopy around the temple.

Procession at a South Indian temple

In India, horns are blown at the procession. In Europe, processions are usually accompanied by brass bands. Both in India and in many Catholic areas, there is the custom to create rich decorations with flowers, drawings and flags where the procession passes by.

Sacred water

Each Catholic church has a pot of „holy water“ close to the entrance. People entering the church are requested to make the gesture of a cross with that water for purification. During some services, the priest is additionally sprinkeling „holy water“ on the assembly for purification.

The sprinkling of water for purification is also well known in Sanātana Dharma. There, it is used to purify the utensils used during worship and to bath deities. This water is collected and consumed for purification.

Use of incents

Burning of Frankincense in a Catholic service in Germany. Source: Wikipedia
Burning incense at the Ganges. Source: Wikipedia

Both in Catholic services and in many rituals in Sanātana Dharma, incense is used.

Bells

It is well known that Christian churches have bells to call believers to the service. At the climax of a Catholic service – the „change“, where the sacred bread becomes the flesh of Christ – small bells are rung within the church as well as the main bells in the church tower

At the most important points of deity worship (Puja) in Sanātana Dharma, a bell is rung, too. When food is presented to the deities, some temples ring large, mounted bells.

Towers

The standard layout of a North European Catholic church is that the main entrance is in the West and the sanctum is the in East. While Indian temples do not generally share this orientation, churches and temples share another feature: The tower of a North European Catholic church is over the main entrance (churches in Italy and Spain sometimes have different layouts). Similarly, the Gopuram of an Indian temple is the highest temple tower and is the main entrance of the temple.

Divine specialists

The author’s grandmother was a devout Catholic. When she lost something, she prayed to St. Anthony in order to find it. When old farmers were seeking good weather for harvest, they prayed to St. John and Paul, saints who were said to be in charge of the weather. Old bridges in Chatholic regions are often accompanied by a figurine of St. Nepumuk, who is reponsible for briges. And there are many more saints who were prayed to for specific topics.

Figurine of St. Nepumuk at a (restored) old bridge in Germany.
Source: Wikipedia

Sounds familiar, right? Indeed, Catholic saints are the functional equivalent to Devas in Sanātana Dharma! In case of St. Nepumuk, even the name reminds on the name of the Godess of fertiliy and rivers he replaced: Nerpus – but maybe that’s just a coincidence.

The mother goddess

We Śrī Vaiṣṇavas worship divine mother Mahalakṣmī, who is inseparable from Nārāyaṇa (hence we always say Śrīman Nārāyaṇa, where Śrīman stands for Mahalakṣmī) and is the mediatrix between him and all conscious entities (Jīvāthmās, approx Souls).

Abhrahamists brag with having invented monotheism (which is complete garbage of course, nearly all people following Sanātana Dharma are monotheists!), but we already mentioned that Catholics have a great reverence for saints. Amongst them Mary, the mother of Christ, is revered and loved the most by many Catholics. There are many dedicated shrines and churches for Mary. Here is one such shrine / altar from south Germany:

Shrine / altar for Mary, Augsburg Dom, Germany. Source: Wikipedia

Not only to us but also to many Lutherans, this worship of Mary seems to be a twisted variant of the worship of the mother goddess. Further proof is found when we look at Mary’s role in Catholicsism. Here is the Latin version of the second verse of „Ave Maria“, the most important prayer to Mary. Note that Latin is the reference language in Catholicism.

Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.

The interesting part is the second part: ora pro nobis peccatoribus. „Ora“ (verb orare) means speak or pray, „pro“ means for, „nobis peccatoribus“ means us sinners.

So Mary is asked to speak, to pray to God for the Catholic! Even though this is of course never stated as theological doctrice (Catholicism is monotheistic, right?), the word „ora“ invites the believer to take his trust into the mother goddess as mediatrix and project it into Mary.

Summing up

We have seen that Catholicism has numerous customs we also find in Sanātana Dharma. As mentioned, the reason for this is rather gruesome: Because people did not take up Christianity, which was forcefully imposed on them, many elements from their old religion were imported into Christianity and yielded what is now known as Catholicism.

The similarities we outlined proof that the „pagan“ religions practised in Europe were indeed relatives of Sanātana Dharma, and in our view the proof has much more force than any information on the pre-Christian era that comes to us via Roman historians.

So, when we from the West take up Sanātana Dharma as preserved on the Indian subcontinent, we should never forget that we are reconnecting with our ancient roots by doing so. While Indian culture is part of a continuum that stretches back many millenia, our roots in the ancient past of our continent were forcefully cut-off by the Christianization 1100-1200 years ago. While the insight of our Druids, Shamans and Wisemen is lost forever, the infinite grace of Śrīman Nārāyaṇa has preserved a highly refined and developed form of what they likely knew as Sanātana Dharma in Bharat, in India.

Thus, while there are indeed many things in Sanātana Dharma as we find it today that are specifically „Indian“, this must not distract us from the fact that below the surface of difference lies the unity of a universal religion practised from Spain to Japan and from Norway to Africa – the enternal natural way, Sanātana Dharma.

So, for a person from, say, Germany, a look at the fragments that come to him from the pre-Christian era is worthwile. Sometimes, he may find something that helps to bridge the gap between the local situation and statements in the texts of Sanātana Dharma.

Example: We noted above that Kṛṣṇa compares himself with the Indian month from mid-December to mid-January. In the pre-Christian era, this time was probably a festval for the godess Holda, who reminds us on our divine mother Mahalakṣmī and – coincidence or not – whose celebration is paralleled by the celebrations of Āṇdāl, avatar of Bhūdevi, which is in turn an avatar Mahalakṣmī, in India. In Europe, people barely went outside at that time because of the Wild Hunt. As the outside world did not fully belong to them during this time, people were staying inside to pray and contemplate.

So, for a pre-Christian European, Kṛṣṇa’s comparison to mid-December to mid-January would actually make a lot of sense! This time is cold and unfriendly on the outside, but very happy and contemplative within the house. Maybe modern day’s Christmas has recycled a bit of this mood.

Adiēn Mādhava Rāmānuja Dāsan