Thirumālai

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Das Thirumālai (திருமாலை) wurde vom Heiligen Thondarippodi Āḻvār verfasst. „Thiru“ (திரு) ist im Tamilischen ein Prefix für etwas Heiliges oder sehr Erhabenes und „mālai“ bedeutet u.a. Girlande. Beides zusammen bedeutet also „heilige Girlande (aus Versen)“. Eine zweite, eher informelle Bedeutung von „mālai“ ist Nārāyaṇa, Gott. Der Name sagt damit zugleich aus, für wen diese Girlande bestimmt ist.

Dieser Artikel ist die erste Übersetzung eines Werkes unserer Āḻvārs in Schriften-Reihe. Wir möchten in unseren Übersetzungen in erster Linie die spirituelle Strahlkraft und Vielfältigkeit der Werke der Āḻvārs mit relativ freien Übersetzungen der Texte von koyil.org ins Deutsche bringen. Ausführliche Übersetzungen und Kommentierungen des Textes, wie sie für das Thirumālai auf koyil.org in Englisch verfügbar sind, sind vorerst nicht geplant.


Wie viele Werke der Āḻvārs ist auch dieses zuweilen nicht ohne weiteres zu verstehen, oft deuten die Āḻvārs nur Dinge mit wenigen Silben an oder kombinieren mehrere Wörter mit Sandhi, so dass die resultierende Buchstabenkombination auf mehrere Arten verstanden werden kann. Wir raten daher dringend davon ab, ohne die Unterstützung eines kenntnisreichen Muttersprachlers die tamilischen Originaltexte, die man auf koyil.org finden kann, zu analyieren. Oft gehen Übersetzungen aus Google Translate / dem Wörterbuch in die völlig falsche Richtung…


Würdigungsvers (Thanian), verfasst durch einen Lehrer von Rāmānuja

Oh, Du mein Geist, preise und wiederhole immerzu die Verse des Thirumālai.
Der, der in Śrīraṅgam weilt (Śrī Raṅganatha) ist niemand anderes als Krṣṇa, zu dessen erhabenen Füßen die Kühe weiden.
Thondaradhipodi Āḻvār war ihm hingegeben und verheißt uns Glück. Er ist unser Herr, lasst uns immerzu über ihn sprechen.
Mehr als das ist nicht nötig.

Śrī Raṅganatha. Hinten die unbewegliche Haupt-Bildgestalt (Mulavar Murti) im Śrīraṅgam Tempel, die auch „Periya Perumal“ genannt wird. Vorne „Namperumal“, die bewegliche Bildgestalt Raṅganathas (Utsava Murti), die in Prozessionen aus dem heiligsten Bereich des Tempels bis in die Außenbereiche getragen wird, damit alle Menschen sie sehen können.

Verse 1-10

Der, der all die Welten aufnimmt und wieder freigibt, der, der all die Welten erschafft,
Deine heiligen Namen haben wir gelernt und so wir werden siegreich sein über Yama (Deva, der über den Tod herrscht) und seine Gesellen.
Obwohl unsere fünf Sinne ohne Zügel wanderten, auf Verbotenes und Erlaubtes.
Denn all unsere vielen Vergehen haben Deine Namen zerstört, es bleibt keine Spur. So wandern wir über Yama und seine Gesellen, sieh‘ selbst!

Oh Herr von Śrīraṅgam,
Du hast die Form eines Bergs von Smaragd,
Deine Lippen sind wie Korallen so leuchtend,
Deine Ohren wie Lotusblüten, nie lässt Du Deine Anhänger los,
Herr der Nityasuris, (erhabene Wesen, weitaus mächtiger als Devas, die in Vaikuntha, dem spirituellen Reich des Herrn, leben – grob mit Erzengeln in der Christlichen Mythologie vergleichbar)
Herr der schlichten Kuhirten (Verweis auf die Inkarnation Gottes als Kṛṣṇa),
die immer sein wollten, wo Kṛṣṇa war.
So will ich hier (in Śrīraṅgam) deine heiligen Namen singen,
und böte man mir die Herrschaft über Vaikuntha mit unermesslichem Reichtum, ich wollte sie nicht, wärst Du nicht zugegen.

Oh Herr von Śrīraṅgam! Doch die Geburt hier in Samsāra (dem Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt in der materiellen Welt) verabscheue ich,
denn die Samsāris, (Wesen, die durch Samsāra wandern) oh, sie leben zwar 100 Jahre, doch schlafen sie fünfzig und die anderen fünfzig verbringen sie im Unwissen der Kindheit, in Jugend, in Sucht nach Sinnesreizen,
gefangen durch Krankheit, verwenden sie ihre Zeit, um Sinne zu befriedigen. Und im Alter sorgen sie sich, denn ihr Leben wurde nutzlos vergeudet.

Hatte nicht der böse Königssohn (Kshathrabandhu, ein misratener Königssohn, der in den Wald verbannt wurde) durch den heiligen Namen „Govinda“ das Glück, nach Vaikuntha zu kommen?
Selbst mit so „guten“ Menschen hat der Gnädige in Śrīraṅgam Mitleid und Großmut.
Sie (die Samsāris, die den Āḻvār umgeben) sind mitten im Ozean schlimmer Vergehen, und selbst mit ihm als Meister verfangen sie sich in neuen Geburten.
Oh, wir verzweifeln daran!

Er denkt, dass er genießt,
die Sinne und die Frauen,
doch beläd er sich nur mit Schwierigkeit.
Er arbeitet hart und isst erst bei Nacht,
ermattet fällt er zu Bett doch findet er keine Ruhe,
denn stets sorgt er sich um diesen materiellen Körper.
Der Herr der Welt, geschmückt mit kühlem Tulsi (indisches Basilikum),
dessen Anhänger tanzen und singen,
er wird nicht sein Diener, kostet nicht den göttlichen Nektar,
solch niedere Menschen, ein Wunder dass ihnen ihr Essen schmeckt.

Einen Schutzwall aus Härte und Grausamkeit habt ihr um euch gebaut,
schütze Dich besser mit Armut und Dienst an ihm,
denn die Armut des Körpers vergeht, wenn dieser verfällt und stirbt,
während eure Armut im Āthmā (grob: Seele) bleibt.
Der sich nur durch Rechtschaffenheit schützt,
anstatt Raṅganatha zu dienen,
sein Körper ist sein Schutzwall,
er schmückt ihn,
doch nicht einmal die Geier fressen ihn,
so liegt er dort, nutzlos.

Die Menschen, die die Tiefen der Śāstra (maßgeblichen Texte) durchdrungen haben,
all die geringen Gruppen wie Buddhisten oder Jains,
werden sie sie mit dem Herzen prüfen?
werden sie sie mit den Ohren hören? (die Anhänger Bhagavāns (Bhagavatas) sind bereits durch die Existenz dieser Gruppen, die die Veden nicht akzeptieren, beunruhigt. Hören Bhagavatas ihnen zu oder öffenen sich ihren Lehren, ist dies umsomehr Grund zur Besorgnis!
Um zu zeigen, dass man der Śāstra voll vertrauen kann, greift der Āḻvār nun zu drastischen Mitteln:)
Selbst wenn man mich enthauptet,
werde ich nicht sterben.
Ich zeige es euch, es ist ein Fakt,
der, der Lankā zerstört hat (Rāmā, ein Avatar Gottes),
und Ruhm erlangte,
er ist der, nach dem wir streben müssen.

Oh Herr von Śrīraṅgam,
voller Hass sprachen die Jains, die Shaivas,
und die unglückseligen Buddisten.
Unvorstellbare Dinge haben sie über Dich und Deine Angelegenheiten gesagt.
Solche Vergehen werden zu einer Krankheit,
die zum Untergang führt.
Oh, wenn sie so in meiner Gegenwart sprechen,
gleich dort werde ich sie enthaupten,
denn sie müssen vor sich selbst geschützt werden (Der Āḻvār findet, dass es besser so ist, als wenn sie sich mit weiteren Vergehen gegen Raṅganatha noch mehr Vergehen aufladen. Hier ist es wichtig festzuhalten, dass sein Zorn den Āḻvār relativ weit weg von der normalen vedischen Verhaltensnorm bringt. In der Yajur Veda lesen wir: „na himsyat sarvabhutanam“, „töte kein lebendes Wesen.“ Diese Aussage ist also ein Ausdruck seiner Wut aufgrund der Vergehen gegen Raṅganatha, keine Anweisung für Zuhörer / Leser.)

Oh Menschen, gibt es irgend einen anderen Herrn, bei dem wir Zuflucht nehmen können in schwieriger Zeit?
Er ist der Eine, der Höchste.
Ihr wisst nicht mehr als dies aus den Schriften,
denn er ist versteckt, ihr könnt ihn nicht erkennen.
Doch außer ihm gibt es keinen Herrn.
Deswegen nehmt Zuflucht beim Hirten der Kühe, meinem Herrn,
haltet seine Füße und ergebt euch ihm.
(Der Hirte der Kühe ist Kṛṣṇa. Unter all den Formen, die Gott angenommen hat, ist Kṛṣṇa die nahbarste – daher sollen die Menschen bei ihm Zuflucht suchen)

An allen Orten wurden (geringe) Devas zur Verehrung eingeführt.
Doch die, die ein exaltiertes Leben führen wollen, finden die Mittel in der unvergleichlichen Güte, die in Śrīraṅgam zugegen ist.
So sage ich es euch, doch ihr, die ihr euch anderen Dingen als Śrīman Nārāyaṇa hingebt, habt ihr es verstanden?
Selbst wenn er prachtvoll, auf seinem Gefährt Garuda, zugegen ist, wartet ihr doch am Schrein des Devas der Armut und bettelt um Geld.

Śrīraṇgam vom anderen Fussufer aus gesehen

Verse 11-20

Der, der mit seinem Bogen einen Damm durch den tosenden Ozean baut (nachdem der Deva, der über die Meere herrscht, auf das Bitten Rāmas nicht erschienen war, nahm dieser seinen Bogen und drohte ihn zu erschießen. Darauf hin kam er und ermöglichte den Bau des heute noch sichtbaren Damms nach Sri Lanka, Rama Setu ),
Zum Schutz der Welten zerstörte er im Kriege Rāvaṇa, den König der Dämonen.
Der, der stets in Śrīraṅgam weilt, dem berühmten Tempel mit seinen vielen Mauern – ihr sagt seine Namen nicht, obwohl es so leicht ist.
Wohl wurdet ihr nicht im Mutterbauch gesegnet und so verschwendet ihr eure Zeit.

Als Yama (Deva des Todes) und Murkalanum sprachen,
und die in Narakam (höllische Unterwelt) diese Worte hörten,
wurde Narakam für sie wie Svargam (die himmlich Welt),
die Namen Gottes machten Narakam zu einem wunderbaren Ort. (Murkalanum hatte viele schwere Vergehen auf sich geladen, doch gab er zur Vergebung eine großzügige Spende und widmete sie Kṛṣṇa mit den Worten „Kṛṣṇārpaṇam“. Nach seinem Tod wird er von den Gehilfen Yamas nach Narakam gebracht, Yama empfängt ihn jedoch freundlich. Murkalanum ist verwirrt und Yama erklärt ihm, dass dies durch die Macht der Namen Gottes, selbst wenn sie nur einmal ausgesprochen werden, geschieht. Darauf hin sprechen Murkalanum und Yama ausführlicher über den Ruhm der Namen Gottes. Diejenigen, die ebenfalls in den höllischen Unterwelten sind und nicht so gut behandelt wurden, fühlten sich in diesem Moment, als wäre sie in Svargam)
Da sie Deinen Namen nicht sprachen, ihn vergaßen,
fielen schon so viele große, aber materialistische Menschen.
Sie vielen in den Sumpf aus Sorgen,
dies sorgt mich zutiefst.

Die Wellen des übel riechenden Ozeans umspülen dieses Land und seine Wesen (diese Ozean ist Saṃsāra, der Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt),
Der Herr der Nityasuris, geschmückt mit einer süß duftenden Girlande aus Tulsi, nur ihn verehrt!
Wenn diese Menschen ohne Wissen, die als Sklaven ihrer Sinne leben, doch nur „Śrīraṇgam“ sagen würden,
auf diesem Land und in Narakam würde niemand mehr wandeln (da alle Samsāra verlassen), nur noch Gras würde wachsen.

Gärten, wo Schwärme von Bienen summen,
Gärten, wo schöne Pfauen tanzen,
Gärten, die die Wolken küssen,
Gärten, wo Scharen von Wachteln sich rufen,
Gärten, wo der Herr der Nityasuris wohnt,
sie sind der Schmuck (von Samsāra).
Die, die nicht einmal das Wort Śrīraṅgam aussprechen,
sie sind undankbare Dummköpfe.
Sie fallen übereinander her um zu essen,
so nehmt ihnen das Essen weg
und gebt es den Hunden! (Denn sie sind dankbar, diese Menschen nicht.)

So lange war ich auf dem falschen Weg;
Der Herr, dessen Flagge Garuda zeigt, zeigt seine wahre Natur all denen, die ihn nicht hassen. (so wenig ist nötig)
Die, die sich für andere Dinge als ihn interessieren,
er wird ihnen Unwahres zeigen.
Die, die wissen, sollten wissen, wie sie sich aus Samsāra erheben,
nachdem sie verstanden haben, wer der Herr aller Herren ist,
wird er sich ihnen offenbaren und ihre letzten Zweifel verfliegen.
Der Herr, der die Welt durch seine Schönheit versklavt,
seine Stadt ist Śrīraṅgam.

In der Zeit, als ich mich in weltlichen Dingen versenkte
täuschte ich, stahl,
war verfangen in den Augen der Frauen,
rund und große wie die von Fischen,
war gefangen im Netz (von Samsāra)
Ich sank, ich schrie und er betrat mein Herz,
der höchste Herr, der in mir eine Flut der Hingabe steigen ließ,
ist sein Ort nicht Śrīraṅgam?

Ich stand, ihm hingegeben,
doch ich konnte ihn nicht preisen,
konnte ihm keinen Dienst verrichten,
verstand seine Güte nicht.
Der Geist war hart wie Eisen,
doch er wurde weicher.
In Śrīraṅgam, umgeben von Gärten, umwimmelt von Bienen,
Śrī Raṅganatha, Periya Perumāl, unser geliebter Herr, weilt dort,
ihn genossen meine Augen, und wie sie ihn genossen!

Vom Kāveri Fluss, wehen feine, süße Tropfen zu ihm,
er (Śrī Raṅganatha) ruht allein, und herrscht,
er ist Kṛṣna mit roten Augen wie Lotus.
Mein Herr, Kṛṣna, mit Lippen rot wie reife Früchte,
Aus den Augen die ihn sahen,
fließen viele kühle Tränen der Freude.
Ein Sünder wie ich, was soll ich tun?

Kṛṣna, gefunden auf https://srimadkrsna.tumblr.com

Für alle die, die in dieser Welt weilen,
der Herr von allem, mit der Farbe des Ozeans,
mein Herr, der seinen Kopf nach Westen streckt,
und seine Füße nach Osten,
den Menschen im Norden zeigt er seinen wunderbaren Rücken,
und schaut in den Süden nach Lankā (Sri Lanka),
so liegt er auf dem Schlangenbett (die Weltenschlange Ādiśeṣa ist sein Bett).
Nachdem ich ihn so ruhen sah,
schmolz mein Körper.
Oh, was sollte ich tun?

Umflossen vom Kāveri liegt Śrīraṅgam,
auf dem Schlangenbett schläft er, mein Herr, wundersam.
Auf seiner Brust weilt Mutter Lakṣmī,
sein Körper hat die Farbe von Smaragd,
seine Schultern, seine roten Lippen, sein Mund wie Koralle,
so herrscht er, seit langer Zeit.
Die, die seine Herrlichkeit erfahren, können sie (in Samsāra wieder) verlorengehen?

Der Tempelgarten von Śrīraṅgam, Quelle: C.P.R. Environmental Research Centre

Verse 21-30

Wir sind bescheiden und halten unseren Geist klar,
in den Dingen von dem, dessen Mund wie Korallen scheint.
Großartig und mit starkem Willen, doch unfähig zu leben,
denn seit Aeonen bin ich getrennt von Bhagavān.
Oh Herz, von perfekter Schönheit, schimmernd wie rotes Gold, schimmernd wie Meru (ein mystischer Berg, der die Mitte des Universums markiert).
Im Tempel liegt der Herr, scheinend wie ein blauer Diamand,
die Schönheit wie er dort liegt und ruht,
kann der Geist es fassen? Sag es mir!

Oh stumpfer Geist, jenes, was über Bhagavān gesagt werden soll – spreche nur das.
Nichts über seine Größe können wir selbst sagen, denn nur die Makellosen können ihn sehen wie er ist.
Stets weilt er im Geist der Makellosen, wir können nur über das sprechen, was wir erfahren haben.
Können wir Hymnen über ihn dichten? Sag es mir!

Unstet, so bin ich, so wenig edel, als wäre der Ganges in der Mitte des Kāveri (der Kāveri wird auch Ganges des Südens genannt. Er wird in unserer Tradition als weitaus heiliger als der Ganges gesehen, seit dem er den Śrīraṅgam Tempel, der auf einer Flussinsel liegt, umfließt. Raṅganatha soll etwa zur Zeit Rāmas auf diese Insel gekommen sein, der erste Tempel wurde kurz darauf errichtet.)
Schäumend fließt er, mir großer Kraft zu all den Orten, (heute ist der Kāveri durch die Übernutzung seines Wassers bei der Kaffeeproduktion nur ein Schatten seiner selbst)
süße Haine umgeben ihn, zu ihm,
dem Herrn, dem Gebieter aller.
Er ruht in unvergleichlicher Pose,
nach dem ich dies sah, kann ich es vergessen, kann ich weiter leben?
Ich stehe, gebannt, unfähig zu handeln.

Die Fluten des Kāveri reißen, fließen zu allen Seiten und die Gärten,
im Tempel liegt er, der stiehlt (die Herzen seiner Anhänger),
er ruht, göttlich, mit einem Gesicht wie Lotus.
Oh Herz, selbst nachdem Du ihn verehrt hast,
bleibst Du hart. Merkst Du nicht, dass er ohne Gleichen ist?
Du gibst nur vor ihn zu lieben! Du verschwendest Deine Zeit in gespielter Geschäftigkeit!

Oh Raṅganatha,
ich ging fehl in den Pflichten des Brāmānen,
ich nahm nicht einmal das Bad,
das Vorrausetzung ist um das Karma der drei Arten des Feuers zu tun
und so Vergebung zu erreichen (damit ist vermutlich Sandhyāvandhanam, das Ritual der drei Übergänge der Sonne (Aufgang, Höchststand, Untergang) gemeint, was von allen Brāmānen und anderen, die „Dvijas“, also in die Veden Eingeweihten, täglich ausgeführt werden muss).
Ich ging fehl und habe es nicht, (es, die unmittelbare Erkenntnis des Āthmās, die Jñāna Yoga ermöglich, durch die Verpflichtungen zu Karmas, rituellen Handlungen, transzendiert werden können) ich fühle keine Liebe zu Dir (was Bhakti Yoga ermöglichen würde, durch das Jñāna Yoga transzendiert wird).
Oh, wie glücklich ist es! Ich rufe den, der Fülle ist,
der die Form des Ozeans hat, in meiner Sache.
Du musst mich segnen, gib mir alles (Karma, Jñāna und Bhakti), bereinige meine Vergehen gegen die Pflichten!

Wenn ich mit Blumen zu Deinen Füßen stehe,
keine Kraft, voller Fehler, das bin ich,
ich finde keine Worte, Dich zu preisen,
unfähig Gelerntes zu rezitieren.
Mein Herz findet keine Liebe zur Dir,
doch so kann Raṅganatha durch mich keine Freunde erfahren.
Oh, für was wurde ich geboren?!

Die Affenkrieger schoben Berge ins Wasser,
sie gingen ins Wasser und verschoben Sand,
sie rannten in den schäumenden Ozean,
sie blockierten ihn, ohne Fehl und Täuschung.
Oh, ich bin nicht wie sie, wie die Eichhörnchen,
mein Geist ist hart wie die Bäume und verstrickt in Täuschung,
ich, der hohes Ansehen hat und und von Herzen dienen sollte,
doch ich diene nicht,
dort stehe ich, vergesse.

Die himmlischen Wesen, sie kennen ihn nicht,
den strahlenden Herrn von Vaikuṇtha,
für Gajendra, dessen rotes Fleisch das Krokodil fressen wollte, kam er und zürnte dem Krokodil.
Doch wird er uns Hunde schützen,
wird er unsere Vergehen ignorieren?
Für was wurde ich geboren, wenn nicht als sein Diener?

Ich wurde nicht an einem Divya Deśam (heiliger Ort) geboren,
besitze dort kein Land, keine Verwandten, niemand.
Niemanden habe ich auf dieser Erde.
Und Deine heiligen Füße, ich umarmte sie nicht.
Herr von Allem, mit der Farbe dunkler Wolken,
mein Kṛṣṇa, ich rufe zu Dir, mein Herr,
der, der in Śrīraṅgam weilt, wer sonst kann mich schützen?

Es ist keine Reinheit in meinem Geist,
in meinen Worten keine Freundlichkeit,
in Zorn, feindlich blickend, ich spreche Worte von Feuer,
Er ruht in Śrīraṅgam, seine Girlande aus Tulsi, Blätter prall, als würden die Pflanzen (noch) im Boden stehen.
Für mich (der so voller Fehler ist), nach meiner Kapitulation vor Dir,
Zuflucht musst Du geben mein Herr, dessen Diener ich wurde.

Brahmanenschüler bei den täglichen Ritualen – vom Āḻvār unterlassen.

Verse 31-40

Die, die Bußen praktizieren, ich bin keiner von ihnen.
Die, die wohltätig sind, ich bin keiner von ihnen.
So wie salziges Wasser bin ich, meinen Verwandten ohne Nutzen.
Selbst die Frauen mit roten Lippen, ich zerbrach die Verbindung, ich war wie ein Dieb.
Der, der in Śrīraṅgam lebt, er verschwendete eine Geburt mit mit mir.

Es summt in den Hainen,
Insekten schwirren und zieren,
im Tempel, mit einem Körper wie dunkle Wolken, Kṛṣṇa!
Keinen Pfad kannte ich, der zu Dir führt,
unter den Menschen wie ein Narr, so stand ich.
Ein Narr, ein Narr bin ich.

Alles Wahre gab ich auf, gefangen im Netz von Frauen mit wallendem Haar.
Viele Lügen hielten mich am Rand, keinen Ort hatte ich, an den ich gehen konnte. So kam ich, so stand ich.
Oh Herr, der in Śrīraṅgam weilt, durch den Wunsch, der durch Deine Gnade kam,
Als Lügner kam ich, stehe ich, als Lügner, als Lügner.

In meinem Herzen weilt er, der Allwissende.
Kein Wissen hatte ich über dies,
ich, der Dieb, diente, nahm dienene Haltung von anderen an,
nahm die Gedanken derer, die wussten,
ich schäme mich, ich gehe von Dir und lache, dass mir die Rippen brechen.

Oh Herr, an dem Tag, als Du die Welten überschritten hast (als Trivikrama),
ich werde niemand anderen als Dich verehren,
der mit roten Augen, seinen Anhängern geneigt,
mein Lebenshauch, mein Nektar, mein Herr, Seele meines Lebens, wie Nektar.
Meine vielen Vergehen, ich werde an niemand denken als an Dich, oh meine vielen Vergehen!

Er stoppte den Regen einst, mit dem Berg (ein Verweis auf die Begebenheit, wo Kṛṣṇa den Govadhan Hügel hochhielt, um die Menschen vor dem Regen und Sturm zu schützen, den Indra geschickt hat) zum Schutz und ohne Mühe
Der, dessen Stärke unermesslich ist.
Er, der ist wie der wunderschöner Fluss.
Frauen mit Augen wie Rehe, sie fangen im Netz ihrer Augen und Menschen wie ich erbeben daran,
kann Dein Blick mich nicht schützen (so wie er den Berg zum Schutz erhob)?
Du, der Urgrund, der in Śrīraṅgam weilt, nur Dich, ich rufe Dich!

Kṛṣṇa hält den Govadhan Hügel

Der Fluss (Kāveri), er reißt, ist trüb, umspült den Tempel.
Im Tempel scheint er, Periya Perumal (die unbewegliche Haupt-Bildgestalt von Raṅganatha), ist wie Vater und Mutter.
In meinen Dingen, oh er schaut auf mich mit freundlichem Blick,
er tut mir Gefallen, aber er spricht kein Wort der Vergebung zu mir!
Oh, sein Herz ist so hart.

Oh, Dinge der Welt, sie scheinen so groß, überdecken die Natur des Āthmā, doch ich erkenne es.
Erkenne den Dienst an Bhagavān als letztes Ziel,
weiß, dass ich die Sinne kontrollieren muss (und nicht die Sinne mich), löse die Anhaftung.
Mein Haupt wird leicht, ich stehe an Deiner Türschwelle (wie ein Wächter).
Die, die leben und sich selbst vernachlässigen, genießt Du sie nicht, Du, der im Tempel ruht, um den der Kāveri fließt?

Der Dienst für Dich, mit Tulsi gekrönt, auch die, die nicht dienen, sie sollten es;
Die Vaidikas (Menschen, die die vier Veden rezitieren können), sind sie nicht am Dienst an Dir interessiert, gebührt dieser Rang ihnen nicht.
Die, deren Geburt nicht tiefer sein kann, sind sie Deinen Füßen hingegeben, genießt Du sie nicht, dort, im Śrīraṅgam Tempel?

Der, dessen Brust  Śrī Mahālakṣmī und das Mal (Śrīvatsa) schmücken,
Die, die Dich als einziges Mittel im Herzen haben, sie haben unbegrenztes Vertrauen in Dich!
Alle Wesen dieser Welt fürchten gewaltsamen Tod und Leid durch Feuer. Selbst die, die sich (in vergangenen Leben) solche Taten aufgeladen haben, die Wirkungen dieser Taten werden sie nicht mehr treffen (wenn sie vor Dir kapitulieren und Dich als einziges Mittel akzeptieren).

Ein Eindruck des Kāveri Flusses in der Nähe von Śrīraṅgam

Verse 41-45

Der, der in Vaikuntha lebt, den Brahmā (der Demiurge des jeweiligen Universums) und die anderen himmlischen Wesen (Devas, Gandharvas usw) nicht kennen, wenn sie es sagen. (Der letzte Einschub ist rätselhaft. Unsere Āchāryas deuten ihn so, dass diese Wesen sagen, dass „es“, das ist, worum es dem Āḻvār in diesem Abschnitt geht: Die Kapitulation vor- und den alleinigen Schutz durch Bhagavān. Sie, die himmlischen Wesen, sagen also, dass die den Schutz Bhagavāns suchen.)
Er, dessen Krone mit Tulsi geschmückt ist, tropfend von Honig, wenn sie es sagen. (Auch dieser wiederhole Einschub von „என்பராகில்“, verstanden als „wenn sie es sagen“, ist rätselhaft. Unsere Āchāryas kommentiere hier, dass der Āḻvār hiermit sagt, dass die vorherige Beschreibung von Bhagavān nicht von ihm, sondern von den himmlischen Wesen stammt, deren Ersuchen nach Schutz erhört wurde).
Selbst wenn sie niederste Dinge tun (unsere Āchāryas merken in den Kommentaren hier insbesondere das Töten von Wesen an, um sie zu essen),
für sich selbst oder für andere, die Reste von Bhagavāt Prasadam (Essen, dass Bhagavān geweiht wurde) werden sie reinigen.

Sie (Brahmanen) kommen aus einer der von Brahmā, fehlerlos von Anfang, die, die die vier Veden kennen.
Doch auch die, die in einem Stand (d.h. Kaste) geboren wurden, unter der es keine mehr gibt (Kastenlose / Dalits, Ausländer wie wir, deren Familien keine Kaste haben),
haben sie die Beziehungen zur Dir realisiert, verherrlicht sie, lehrt sie, verehrt sie wie den Herrn, der in Śrīraṅgam weilt, dort, hinter hohen Mauern.

Die sechs Teile der Veden, einzigartig (Jede der vier Veden hat neben den Kernteil aus Hymnen und Philosophie Vedāṅgas, Hilfstexte zu prakischen Themen in sechs Kategorien: Aussprache, Verslehre, Grammatik & Wortbedeutungen, Anweisungen für die Durchführung von Ritualen sowie der Wahl von Zeitpunken.),
die vier Veden, einzigartig, in ihren Herzen verankert durch Übung und Rezitation.
Sie führen Deine Anhänger an, große Brahmanen sind sie,
doch wenn sie auf Deine Anhänger (die mit niederer Geburt) herabschauen,
im selben Moment sind sie selbst auf die Stufe der untersten Kaste gefallen.
Oh, (durch den), der in Śrīraṅgam weilt.

Śiva, mit langem verfilztem Haar, und Brahmā,
sie taten Bußübungen für unvorstellbare Zeit, um Dich zu sehen,
sie ließen ihre Köpfe hängen, als Du für Gajendra aus Gnade ans Ufer des Teiches kamst – selbst die Nityasuris waren darüber erstaunt! Du ist blind (siehst meine Vergehen nicht, bist trotzdem gnädig) – wie kann man denken, dass Du die Zuflucht aller bist? (Nur für die, die nicht versuchen, ihn durch eigene Anstrengung erreichen.)

In der großen Stadt Mathura (Stadt im Norden Indiens, zu der Vrindavan, der Kindheitort Kṛṣṇas gehört) mit ihren wunderschönen, silbrig-weiß dekorierten Häusern,
der große Elefant, im Wahn durch Kavaḷam (ein bestimmtes Futter), Kṛṣṇa tötete ihn (im Gegensatz zu Ganjendra im vorigen Vers, die Geschichte dazu wird u.a. im Kṛṣṇa Buch der „Hare Krishnas“ erzählt),
Raṅganatha, stets in Liebe zu seinen Anhängern, er schützt mich,
Thondaradhipodi, vertieft in den Dienst an den Anhängern von Bhagavān,
diese Verse, selbst wenn sie fehlerhaft in Wörtern und Versenkunst sind,
sie sind für meinen Herren, sind sie nicht voller Süße?

Śrī Raṅganatha, Quelle: Wikipedia

Adiyēn Mādhava Rāmānuja Dāsan
Übersetzung Englisch – Deutsch
Adiyēn Krishna Rāmānuja Dāsan
Übersetzung des tamilischen Kommentars von Periyavāccan Piḷḷai ins Englische.

Chatuḥślōkī – four verses to the goddess

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Introduction

The name of our tradition (Śrī Vaiṣṇavam) already indicates that we worhship divine mother Lakṣmī, whose short name is Śrī. Other Vaiṣṇava lineages also worship a motherly mediator between Bhagavan and Āthmās (for example, Rādha in the Hare Krishna lineage), but it seems fair to say that the theology of the goddess is most highly refined in our lineage.

This fact has not escaped the attention of academic researchers. We find in Oberhammer [1] an examination of the oldest surviving fragments of teachings about Lakṣmī in our tradition. In this examination, Yāmunāchārya’s Chatuḥślōkī is highlighted as the oldest complete text on the worship of Lakṣmī in our lineage. Oberhammer notes his surprise that it already conveys a full theology of the goddess. In Dhavamoney [2] we find a theological analysis of Chatuḥślōkī. And there is of course also some commentary work on this work within our own tradition, for example by Periyavāccan Piḷḷai.

In the line of our teachers, Yāmunāchārya (Tamil name Āḷvandhār) is the 4th Āchārya after the start of the “new” teaching tradition with Nāthamuni. Nāthamuni probably lived around the middle of the 9th century C.E.. Yāmunāchārya (early 10th century) saw Rāmānuja from a distance, but died on the very day Rāmānuja came to him to become his disciple.

Yāmunāchārya left us other important Stotrams (hymns) beside Chatuḥślōkī and some smaller scientific works. Rāmānuja’s work focuses on scientific texts, i.e. texts on Vedanta topics in the classical form of Indian spiritual science treatises: thesis – criticism of thesis – answer to criticism – conclusion. It is said that Rāmānuja thus followed the wish of Yāmunāchārya, who wanted to write such works but could not do so because of his poor health and advanced age. Academic researchers pointed out an extremely close link between the thinking of these two great Āchāryas. They find that Rāmānuja precisely continued the lines set out by Yāmunāchārya – almost like one Āchārya in two bodies!

So let us immerse ourselves in a text that is about 1000 years old. A text which makes the glory of our divine mother Śrī shine so wonderfully that no comparable text has been written in this long time. We give a synthesis of the translation on our mother site koyil.org [3] with the academic translations from [1], p.120 and [2]. We attempt to make the translation as literal as possible while preserving much of the beauty of the koyil.org translation.

Honoratory verse (Thaniyan)

Written by Rāmānuja, this verse leads many works of Rāmānuja.

yat padāmbhōruhadhyāna vidhvasthāśēṣa kalmaṣaḥ
vastutāmupayā thō’haṃ yāmunēyaṃ namāmi tam

I worship Yāmunāchārya, through whose mercy all my defects have been removed and I awoke from false identification. I recognized my true nature as Sat, as eternal Āthmā, by meditating on the lotus feet of Yāmunāchārya.

Verse 1

kāntaste puruṣottamaḥ paṇipatiḥ śayyāsanṃ vāhanaṃ
vedhāthmā vihageśvaro yavnikā māyā jaganmohinī |
brahmeśādisuravrajaḥ sadyitas tvaddāsadāsīgaṇaḥ
śrīrityeva ca nāma te bhagavati brūmaḥ kathaṃ tvām vayam ||

Your consort is puruṣottamaḥ, the supreme being, (and, as for him) your bed and seat is the lord of serpents (Adiśeṣa),
Your vehicle is the Lord of the birds, the guardian of the Vedas (Garuḍa), your veil is Māyā, which blinds the world.
Brahmā, Īśa (Śiva) and their companions are your servants like the other gods,
Śrī is your name, oh sublime one, but how can words praise your splendour?

The divine mother Śrī thus shares the decisive insignia of the supreme being, which we commonly call Nārāyaṇa (Nāra* = human being, *ayaṇa = refuge).

Verse 2

yasyāste mahimānamātman iva tvadvallabho’pi prabhuḥ
nālam mātumiyattayā niravadhiṃ nityānukūlam svathaḥ |
tām tvām dāsa iti prapanna iti cha stoṣyāmyahaṃ nirbhayaḥ
lokaikeśvari lokanāthadayithe dānte dayām te vidan ||

Your greatness exceeds even that which can be measured by your beloved (Nārāyaṇa), just like his own greatness.
You are always most compassionate towards us and so I praise you without fear!
I am your servant, you are my refuge; I know that your love is only for the One (Nārāyaṇa), mother of the world, beloved of the ruler of the world, so I speak, for I know your grace.

While the universal ruler Nārāyana mostly takes on the role of the father, who rewards and judges according to merits and misdemeanors, the divine mother Śrī takes on the role of the mother, who sees only the good in beings and pleads for forbearance. So while we should treat Nārāyana with utter respect and be fearful to be punished for our shortcomings, fear is inappropriate towards mother Śrī.

Verse 3

īṣat tvatkaruṇānirīkṣaṇsudhā sandhukṣaṇādrakṣayate
naṣtaṃ prāk tadhalābhatastribhuvanaṃ saṃpratyanantodayam |
śryo na hyaravinda locanamanaḥ kāntāprasādādṛte
saṃsṛtyakṣaravaiṣṇavādhvasu nṛṇāṃ saṃbhāvyate karhichit ||

Through a trace of the nectar of your compassionate gaze, the three worlds are preserved.
Without it, they were in destruction, through your gaze they now blossom again and without limits.
Without your grace, so dear to the lotus-eyed (Nārāyaṇa), no happiness can be found, neither in the material enjoyment of Saṃsāra, nor in the meditation on the unmanifest (the experience of the blissful aspects of Āthmā, as practiced in many Yoga paths and Buddhism) nor in the path of Vaiṣṇavas (the aspiration of eternal service to Śrīman Nārāyaṇa).

Verse 4

śāntānantamahavibhūthi paramaṃ yadhbrahma rūpam hareḥ
mūrtam brahma thathopi tatpriyataraṃ rūpam yadatydbhutam |
yānyanyāni yathāsukaṃ viharato rūpāṇi sarvāṇi tāni
āhuḥ svairanurūparūpavibhavair gāḍopagūḍhani te ||

The form of Hari (Nārāyaṇa) is the highest Brahman, infinite, peaceful and immensely unfolded, also the embodied Brahman, his lovable, wonderful figure (i.e. the avatars he takes for his divine activities) and all the other forms of himself that He takes at will, all of these are deeply interwoven with your own glory.

Conclusion

ākāratrayasampannām aravindanivāsinīm |
aśeṣajagadīśitrīm vande varadavallabhām ||

I adore her, the beloved of Varadha Perumal, adorned by loving service and complete dependence on him. Only he enjoys her qualities, he in whom all things rest and from whom everything develops.

Literature

[1] Gerhard Oberhammer: Materialien zur Geschichte der Rāmānuja Schule VI; die Lehre von der Göttin vor Veṇkaṭanātha. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien, 2002.

[2] Mariasusai Dhavamoney: Yāmuna’s Catusślokī: an analysis and interpretation. Indologica Taurinensia VOLUME III-IV (1975-1976), Proceedings of the „Second World Sanskrit Conference“ (Torino, 9-15 June 1975)

[3] koyil.org Sri Vaishnava portal: chathu: SlOkI, based on the Tamil translation of the orgiginal text by U. VE. Pārthasārathy Aiyengār Swamy. http://divyaprabandham.koyil.org/index.php/2015/12/chathu-sloki/

Adiyen Mādhava Rāmānuja Dāsan
Edition of the koyil.org translation for a non-indian audience, integration of academic translations
Adiyen Sarathy Rāmānuja Dāsan
Adiyen Vangīpuram Satakōpa Rāmānuja Dāsan
Translation of the tamil translation into English

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Lakṣhmī, painted by Birgit Shakunthala Schnebel




Chatuḥślōkī – vier Strophen an die Göttin

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Einführung

Der Name unserer Tradition (Śrī Vaiṣṇavam) deutet bereits darauf hin, dass wir die göttliche Mutter Lakṣmī, deren Kurzname Śrī ist, sehr verehren. Auch die anderen Linien der Vaiṣṇavas verehren eine mütterliche Mittlerin zwischen Gott und den Āthmās (in der Hare Krishna Linie z.B. Rādha), doch man kann wohl sagen, dass die Theologie der Göttin in unserer Line an Detaillierung und Ausarbeitung kaum zu übertreffen ist.

Dies ist der akademischen Indologie nicht entgangen und so finden wir bei Oberhammer [1] eine Untersuchung der ältesten erhaltenen Textfragmente zur Lehre von Lakṣmī in unserer Tradition. In dieser Untersuchung wird die Chatuḥślōkī von Yāmunāchārya als ältester vollständig erhaltener Text zur Verehrung von Lakṣmī genannt und bemerkt, dass dieser bereits eine voll ausgearbeitete Theologie der Göttin vermittelt. Bei Dhavamoney [2] finden wir eine akademische Analyse des Inhalts der Chatuḥślōkī. Darüber hinaus gibt es natürlich eine Kommentierung und Interpretation innerhalb unserer Tradition, z.B. von Periyavāccan Piḷḷai.

In der Linie unserer Lehrer ist Yāmunāchārya (tamilischer Name Āḷvandhār) der 4. Āchārya nach dem Beginn der „neueren“ Lehrtradition mit Nāthamuni. Letzterer lebte wohl um das 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Yāmunāchārya (Anfang 10. Jahrhundert) hat Rāmānuja aus der Ferne gesehen, aber er starb just an dem Tag, als Rāmānuja zu ihm kam, um sein Schüler zu werden.

Während Yāmunāchārya uns wichtige Stotren, also Hymnen, und einige kleinere wissenschaftliche Arbeiten hinterlassen hat, liegt der Schwerpunkt von Rāmānujas Arbeit bei wissenschaftlichen Texten – also Texte zu Fragen des Vedanta in der klassischen wissenschaftlichen Form der indischen Geistestradition: These – Kritiken an These – Antwort auf Kritiken – Schlussfolgerung. Es wird erzählt, dass Rāmānuja damit dem Wunsch von Yāmunāchārya folgte, der mehr solcher Werke schreiben wollte, es aber wegen seiner schwachen Gesundheit und seinem fortgeschrittenen Alter nicht mehr konnte. Indologen wie Oberhammer finden, dass Rāmānuja die von Yāmuna angesetzten Denklinien mit hoher Genauigkeit fortführt, fast so wie ein Āchārya in zwei Körpern.

Tauchen wir also ein in einen ca 1000 Jahre alten Text, der den Ruhm der göttlichen Mutter so wunderbar zum Glänzen bringt, dass in dieser langen Zeit kein vergleichbarer Text mehr geschrieben wurde. Wir präsentieren hier eine Synthese der koyil.org Übersetzung [3] mit der akademischen Übersetzung aus [1], S.120 sowie [2].

Würdigungsvers (Thaniyan)

Gedichtet von Rāmānuja, dieser Vers führt die meisten Werke von Rāmānuja an.

yat padāmbhōruhadhyāna vidhvasthāśēṣa kalmaṣaḥ
vastutāmupayā thō’haṃ yāmunēyaṃ namāmi tam

Ich verehre Yāmunāchārya, durch dessen Lotusfüße all meine Defekte entfernt wurden und ich meine wahre Natur als Sat, als ewiges Āthmā, erkannte.

Vers 1

kāntaste puruṣottamaḥ paṇipatiḥ śayyāsanṃ vāhanaṃ
vedhāthmā vihageśvaro yavnikā māyā jaganmohinī |
brahmeśādisuravrajaḥ sadyitas tvaddāsadāsīgaṇaḥ
śrīrityeva ca nāma te bhagavati brūmaḥ kathaṃ tvām vayam ||

Dein Geliebter ist Puruṣottamaḥ, das höchste Wesen (und wie er ist) Dein Ruhebett der Herr der Schlagen (Adiśeṣa),
Dein Gefährt ist der Herr der Vögel, der Hüter der Veden (Garuḍa), Dein Schleier ist Māyā, die die Welt verblendet.
Brahmā, Īśa (Śiva) und ihre Gefährtinnen sind wie die anderen Götter Deine Diener,
Śrī ist Dein Name, oh Erhabene, aber wie können Wörter Deine Erhabenheit preisen?

Die göttliche Mutter teilt somit die entscheidenen Insignien des Höchsten Wesens, das wir gemeinhin Nārāyaṇa (Nāra* = Mensch, *ayaṇa = Zuflucht) nennen.

Vers 2

yasyāste mahimānamātman iva tvadvallabho’pi prabhuḥ
nālam mātumiyattayā niravadhiṃ nityānukūlam svathaḥ |
tām tvām dāsa iti prapanna iti cha stoṣyāmyahaṃ nirbhayaḥ
lokaikeśvari lokanāthadayithe dānte dayām te vidan ||

Deine Größe übersteigt selbst das, was von Deinem Geliebten (Nārāyaṇa) ermessen werden kann, ganz so wie seine eigene Größe.
Stets bist Du uns wohlgesonnen und so preise ich Dich ohne Furcht!
Dein Diener bin ich, meine Zuflucht bist Du; Ich weiß, Deine Liebe gilt nur dem Einen (Nārāyaṇa),
Mutter der Welt, Geliebte des Weltenherrschers, so spreche ich, denn ich kenne Deinen Güte.

Während der Weltenherrscher Nārāyana zumeist die Rolle des gestrengen Vaters übernimmt, der nach Verdiensten und Vergehen belohnt und richtet, übernimmt die Weltenmutter Śrī zumeist die Rolle der gütigen Mutter, die in den Wesen immer nur das Gute sieht und für Milde plädiert. Während wir also Nārāyana durchaus mit Respekt und Furcht begegnen sollten, ist Furcht bei der göttlichen Mutter unangebracht.

Vers 3

īṣat tvatkaruṇānirīkṣaṇsudhā sandhukṣaṇādrakṣayate
naṣtaṃ prāk tadhalābhatastribhuvanaṃ saṃpratyanantodayam |
śryo na hyaravinda locanamanaḥ kāntāprasādādṛte
saṃsṛtyakṣaravaiṣṇavādhvasu nṛṇāṃ saṃbhāvyate karhichit ||

Durch eine Spur des Nektars Deines mitleidvollen Blickes werden die drei Welten bewahrt.
Ohne ihn waren sie in vernichtet, durch Deinen Blick erblühen sie nun erneut und ohne Grenzen.
Ohne Deine Gnade, die dem Lotusäugigen (Nārāyaṇa) so lieb ist, ist kein Glück zu finden, weder in den materiellen Freunden von Saṃsāra, noch die Meditation auf das Unmanifeste (die Erfahrung der glückseligen Aspekte des Āthmās, wie z.B. im Buddhismus und in vielen Yoga-Wegen praktiziert) noch im Weg der Vaiṣṇavas (das Erstreben des ewigen Dienstes an Śrīman Nārāyaṇa).

Vers 4

śāntānantamahavibhūthi paramaṃ yadhbrahma rūpam hareḥ
mūrtam brahma thathopi tatpriyataraṃ rūpam yadatydbhutam |
yānyanyāni yathāsukaṃ viharato rūpāṇi sarvāṇi tāni
āhuḥ svairanurūparūpavibhavair gāḍopagūḍhani te ||

Die Form von Hari (Nārāyaṇa) ist das höchst Brahman, unendlich, friedvoll und weit entfaltet,
auch das verkörperte Brahman, seine liebenswerte, wunderbare Gestalt (also die Avatare, die er für seine göttlichen Aktivitäten annimmt)
und all die anderen Formen seiner selbst, die er nach Belieben annimmt,
all diese sind zutiefst verwoben mit Deinen eigenen Entfaltungen.

Konklusion

ākāratrayasampannām aravindanivāsinīm |
aśeṣajagadīśitrīm vande varadavallabhām ||

Ich verehre sie, die Geliebte von Varadha Perumal, geschmückt durch liebenden Dienst und vollkommene Abhängigkeit von ihm. Nur er genießt ihre Qualitäten, er, aus dem alle Dinge ruhen und sich entwickeln.

Literatur

[1] Gerhard Oberhammer: Materialien zur Geschichte der Rāmānuja Schule VI; die Lehre von der Göttin vor Veṇkaṭanātha. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien, 2002.

[2] Mariasusai Dhavamoney: Yāmuna’s Catusślokī: an analysis and interpretation. Indologica Taurinensia VOLUME III-IV (1975-1976), Proceedings of the „Second World Sanskrit Conference“ (Torino, 9-15 June 1975)

[3] koyil.org Sri Vaishnava portal: chathu: SlOkI, basierend auf der tamilischen Übersetzung des Originaltextes von U. VE. Pārthasārathy Aiyengār Swamy. http://divyaprabandham.koyil.org/index.php/2015/12/chathu-sloki/

Adiyen Mādhava Rāmānuja Dāsan
Übersetzung Englisch – Deutsch unter Berücksichtigung weiterer Übersetzungen, Edition für westliches Publikum
Adiyen Sarathy Rāmānuja Dāsan
Adiyen Vangīpuram Satakōpa Rāmānuja Dāsan
Übersetzung der tamilischen Übersetzung ins Englische

Lakṣhmī, gemalt von Birgit Shakunthala Schnebel

Gītārtha Saṅgrahaḥ – Zusammenfassung der Bhagavad Gītā

Śrīḥ
Śrīmathē śatakōpāya namaḥ
Śrīmathē rāmānujāya namaḥ
Śrīmath varavaramunayē namaḥ
Śrī vānāchala mahāmunayē namaḥ

Die Bhagavad Gītā ist ohne Zweifel einer der wichtigsten Texte im Hinduismus. Aus folgendem Grund:

Hindus betrachten die Lehren der Bhagavad-Gita traditionell als Quintessenz der Veden. Beim Studium ergeben sich oft scheinbare Widersprüche: Während einige Stellen anscheinend einen Dualismus lehren – die Zweiheit von Natur und Geist, von Gott und Mensch –, lehren andere die Einheit. Durch diese unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten ist das Gedicht Mittelpunkt für die verschiedensten Glaubensrichtungen.

Wikipeda Artikel zur Bhagavad Gītā Stand Dezember 2019

Die Bhagavad Gītā, oft kurz Gītā genannt, hat die Form eines Gesprächs zwischen Gott, verkörpert als Kṛṣṇa, und seinem Freund Arjuna. Dieses Gespräch ist in Versform und kann gesungen werden. Gītā bedeutet auch Gesang, Bhagavān ist ein Name Gottes – Bhagavad Gītā heißt also Gesang Gottes.

Hier kann man sich eine Rezitation des 12. Kapitels der Bhagavad Gītā anhören:

Das Gespräch zwischen Kṛṣṇa und Arjuna findet kurz vor dem Beginn einer gewaltigen Schlacht statt, an deren Kommen Arjuna verzweifelt. Er hat einen Zusammenbruch und bittet seinen Freund Kṛṣṇa um Rat und Hilfe. Kṛṣṇa erläutert ihm seine wahre Natur und verschiedene Systeme (Yogas), um seine Agonie zu durchbrechen, seine wahre Natur zu realisieren und zu einem höheren Bewusstseinzustand zu kommen. Am Ende kämpft Arjuna und ist letzlich auch siegreich.

Auch wenn die Bhagavad Gītā mit ca 700 Versen für indische Verhältnisse relativ kurz ist, kann man doch angesichts der viele besprochenen Themen leicht die Übersicht verlieren. Yāmunāchārya, einer der wichtigsten frühen Āchāryas (Lehrer) unserer Linie, hat vielleicht aus diesem Grund einen Text namens Gītārtha Saṅgrahaḥ, (Zusammenfassung des Sinns der Gītā) verfasst. In unserem Artikel zur ebenfalls von Yāmunāchārya verfassten Chatuḥ Ślōkī finden sich noch einige weitere Information zu ihm. Wer gut Englisch kann, kann auch die Info-Seite zu Yāmunāchārya bei koyil.org besuchen.


Diese Übersetzung basiert auf einer Erläuterung der Wörter durch Puthūr Krishṇamāchārya (tamilisch), deren englische Übersetzung bei koyil.org verfügbar ist.


Würdigungsvers (Thaniyan)

Gedichtet von Rāmānuja, dieser Vers führt die meisten Werke von Rāmānuja an.

yat padāmbhōruhadhyāna vidhvasthāśēṣa kalmaṣaḥ
vastutāmupayā thō’haṃ yāmunēyaṃ namāmi tam

Ich verehre Yāmunāchārya, durch dessen Lotusfüße all meine Defekte entfernt wurden und ich meine wahre Natur als Sat, als ewiges Āthmā, erkannte.

Vers 1 – Zweck des Textes

svadharma jñāna vairāgya sādhya bhakthyeka gocharaḥ |
nārāyaṇa paraṃ brahma gītā śāstre samīritaḥ ||

Er, der nur durch die Pfade des Wissen (Jñāna Yoga), Losgelöstheit von weltlichen Dingen (Vairāgya, Karma Yoga), die zu Bhakti führen und uns (bei der Ausprägung unserer wahren Natur) nutzen und helfen, erkannt wird,
Nārāyaṇa, das höchste Brahma, lehrte dies (die Pfade) in einer Schrift, die Gītā genannt wird.

Verse 2 – 4, die drei Abschnitte der Gītā

Vers 2

jñānakarmāthmike niṣṭe yogalakṣye susaṃskrte |
āthmānubhūti siddhyarthe pūrva ṣaṭkena chodite ||

Jñāna Yoga (der Weg des Wissens) und Karma Yoga (der Weg der losgelösten Handlung gemäß den Vorgaben der Schriften) führen wohldekoriert (mit dem richtigen Selbstverständnis des Praktizierenden) zu Yoga (im spirituellen Sinn der Vereinigung mit höheren Ebenen des Seins),
und zur glückseligen Erfahrung des Āthmās (des Selbst). Dies wird in der ersten Hexade (sechs Kapiteln) vorgestellt.

Vers 3

madyame bhagavattattva yāthāthmyāvāpti siddaye |
jñānakarmābhi nirvartyo bhaktiyogaḥ prakīrtitaḥ ||

In der Mitte (der mittleren Hexade) wird Bhakti Yoga (der Pfad der Hingabe), das sich aus Karma Yoga und Jñāna Yoga entwickelt und das die Erfahrung des Höchsten ermöglicht, erklärt.

Vers 4

pradhāna puruṣa vyakta sarveśvara vivechanam |
karma dhīr bhaktirityādiḥ pūrvaśeṣo’ntimoditaḥ  ||

Erklärungen zum bewussten Einheiten (Āthmās), archetypischer Materie (mūla prakṛti, hier umschreiben als „das Manifeste“, vyakta) und sarveśvara, dem höchsten Herrn,
Karma Yoga, Weisheit (Jñāna Yoga), Bhakti Yoga und Prozesse / Details, die in den vorigen Kapiteln nicht erklärt wurden, befinden sich in der letzten Hexade.

Kṛṣṇa spricht die Bhagavad Gītā. Indien, Wasserfarben mit Gold, frühes 19. Jahrhundert, Quelle Wikipedia

Verse 5 – 22, der Inhalt der 18 Kapitel

Vers 5 – Kapitel 1 und Anfang Kapitel 2

asthāna sneha kāruṇya dharmādharmadhiyākulam |
pārthaṃ prapannamuddiśya śāstrāvataraṇaṃ kṛtam ||

Er (Arjuna) war durch Anhaftung, durch Mitleid mit schlechten Verwandten und durch gestörte Intelligenz, durch die er einen dharmischen Krieg nicht von einen a-dharmischen unterscheiden konnte, zerrissen, aber er ergab sich (Kṛṣṇa).
Hierdurch wurde die Schrift (Śastra) begonnen.

Vers 6 – Kapitel 2, 2. Teil

nithyāthmasaṅgakarmehāgocharā sāṅkyayogadhīḥ |
dvitīye sthithadhīlakṣā prktā tan mohaśāntaye ||

Das ewige Āthmā, (angemessene) Handlungen ohne Anhaftungen, als Ziel stetiges Urteilsvermögen und Weisheit, Sānkhya-Yoga, (das Yoga des Unterscheidungsvermögens – bestehend aus dem Wissen über das Selbst und über Karma Yoga) um die Verwirrung (von Arjuna) zu beenden, dies wird im zweiten Teil des zweiten Kapitels unterrichtet.

Vers 7 – Kapitel 3

asaktyā lokarakṣāyai guṇeṣvāropya kartṛtām |
sarveśvare vānyasyoktā tṛtīye karmakāryatā ||

Ohne ein Ziel (außer der Befreiung aus Tod und Wiedergeburt, Mokṣa), zum Schutz der Menschen (denen die Qualifikation für die Ausübung von Jñāna Yoga fehlt),
meditierend über die Guṇas, der Position des Selbst-Tätig-Seins,
der Aufgabe des Selbst-Tätig-Seins unter dem höchsten Herrn, so sollte man seine Pflichten erfüllen. (Das Vorgenannte ist Karma Yoga) Dies lehrt das dritte Kapitel.

Vers 8 – Kapitel 4

prasaṅgāt svasvabhāvoktiḥ: karmaṇo’karmatāsya cha  |
bhedā:, jñānasya māhātmyaṃ chaturthādhyāya uchyate  ||

In diesem Kontext werden am Anfang (des Kapitels) seine (Kṛṣṇas) Qualitäten erläutert. Karma Yoga wird als Jñāna Yoga etabliert und die Natur und Unterteilungen (von Karma Yoga) erläutert. Auch der Ruhm wahren Wissens wird im vierten Kapitel erläuert.

Vers 9 – Kapitel 5

karmayogasya saukaryam śaigryam kāśchana tadvidhāḥ |
brahmajñāna prakāraścha pañchamādhyāya uchyate ||

Die Durchführbarkeit von Karma Yoga, Aspekte zur Erreichung des Ziels (der Befreiung aus dem Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt), diese Zusätze zu Karma Yoga und den Zustand des Brahma Jñāna (Zustand, in dem alle reinen Āthmās als geich angesehen werden, unabhängig in welchen Körpern sie sich befinden) werden im 5. Kapitel besprochen.

Vers 10 – Kapitel 6

yogābhyāsavidhir yogī chaturdhā yogasādhanam |
yogasiddisvayogasya pāramyaṃ ṣaṣtha uchyate ||

Die Methoden der Yoga Praxis, die vier Arten von Yogis, Yoga Sādhana (die Übungen, die Geisteshaltung usw, die zum Yoga führen), Yoga Siddhi (die Resultate des Yoga) und die Vorzüge von Bhakti Yoga mit Kṛṣṇa als Ziel (svayogasya pāramyaṃ – das eigene / natürliche höchste Yoga, in die Situation in der die Bhagavad Gītā gesprochen wurde und angesichts des letzten Verses des 6. Kapitels, ist das plausiblerweise das Yoga der Hingabe an Kṛṣṇa) wird im 6. Kapitel besprochen.

Kurz nach dem Sprechen der Gītā, die beiden Seiten ziehen in die Schlacht. Links Kṛṣṇa als Wagenlenker, hinter ihm Arjuna. Rechts auf dem Streitwagen der wichtigster Gegenspieler, Karṇa. Indien, Wasserfarben, ca 1800, Quelle Wikipedia.

Vers 11 – Kapitel 7

svayātātmyam prakṛtyāsya thirodhiśśaraṇāgatiḥ |
bhakta bhedaḥ prabuddasya śraiṣtyaṃ saptama uchyate ||

Die Natur des höchsten Person (Bhagavān), verhüllt durch Prakṛti (archetypische Materie, diese verhüllt die Allgegenwart Bhagavāns), Śaraṇāgati (Kapitulation vor Gott, diese durchbricht die Verhüllung Gottes), die unterschiedlichen Arten der Gottessucher und die Größe des Jñānis werden im siebten Kapitel besprochen.

Vers 12 – Kapitel 8

aiśvaryākṣarayāthātmya bhagavaccharaṇārarthinām |
vedyopādeyabhāvānām ashtame bheda uchyate ||

(drei Arten der Gottsucher:) Der, der Reichtum sucht, der, der die Erfahrung des Āthmās sucht und der Jñāni, der die Lotusfüße des Herrn sucht, die Prinzipien, die verstanden und praktiziert werden müssen, diese Dinge werden im 8. Kapitel besprochen.

Vers 13 – Kapitel 9

svamāhātmyam manuṣyatve paratvaṃ cha mahātmānām |
viśeṣo navame yogo bhaktirūpaḥ prakīrtitaḥ ||

Seine eigene Größe, seine Erhabenheit selbst in menschlicher Form, die verschiedenen Arten von Mahāthmās (großen Gottgeweihten) und der Weg des Bhakti Yogas werden im neunten Kapitel erklärt.

Vers 14 – Kapitel 10

svakalyāṇa guṇānantya kṛtsna svādhīnatā matiḥ |
bhaktyutpatti vivruddhyarthā vistīrṇā daśamoditā ||

Die Unbegrenztheit seiner glorreichen Qualitäten und das Wissen über Ihn als Kontrollierender hinter allem, diese, die die Hingabe an ihn schaffen und nähren, werden im 10. Kapitel detailliert erklärt.

Vers 15 – Kapitel 11

ekādaśe sva yāthātmya sākṣātkārāvalokanam |
dattamuktaṃ vidiprāptyoḥ bhaktyekopāyatā tathā ||

Im elften Kapitel wird beschrieben wie (Arjuna) göttliche Augen gegeben werden, um ihn (Kṛṣṇa) zu sehen, wie er ist. Auf diese Art erkannte er ihn, begriff ihn. Es wir auch gesagt, dass Bhakti das einzige (geeignete) Mittel ist (um Kṛṣṇa zu erreichen).

Vers 16 – Kapitel 12

bhakteśśraiṣthyam upāyoktiḥ aśaktasyātmaniṣṭatā |
tatprakārāstvatiprītḥ bhakte dvādaśa uchyate ||

Die Erhabenheit des Bhakti Yoga, die Mittel, Hingabe an Bhagavān zu entwickeln, die Erkenntnis des Selbst (unseres Āthmās und seiner wahren Natur als abhängig von Bhagavān) für die, die nicht zu Bhakti fähig sind und die verschiedenen Qualitäten, die für Karma Yoga usw nötig sind, sowie die große Zuneigung, die Bhagavān zu seinen Geweihten empfindet, werden im 12. Kapitel erklärt.

Ramses II mit weiteren Kriegern auf einem Streitwagen. Vermutlich muss man sich den historischen Streitwagen Kṛṣṇas / Arjunas ähnlich minimalistisch vorstellen. Relief aus Abu Simbel Tempel, Quelle: Wikipedia

Vers 17 – Kapitel 13

dehasvarūpaṃ āthmāptihetuḥ āthmaviśodhanam |
bandhaheturvivekaścha trayodaśa udīryate ||

Die Natur des Körpers, die Mittel zur Vereinigung mit dem Āthmā (Kaivalya, Ziel der Hatha Yoga und Kundalini Yoga Pfande), die Erforschung und Erkenntnis des Āthmās, die Gründe der Gefangenschaft (in der materiellen Welt) und die Methode zur Unterscheidung (zwischen Āthmā / Chit und Achit, unbelebter Materie) werden im dreizehnten Kapitel besprochen.

Vers 18 – Kapitel 14

guṇabandhavidhā teṣām kartṛtvaṃ tannivartanam |
gati thrayasva mūlatvaṃ chathurdaśa udīryate ||

Die drei Guṇas und ihre Verbindungen mit dem materiellen Universum, ihre Wirkung als Grund von Handlungen, wie sie zu überwinden sind und er, die Wurzel der drei Ergebnisse (weltlicher Wohlstand, Verwirklichung des Āthmās und der Dienst an Bhagavān)* werden im vierzehnten Kapitel besprochen.

* Die Übersetzung von gati thrayasva als „drei Ergebnisse“ ist nicht sehr intuitiv. Zum Einen bedeutet gati gemäß Wörterbuch eher Bewegung oder Zuflucht (als Quell und Ende der Bewegung). Zum Anderen finden wir keinerlei Verweise auf diese drei Ergebnisse im 14. Kapitel der Gītā. Das liegt daran, dass Yāmuna hier auf eine vertrauliche Interpretation des gesamten 14. Kapitels (und der vorang gegangenen Kapitel) anspielt.

Wir finden in Vers 14:27 der Bhahgavad Gītā:

brahmaṇo hi pratiṣṭhāham amṛtasyāvyayasya ca |
śāśvatasya ca dharmasya sukhasyaikāntikasya ca
||

Ich bin in der Tat die Basis von Brahman (der All-heit, hier wohl in erster Line die All-heit der Āthmās), des Ewigen, des Unendlichen, des ewigen Dharmas, und der absoluten Wonne.

Rāmānuja kommentiert zu diesem Vers, dass die Essenz der Gītā von Mitte des 12. Kapitels bis zum 14 Kapitel die Überwindung der Eigenschaften der materiellen Natur ist, die in den oben genannten drei Arten von Ergebnissen mündet. Dieser Gedanke von Rāmānuja steht hinter der nicht ganz intutiven Übersetzung bei koyil.org.

Im Kommentar von Puthūr Krishṇamāchārya, der ebenfalls bei koyil.org zur Verfügung steht, werden in der Erläuterung von Rāmānujas Kommentar zu 14:27 die drei klassischen Zufluchten aus dem Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt genannt: Karma Yoga, Jñāna Yoga und Bhakti Yoga (vor 1000 Jahren wurde Aṣṭāṅga yoga, also Āsanas usw, noch nicht als separater Pfad, sondern als Fundament der anderen Pfade gesehen). Es scheint also, als ob das intutive Verständnis von gati thrayasva als drei Zufluchen somit ebenfalls sinnvoll ist.

Vers 19 – Kapitel 15

acin miśrāt viśuddhācca cetanāt puruṣottamaḥ |
vyāpanāt bharaṇāt swāmyāt anyaḥ pañcadaśoditaḥ ||

Höher als die (im Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt / an materiellen Dingen) verhafteten Āthmās und höher als die reinen (befreiten) Āthmās, sie durchströmend, sie tragend, er ist ihr Herr ist, er ist von ihnen verschieden, Puruṣottamaḥ (das höchste Wesen) – über ihn spricht das 15. Kapitel.

Vers 20 – Kapitel 16

devāsura vibhāgktipūrvikā śāstravaśyatā |
tattvānuṣthāna vijñānasthemne ṣhoḍaśa uchyate ||

Die Einteilung (der Menschen) in deva (heilig) und asura (grausam) und die Führung durch die Schriften bei der Bestimmung der Wahrheit (was unser Ziel ist) und im Prozess (mit dem man das Ziel erreicht), dies wird im 16. Kapitel besprochen.

Vers 21 – Kapitel 17

aśāstram āsuraṃ kṛtsnaṃ śāstrīyaṃ guṇataḥ prutak |
lakṣaṇaṃ śāstra siddasya tridhā saptadaśoditam ||

Die Handlungen, die die Schrift nicht empfiehlt, sie sind für die Asuras (die Grausamen). Die Handlungen, die die Schrift empfiehlt, durch die Guṇas gibt es sie in drei verschiedenen Qualitäten. Die drei Wortzeichen (Oṃ tat sat) bezeichnen solche Handlungen. Dies wird im 17. Kapitel besprochen.

Vers 22 – Kapitel 18

īśvar kartṛtā buddhiḥ sattvopādyatāntime |
sva karma pariṇāmaścha śāstrasārārta uchyate ||

Dass alle Dinge (letztlich) von Bhagavān selbst getan (werden), dass alle Dinge in Sattva, der Qualität der Balance und Reinheit, getan werden sollten, dass das Ende des Karmas (die Befreiung aus dem Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt) hieraus erwächst und dass Bhakti und Prapatti (die Kapitulation vor Gott) die Essenz der Schrift sind, dies wird im 18. Kapitel gelehrt.

Vier Āchāryas unserer Linie: zweiter von links HH Kaliyan Vanamamalai Jeeyar Swami, der aktuelle Āchārya in der Linie von Manavala Māmunigal (siehe unsere Tradition), in der viele im koyil.org Team Schüler sind. In der Mitte dann HH Appan Parākala Embar Jeeyar Swami, der Āchārya von Mādhava. Zweiter von rechts ist Dr. M.A. Venkatakrishnan, ein bedeutender Experte und Redner zu den Schriften unserer Tradition.

Verse 23-28: Defintion der drei Yogas

Vers 23

karmayogastapastīrthadāna yajñādisevanam |
jñānayogo jitasvāntaiḥ pariśuddātmani stitiḥ ||

Karma Yoga ist die permanten Ausübung von Askese*, Pilgerreisen, Wohltätigkeit und Opfern. Jñāna Yoga wird von denen getan, die das eigene Gemüt besiegt haben, die in ihrem Selbst ruhen und sich nicht für materielle Dinge interessieren.

* Das Wort Tapasya ist etwas schwierig zu übersetzen, weil es ein Konzept ist, dass es in unserem Kulturraum so nicht gibt. Früher wurde es oft mit Buße übersetzt, aber das Konzept Buße impliziert, dass man für etwas büßt – so etwas fehlt bei Tapasya, mangels einer Schuld- und Sünde-Theologie. Man unterwirft sich bei Tapasyas freiwillig bestimmten Auflagen / Regeln, um die Festigkeit des Geistes zu schulen oder gutes Karma aufzubauen / die Gunst bestimmter Devas zu gewinnen.

Vers 24

bhakthiyogaḥ paraikāntaprītyā dhyānādiṣu stitiḥ |
thrayāṇāmapi yogānāṃ tribhiranyonya saṅgamaḥ ||

Bhakti Yoga ist die Hingabe zum Höchsten, stets ruht der Geist auf ihm (man meditiert über ihn, man verehrt in mit Puja und Ritualen usw). Bei der Ausführung jedes der drei Yogas sind die anderen beiden mit enthalten.

Vers 25

nitya naimittikānām parārādhana rūpiṇām |
ātmadṛṣtes trayo’pyete yogadhvāreṇa sādhakāḥ ||

Nitya Karma und Naimittika Karma**, die im Rahmen der drei Yogas als Verehrung des höchsten Wesens praktiziert werden (anstatt als reine Pflichterfüllung aus Angst vor schlechtem Karma), sind Mittel zur Erkenntnis des Selbst und zur Eintritt in den Yoga- Zustand (Samādhi).

** Das sind Riten die „Zweimal Geborene“, also Menschen, die in die Rezitation der Veden eingeweiht worden sind, ausführen müssen. Permanent (täglich, monatlich, jährlich) im Falle von Nitya Karma und zu bestimmten Anlässen wie Geburt, erste feste Nahrung usw im Falle von Naimittika Karma.

Wenn der Übersetzer Westlern erzählt, dass er aus Respekt vor den Varna Regeln (landläufig und grob: Kasten Regeln) keinerlei Verse aus den Veden rezitiert, (denn er ist nicht Zweimal-Geboren) führt dies oft zu großer Verwunderung. „Aber warum hältst Du Dich denn an solche bescheuerten Regeln, wie kommen die dazu, sowas zu verbieten? Wir sind doch freie Menschen!“ Solcherlei Äußerungen sind zu hören. Was hier und auch von vielen „modernen“ Indern vergessen wird ist, dass das Varna System symmetrisch ist: Ja, ohne Einweihung in die Veden darf man keine Verse aus den Veden rezitieren – sie lesen und alles andere wie z.B. die Bhagavad Gītā rezitieren übrigens schon. Aber die, die es dürfen, sind gleichzeitig zu den Nitya und Naimittika Karmas verpflichtet, die der Übersetzer gar nicht ausführen darf.

Besondere Rechte gehen bei korrekter Befolgung des Varna Systems also stets mit zusätzlichen Pflichten und der Gefahr eines tiefen Falls einher. Dies wird gerne vergessen. Aus diesem Grund sind viele orthodoxe Zweimal-Geborene gar nicht besonderns glücklich mit dieser ehrenhaften Rolle, da Menschen wie der Übersetzer durch die Gnade Rāmānujas genau so Befreiung erlagen werden wie sie – aber mit weniger Pflichten! Unsere Āchāryas haben daher mehrfach betont, dass eine „niederige“ Geburt (als Ausländer, Kastenloser, Śudra oder als Frau jeglicher Kaste – auch sie erhalten keine Einweihung in die Rezitation der Veden) ein Vorteil und kein Nachteil ist!

Vers 26

nirasta nikilājño dṛuṣṭvāthmānam parānugam |
prathilabhya parāṃ bhaktiṃ thayaivāpnoti tatpadam ||

Die Unwissenheit zerstört, dem höchsten Wesen zu Dienst, das Selbst erkannt, so erreicht man die höchste, reinste Stufe der Hingabe. Durch diese reine Hingabe erreicht man seine Lotusfüße.

Vers 27

bhakti yogas thadartī chet samagraiśvarya sādhakaḥ |
āthmārthī chettrayo’pyete tatkaivalyasya sādhakāḥ ||

Falls man nach Wohlstand strebt, durch Bhakti Yoga wird man in erreichen. Alle drei Yogas führen zu Kaivalya, für die, die Wonne des Āthmā genießen wollen.

Vers 28

aikānthyam bhagavatyeṣāṃ samānamadhikāraṇām |
yāvatprāpti parārtī chettadevātyantamaśnute ||

Die Hingabe an Bhagavān (anstatt irgendwelcher Devas) ist allen qualifizierten Personen (die eines der drei Yogas praktizieren) gemein. Falls, bevor die Frucht (Wohlstand, Erfahrung des Āthmā – Kaivalya) erreicht ist, die Sehnsucht nach den Lotusfüßen des Herrn erwacht, können diese (anstatt der unsprünglich angedachten Frucht) erreicht werden.

Falls also jemand kein Interesse am Dienst an Bhagavān verspürt, ist es kein Schaden, wenn er z.B. mit Karma Yoga und Kaivalya als Ziel beginnt. Falls er Fortschritte macht (also qualifiziert wird), wird die Hingabe an Bhagavān von alleine erwachten und er kann jederzeit das Ziel seines Weges ändern.

Verse 29 – 31: Lob des Jñāna Yogis

Vers 29

jñāni tu paramaikāntī tadāyattāthma jīvanaḥ |
tat saṃślṣa viyogaika-sukhaduḥ khastadegadhīḥ ||

Ein Jñāna Yogi, der dem höchsten Wesen ergeben ist, dessen Leben durchdrungen ist von der Verehrung des höchsten Wesens, der glücklich ist, wenn er mit ihm zusammen ist und verzweifelt, wenn sie getrennt sind, sein Wissen ruht in Bhagavān.

Vers 30

bhagavaddyāna yogokti vandana stutikīrtanaiḥ |
labdhāthmā thadgataprāṇa manobuddīndriya kriyaḥ ||

Über Bhagavān meditierend, ihn betrachtend, über ihn redend, ihn verehrend, ihn preisend, über ihn singend, wer so lebt, dessen Leben, Gemüt, Geist und Sinne sind nur mit Bhagavān befasst.

Vers 31

nija karmādi bhaktyantaṃ kuryāt prītyaiva kāritaḥ |
upāyatām parityajya nyasyet deve tu tāmabhīḥ ||

Er der fähig ist zu allen Wegen, beginnend mit Karma Yoga bis hinauf zu Bhakti Yoga; Gibt er die Haltung auf, dass diese Wege (zum Erreichen von Bhagavān) sind und ruht in ohne Furcht in Bhagavān, so ist dies der Weg, über den meditiert werden sollte.

Dies ist ein leicht verklausulierter Hinweis auf Prapatti (siehe unsere Philosophie). Zur Zeit von Yāmuna war die Lehre von Prapatti noch vertraulich und wurde noch von Lehrer zu Schüler weitergegeben. Die öffentlichere Lehre von Prapatti begann mit Rāmānuja.

Vers 32 – Konklusion

ekāntātyanta dāsyaikaratis tatpadamāpnuyāt |
tatpradānamidaṃ śāstram iti gītārthasaṅgrahaḥ ||

Der, der nur den kontinuierlichen Dienst (an Bhagavān) erstrebt, wird jene (Bhagavāns) Lotusfüße erreichen. Diese Schrift (die Bhagavad Gītā) hat als wichtigstes Ziel, das Jīvāthmā auf diese Ebene zu bringen.
Hiermit endet das Gītārtha Saṅgrahaḥ.

Adiyen Mādhava Rāmānuja Dāsan
Übersetzung Englisch – Deutsch, Edition für westliches Publikum
Adiyen Sarathy Rāmānuja Dāsan
Übersetzung vom tamilischen Originaltext ins Englische

Kṛṣṇa manifestiert vor Arjuna seine universale Form – beschrieben in Bhagavad Gītā Kapitel 11