Mudhal Āḻvārs – die ersten drei Āḻvārs

Viel wurde über die Āḻvārs geschrieben, die 12 poetischen Heiligen, deren Verse das Herz der südlichen Linie der Śrī Vaiṣṇavas bilden, zu der auch das koyil.de Projekt gehört. Dieser Text befasst sich mit den ersten drei Āḻvārs, die kurz hintereinander auf dieser Welt erschieben und bei denen bereits vieles angelegt wird, was spätere Āḻvārs wie Nammāḻvār oder Periyāḻvār in wundervolle Worte fassen werden. In unserer Linie werden die ersten drei Āḻvārs oft zusammen als Mudhal Āḻvārs gefasst, Mudahl bedeutet auf tamilisch „früh“.

Es gibt eine gut hunder Jahre alte Debatte darüber, wie die Āḻvārs zeitlich einzuordnen sind. Unsere Tradition legt Wert darauf, dass sie in alter Zeit, zu Beginn des aktuellen Kali Yugas vor etwa 4000 Jahren gelebt haben. Die akademische Forschung platziert sie im 7. – 9. Jahrhundert unserer Zeit. Das Problem mit der Festlegung des historischen Alters der Āḻvārs ist, dass es kaum schriftlichen Belege über irgendetwas in Indien vor dem 9. / 10. Jahrhundert unserer Zeit gibt. Dies liegt vor allem daran, dass muslimische Invasoren im Laufe des 10. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung begannen, Indien zu erobern und alle Universitäten und Bibliotheken, die sie vorfanden, verbrannten.

Wir haben den Eindruck, dass die akademische Datierung so funktioniert, dass in den Versen nach Bezügen zu Tempeln und Orten Ausschau gehalten wird, um dann zu schlussfolgern, dass Tempel X im Jahr Y gebaut wurde, daher kann der Autor der Verse nur einige Jahr vor dem Jahr Y geboren worden sein. Das Problem mit diesem Ansatz ist, dass die heutigen Tempel i.d.R. ältere Bauwerke ersetzt haben oder umfangreiche Umbauten dieser älteren Bauswerke darstellen. Viele im 11. und 12. Jahrhundert unserer Zeitrechnung neu gebaute Tempel hatten zudem Vorgängerbauten aus Holz, deren Spuren sich aufgrund der schnellen Zersetzung von Material im Klima Indiens heute nicht mehr nachweisen lassen.

Die Gedichte der Āḻvārs beschreiben dazu noch meistens die Bildgestalt und die Umgebung des Temples, nun nicht die Details des Tempelgebäudes. Zum Beispiel sehen wird Verweise auf die Lage auf einer Insel und auf die hohen Mauern des Śrīraṇgam Tempels im Thirumālai, aber wichtige und bekannte Merkmale des heutigen Tempels wie die Halle der Tausend Säulen oder die goldenen Vimanas (Spitzen) einiger Tempelgebäude finden keinerlei Erwähnung. Aus diesem Grund halten wir diesen Ansatz zur Datierung für fragwürdig.

Insgesamt ist die Menge an Informationen, die wir über das Leben der Āḻvārs haben, ausgesprochen beschränkt. Das ist kein Wunder: die Āḻvārs und ihre Verse waren zur Zeit von Nāthamuni, einem Vorgänger von Rāmānuja, der im 9. Jahrhundert unserer Zeit erschien, so gut wie vergessen. Was wir wissen wurde durch Nammāḻvār übermittelt, der mit Hilfe der Nachkommen von Nammāḻvārs Schüler Madhurakaviāḻvār vor Nāthamuni erschien. Madhurakaviāḻvār war ein fähiger Yogi, der in der Lage war, sein Leben außerordendlich zu verlängern (er verließ seinen Körper vermutlich nur einige Jahrzehnte vor der Zeit von Nāthamuni). Nāthamuni verbindet daher die Zeit der Āḻvārs mit der Zeit der Āchāryas, die mit ihm begann. Von Nāthamuni an wurden die Lebensgeschichten der Āḻvārs in der Linie der Āchāryas weiter gegeben, zusätzlich hat sich einiges an Folkore entwickelt.

Poigai Āḻvār

Die akademische Forschung platziert Poigai Āḻvār im 7. Jahrundert, unsere Tradition berichtet von seiner Geburt am Ende des letzten Zeitalters (dem Dvapara Yuga), also ca. im Jahr 4.200 vor unserer Zeitrechnung. Er wurde im tamilischen Monat Aippasi geboren, der normalerweise im Bereich Oktober / November liegt. Dies ist in Südinden der kälteste Monat, die Temperaturen überschreiten selten 30° Celsius. Da er im Dvapara Yuga geboren wurde, war seine Lebensspanne gemäß der vedischen Lehren deutlich größer als die von heutigen Menschen.

Er wurde in der Nähe des Yathothkari Perumal Tempels in einem Ort namens Thiruvekkā geboren, der in Kanchipuram liegt- einem Ort, der etwa 50km westlichen der Küste Tamil Nadus zum Golf von Benganeln liegt, im Südwesten der heutigen Stadt Chennai. Er und die beiden Āḻvārs, die in den beiden Tagen nach seiner Geburt geboren wurden (Bhūta Āḻvār und Pey Āḻvār) hatten keine menschlichen Mütter, sondern erschienen auf Blumen. Poigai Āḻvār wurde auf einem kleinen Teich auf einer Lotusblüte gefunden.


Blick in den Yathothkari Perumal Tempel, wie er heute aussieht

Es gibt einige alternative Namen, unter denen der Āḻvār bekannt ist. Poigai bedeutet im tamilischen kleiner Teich und Āḻvār bedeutet „versenkt in die Hingabe an Gott“. Verbreitete alternative Namen sind „Saro Yogi“, was im Sanskrit „wesentlicher Yogi“ beudeutet, sowie Saro Munīndar, was eine ähnliche Bedeutung hat, und Kāsāra Yogi, was „Yogi aus dem Teich“ bedeutet.

Sehr wenig ist über seine frühen Jahre bekannt, außer dass er Srīman Nārāyaṇa seit jungen Jahren sehr hingegeben war und schnell großes spirituelles Wissen erwarb. In seinen späteren Jahren lebte er als Eremit an verborgenen Stellen im Wald lebte, häufig wanderte er auch große Distanzen zu Tempeln, um den Nektar der Präsenz der Bildgestalten dieser Tempel zu genießen.

Ein Höhepunkt seines Lebens war sicherlich das Treffen mit den anderen beiden frühen Āḻvārs. Über das werden wir berichten, wenn wir die andern beiden frühen Āḻvārs vorgestellt haben. Bevor wird das tun, möchten wir aber noch ein wenig Hintergrund zu der Zeit geben, in der die Āḻvārs erschienen.

Auch wenn die Menschen im letzten Zeitalter, dem Dvapara Yuga, im Allgemeinen spirituell weitaus fortgeschrittener waren als wir, wissen wir doch aus dem Gespräch von Kṛṣna mit seinem Freund Arjuna, welches als Bhagavad Gītā bekannt wurde und das nur wenige Jahrzehnte vor der Erscheinen der Āḻvārs statt fand, dass viel spirtuelles Wissen zu dieser Zeit verloren gegangen war. Die Menschen folgten allen religiösen Kodizes und Praktiken, die in den Veden und und Schriften zum rechten Verhalten (Dharma Shastras) festgelegt waren. Aber ihnen fehlte ein Verständnis der Essenz, um was es in all dem, was sie taten, wirklich ging, was wirklich wichtig war und was nicht. Diese Essenz wird von Kṛṣna in der Bhagavad Gītā gelehrt und wir dürfen annehmen, dass die Gītā erst im Laufe der Zeit die Relevenz gewann, die sie heute hat. Weil die Menschen zumeist an dem formellen, ritualistischen Aspekt der vedischen Religion verhaftet waren, waren die Āḻvārs, die eine intime, liebevolle und eher informelle Beziehung zu Nārāyaṇa hatten, zumeist auf sich allein gestellt.

Poigai Āḻvār hinterließ uns ein Werk namens „Mudhal Thiruvandhadhi“, ein göttlichen Gedicht von 100 Versen auf tamilisch. Hier ist der erste, Vers, der das Gedicht einführt:

Vaiyam takaḷiyā vārkaṭalē neyyāka
veyya katirōṉ viḷakkāka – ceyya
cuṭar āḻiyāṉ aṭikkē cuṭṭiṉēṉ col
mālai iṭarāḻi niṅkukavē eṉṟura

Die Erde als Schale, die Ozeane als Ghee und die Sonne mit heißen Strahlen als Licht,
Ich widme diese Girlande aus Wörtern, die sagt ‚beseitige diesen Ozean aus Hindernissen‘ den heiligen Füßen dessen, der das Chakra mit gleißendem roten Licht führt.
[Srīman Nārāyaṇa]

Nach der Einführung der anderen beiden Āḻvārs werden wir mehr über das hier benutze Bild der Erde als Ghee-Lampe lernen. Dies ist eine Lampe, deren Brennstoff geklärte Butter ist – diese wird traditionell bei der Verehrung von Bildgestalten verwendet.

Es ist in unserer Traditon üblich, dass jede große Persönlichkeit aus der einen sogenannte Thaniyan hat, einen Würdigungsvers, der den Ruhm und die Verdienste der jeweiligen Person zusammen fasst. Dieser Thaniyan wird rezitiert, befor wir die Werke der jeweiligen Person rezitieren. Hier ist der Sanskrit Thaniyan von Poigai Āḻvār:

kāñcyām sarasi hēmābjē jātaṃ kāsārayōginam |
kalayē yaḥ śriyaḥpatayē raviṃ dīpaṃ akalpayat ||

Ich meditiere über Kāsārayōgi, der in einem goldenen Lotus im Wasserbecken des Tempels in Kanchi erschien. Er opferte die Sonne als Lampe für den Herrn von Śrī. [kein anderer als Srīman Nārāyaṇa].

Der tamilische Thaniyan ist folgendermaßen:

kaidhai sēr pūmpoḻil sūḻ kachchi nagar vandhudhiththa
poygaip pirān kaviñyar pōrēṟu |
vaiyaththu adiyavargaḷ vāḻa aruntamiḻ nuṟṟanthādhi
padiviḷangach cheydhān parindhu ||

Der erste unter den Poeten, Poigai Āḻvār erschien in der Gartenstadt von Kanchipuram. Mit größtem Mitgefühl, um die Anhänger des Herrn auf der Erde zu befreien und sie zu den Lotusfüßen des Herrn zu bringen, verfasste er ein besondere Kompostion aus 100 Versen im Antaādhi Stil.

Bhūta Āḻvār

Für diesen Āḻvār gibt es eine verwirrende Vielfalt an Arten, wie der Name geschrieben wird, z.B. Bhūthathāḻvār, Budattazwar oder Bhuthath Azhwar. Das Adjektiv bhūta bedeutet auf Sanskrit rein oder auch angemessen. Er ist auch unter den Namen Bhūta Yogi, Bhūthahvayar, Mallāpuravarādhīshar und Pudhathar. Uns liegen keine Informationen über die exakten Bedeutungen dieser Namen vor.

Er erschien an dem Tag nachdem Poigai Āḻvār erschien. Bhūta Āḻvār wurde in Mahabalipuram (auch Māmallapuram genannt) geboren, ein Dorf am der Ostküste von Tamil Nadu am Golf von Bengalen im Süden von Chennai. Er erschien also etwas 50km östlich von dem Ort, wo Poigai Āḻvār erschien. Auch Bhūta Āḻvār wurde nicht geboren, sondern erschien auf einer Blume – einer Kurukkathi (Sanskrit Mādhavi) Blume.

Wie bei Poigai Āḻvār ist auch bei Bhūta Āḻvār sehr wenig über sein Leben bekannt. Es wird erzählt, dass er – wie Poigai Āḻvār – seit seinen frühen Jahren Srīman Nārāyaṇa hingegeben war und ein Leben in Zurückgezogenheit führte, aber oft zu den Tempeln von Srīman Nārāyaṇa wanderte. Bekannt ist einzig das Treffen mit den anderen beiden frühen Āḻvārs, über das wir berichten werden, wenn wir den letzten der frühen Āḻvārs eingeführt haben. Bhūta Āḻvār hinterließ und das Iraṇdām Thiruvandhāthi. Hier der 5. von 100 Versen:

Aḍi mūnṟil ivvulagam anṟu aḷandāy pōlum
Aḍi mūnṟirandavani koṇdāy paḍininṟa
Nīr ōda mēni nedumālē nin aḍiyai
Yār ōda vallār aṟindu

Oh Herr mit dem Schimmer des blauen Ozeans, vor Aeonen erschienst Du, um Mahabali nach drei Schritten von Land zu fragen. Aber du brauchtest nicht einmal diese drei Schritte, um das Universum zu überschreiten. Wer kann das Geheimnis deiner Füße verstehen oder vorgeben, von ihnen zu sprechen?

Der Āḻvār bezieht sich hier auf die Geschichte von Vāmana, einem Avatar von Śrīman Nārāyaṇa, der das Universum von einem dämonischen König mit einer sehr interessanten Persönlichkeit namens Bali oder auch Mahabali zurück erhielt, und zwar durch „legale“ Mittel:

Bali war ein rechtschaffender König, hatte aber den Nektar der Unsterblichkeit erhalten und mit Hilfe dieser Gabe sowohl die Himmels- als auch die Unterwelt und die Erdreiche erobert. Die Devas ersuchten Viṣṇu (Śrīman Nārāyaṇa) um Hilfe, das Himmelsreich wieder zurück zu erhalten. Da Bali rechtschaffend und ein Anhänger von Viṣṇu war, lehnte letzterer es ab, diesem Wunsch mittels Gewalt nachzukommen. Als der König ein großes Opfer darbrachte, bei dem auch Geschenke an alle Anwesenden verteilt wurden, inkarnierte sich Viṣṇu als zwergenhafter Asket, genannt Vāmana, und bat um das Geschenk von drei Schritten an Land. Der König kam diesem Wunsch nach, doch sogleich wuchs Vāmana auf riesenhafte Form (Trivikrama genannt) an, in der er mit einem Schritt den Himmel und mit einem zweiten die Erde überschritt. Der König erkannte, dass es Viṣṇu war und bot ihm sein Haupt als Platz für den dritten Schritt an (ein Zeichen der Unterwerfung). In vielen Texten wird berichtet, dass er als Lohn dafür die Herrschaft über die Unterwelt behalten durfte.

Vāmana benutze also nicht seine Kraft oder gar Gewalt, es ist die friedlichste Inkarnation von Śrīman Nārāyaṇa. Der Name des Geburtsorts von Bhūta Āḻvār bedeutet wörtlich übersetzt „Stadt von Mahabali“. Es gibt archäologische Hinweise daruaf, dass die Stadt früher ein wichtiger Handelsplatz war, vermutlich einer der wichtigsten Häfen für den Handel zwischen dem indischen Subkontinent und dem römischen Reich. Die Stadt ist heute nicht mehr sehr groß, es gibt aber Belege dafür, dass sie früher sehr viel größer war, bevor eine Flutkatastrophe einen Großteil der Stadt zerstörte. Er erscheint also absolut plausibel, dass Bhūta Āḻvār seit seiner Kindheit viele Geschichten über Mahabali and Vāmana gehört hat, die ihn zu einem großen Anhänger von Vāmana machten.


Bild von Vāmana an einem Tempel in Rajasthan (Quelle: Wikipedia)

Sanskrit Thanian

mallāpura varādhīśaṃ madhavī kusumōdbhavam|
bhūtaṃ namāmi yō viṣṇōrjñānadīpamakalpayat ||

Ich meditiere über Bhūta Yogi, der aus einer Mādhavi Blume erschien. Er ist der erhabene Herr von Māmallapuram und opferte Viṣṇu die Lampe des Wissens.

Es gibt auch tamilische Thanians, aber wir konnten sie bisher nicht in Erfahrung bringen.

Pey Āḻvār

Pey Āḻvār (auch Peialvar, Peyalvar oder Pey Azhwar geschrieben) erschein an dem Tag nachdem Bhūta Āḻvār erschien. Wie bei Bhūta Āḻvār und Poigai Āḻvār erschien er auf einer Blume – eine rote Lilie im Falle von Pey Āḻvār, die auf einem Teich in der Nähe des Adi Keśava Temples im heutigen Chennai. Pey bedeutet „besessen“ im Tamilischen, da Pey Āḻvār auf Außenstehende wirkte wie jemand, der besessen ist. Diese Erscheinung kommt daher, dass er so in Gedanken an Viṣṇu versunken war, dass er die normalen sozialen Gebräuche vergaß. Er ist auch unter den Namen Bhrantayogi, Mahathāhvayar und Mayilāpurādhiparn bekannt. Das Wort „bhranta“ bedeutet konfus, wandernd, unstet im Sanskrit. Die Bedeutung der anderen Namen ist uns nicht bekannt.

Es wir erzählt, dass Pey Āḻvār im Adi Keśava Tempel Dienste verrichtete, in dem er Girlanden aus Tulsi (Tulasī, eine indische Form von Basilikum, die von Viṣṇu sehr geschäzt wird) und Blumen gerstellte. Es gab auch Unterweisungen und Vorlesungen sowie Pañca Saṃskāram (Einweihung) für den Āḻvār, der nach ihm erschien (Thirumaḻisai Āḻvār).

Pey Āḻvār hinterließ und ein Werk, das Mūnṛām Thiruvandhādhi genannt wird. Hier der 9. von 100 Versen:

Kaṇṇum kamalam kamalamē kaittalamum
Maṇ aḻanda pādamum maṟṟavaiyē eṇṇin
Karumā mugil vaṇṇam kṝ kkaḍal nīr vaṇṇan
Thirumāmaṇi vaṇṇan tēśu

Kannst Du eine Vision beschwören von dem, dessen Farbe wie die einer dunklen Wolke ist, die es Ozeans und eines strahlenden Saphir? Dies ist die Schönheit des Herrn, wenn man sie sich vorstellen kann, mit Augen, die schauen wie ein roter Lotus und Händen und Füßen, die genau so strahlen.

Sein Thaniyan

dṛṣṭvā hṛṣṭam taḍā viṣṇum ramayā mayilādhipam |
kūpe raktotapale jātam mahatāhvayaṃ āsraye ||

Ich ergebe mich Pey Āḻvār, der Anführer von Mylapore, der auf einer roten Lilie erschien und größte Freude erfuhr, durch die Vision von Srīman Nārāyaṇa mit seiner Gefährtin Srī Mahālakṣmī.

Mudhal Āḻvārs (die drei frühen Āḻvārs zusammen)

Häufig werden die ersten drei Āḻvārs zusammen Mudhal Āḻvār genannt. Mudhal bedeutet auf tamilisch „erste“ oder „anfängliche“. Sie werden zusammen so genannt, da

  • Die Drei an darauf folgenden Tagen geboren wurd, in der Ordnung Poigai Āḻvār, Bhūta Āḻvār und Pey Āḻvār.
  • Alle drei das waren, was man im Sanskrit „ayonija“ nennt- sie waren keine Kinder menschlicher Eltern.
  • Sie waren Srīman Nārāyaṇa seit ihrer Geburt sehr hingegeben, und genossen den Segen, ihr ganzes Leben göttliche Freude empfangen zu können.

An einem Punkt an ihrem Leben trafen sie sich und blieben ab diesem Punkt zusammen, um zu verschiedenen heiligen Orten zu reisen. Sie sind im tamilischen daher auch unter dem Namen „Ōṭit tiriyum yōkikaḷ“ – die wandernden Yogis – bekannt.

Kommen wir nun zu der Geschichte, wie die drei sich trafen. Eines Tages besuchte Poigai Āḻvār den Ort Thirukovilur. Thirukovilur ist eine kleine Stadt mit vielen Tempeln, die ca 130km im Süden der heiligen Stadt Kanchipuram liegt. Poigai Āḻvār ging durch die Straßen der Stadt, zu gleichen Zeit wurde sie auch von Bhūta Āḻvār und Pey Āḻvār besucht.

Jeder, der schon einmal tropische Regionen besucht hat, weiß, wie heftig und plötzlich es dort regnen kann. Solch ein Regen begannt und Poigai suchte nach einem Unterstand. Er fand einen schmalen Gang im vorderen Bereich eines Hauses, über das gesagt wird, dass es dem Heiligen Mrigandu gehörte. Er legte sich hin, in der Erwartung die Nacht an diesem ungemütlichen und engen Platz zu verbringen. Einige Zeit später entdeckte auch Bhūta diesen Ort und als er entdeckte, dass bereits jemand an diesen Ort war, fragte er, ob es nicht noch Raum für eine weitere Person gäbe. Poigai begrüße den Fremden und erklärte, dass der Patz, der einer Person zum Liegen genügt, für zwei Personen zum Sitzen reicht.

tropischer Regen in Indien

Eine Stunde verging und ein weitere ehrenwerte und klatschnasse Person kam in den Unterstand. Er wurde durch die anderen willkommen geheißen und alle drei konnte in dem kleinen Raum – in dem einer liegen und zwei sitzen konnten – zumindest angenehm stehen. So standen die drei Āḻvārs in absoluter Dunkelheit und teilten miteinander ihre Erfahrungen mit den Herrn und seinen wundervollen Attributen.

Auf einmal fühlten sie sich extrem bedrängt. Wo sie vorher noch angenehm stehen konnte, fühlten sie nun, dass der verfügbare Platz geschrumpft ist, als ob eine vierte Person – unbemerkt von den anderen dreien – ohne Ankündigung in den schmalen Gang geschlüpft wäre und nun mit ihnen dort steht.

Es war stockfinster, doch Poigai Āḻvār wollte eine Lampe. Er nahm die ganze Erde als Lampe, das Wasser des salzigen Ozeans als Lampenöl und die Sonne als Licht. Bhūta Āḻvār erleuchtete den Ort mit seiner Liebe zum Herrn als Lampe, der Hingabe zu ihm als Lampenöl und seinem Geist als Licht. Dies ermöglicht Pey Āḻvār, zu erkennen, dass der Herr selbst mit seiner Gefährtin Srī Mahālakṣmī den Raum betreten hatte.

Gleich am Anfang seines Mūnṛām Thiruvandhādhi beschreibt Pey Āḻvār, was er erlebte:

Thirukkaṇṭēṉ poṉ mēṉi kaṇṭēṉ tikaḻum
arukkaṉaṇi niṟamum kaṇṭēṉ – cerukkiḷarum

Mir erschien die göttliche Mutter (Srī, im tamilischen auch Thiru) von wunderbarer Form und leichtetend wie die Sonne, so wie er.

Und weiter:

poṉṉāḻi kaṇṭēṉ puri caṅkam kaikkaṇṭēṉ
eṉṉāḻi vaṇṇaṉ pāl iṉṟu

Mir erschien er, der im Schlachtfeld seinen Diskus schleudert, er, der das Muschelhorn trägt, er, der dem Ozean gleicht.

Die Erscheinung des Herrn und der göttlichen Mutter inspirierte die drei Āḻvārs zu Gedichten, von denen wir bereits einen kleinen Teil gehört haben. Jeder der Āḻvārs verfasste spontan einhundert Verse, angefüllt mit Hingabe für den Herren.

Diese Werke bilden den Anfang der Viertausend Verse, die die Āḻvārs insgesamt verfasst haben und die man Divya Prabandham nennt. Sie sind die frühesten Werke einer Tradition, die später als Śrī Vaiṣṇavam bekannt werden wird. Die Āḻvārs rühmen grundsätzlich niemanden außer der göttlichen Mutter Srī Mahālakṣmī und Srīman Nārāyaṇa. Jedoch lobt der Anführer der Āḻvārs, Nammāḻvār, die ersten drei Āḻvārs in seinem Werk und lobt die Schönheit ihrer Werke und ihre Hingabe.

Es wird erzählt, dass Srīman Nārāyaṇa sich die drei Werke voller Freunde anhörte. Danach verschwand er, aber nicht ohne sie zu segnen. Von diesem Punkt an wanderten sie gemeinsam zu Tempeln und heiligen Orten. Die Folklore sagt, dass die drei Āḻvārs dabei mit zwei besonderen Begegnungen gesegnet wurden:

  • Sie kamen in die Gegenwart von Srī Rāma und seinen Gefährten aus der Rāmāyana, insbesondere Rāmas jüngerer Brunder Śatrughna, Hanumān und andere.
  • Sie hatten eine besondere Begegnungn mit Veṅkaṭēśvara, der Bildgestalt eines der wichtigsten Viṣṇu Tempel, die es in Indien gibt. Dieser Tempel wird Tirumala Venkateswara Tempel genannt und liegt in Tirupathi, etwa 130km nördlich von der Gegend, in der die Āḻvārs erschienen. Der Tempel ist auf dem Tirumala Hügel, der selbst ein ausgesprochen heiliger Ort ist. Aus diesem Grund gingen die Āḻvārs zu diesem Ort aber zögerten, auf den Hügel zu steigen. Daher kam Veṅkaṭēśvara den Hügel herunter, um die Drei an dem Ort zu treffen, an dem sie waren. Einige sagen, dass der alte Name eines Teiches am Hügel – Āḻvār Theertham (heutzutage meistens Kapila Theertham genannt) – an diese Begegnung erinnert.

Adiyēn Mādhava Rāmānuja Dāsan

Autor: koyildeutschland

Sri Vaishnavam in Deutschland

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